When Saints Go Machine - Infinity pool

When Saints Go Machine- Infinity pool

!K7 / Al!ve
VÖ: 24.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mut zur Hässlichkeit

Hübsche Plattencover sind inzwischen einfach zu Mainstream. So könnte man zumindest meinen, wenn man betrachtet, was manche Bands den Augen ihrer Fans in der jüngeren Vergangenheit zuzumuten wagten. Man betrachte nur einmal das Artwork zum Yeah-Yeah-Yeahs-Album "Mosquito" oder zu Gossips "A joyful noise". Mit "Infinity pool" beweisen auch When Saints Go Machine Mut zur Hässlicheit - das Cover ihres dritten Albums könnte auch als Screenshot eines billigen alten Computerspiels durchgehen. Wenn auf einem Konzert des Kopenhagener Quartetts im Publikum reihenweise Augen zufallen, liegt das aber nicht an mangelnder Ästhetik, sondern allein an der fesselnden Atmosphäre, die die Band auf der Bühne kreiert. When Saints Go Machine sind eine großartige Liveband.

"Is' ja voll 90er!" trifft nicht nur auf das Artwork von "Infinity pool" zu. Auch musikalisch orientieren sich die Dänen deutlich an der Rave-Kultur jener Dekade. Dass man zur Musik der Band nicht wirklich raven kann, spielt erst einmal keine Rolle, im Vordergrund stehen die Emotionen, die die vier Herren zu erzeugen vermögen. "Infinity pool" ist keine reine Kopfmusik, es geht aber mehr ums Fühlen als ums Tanzen. Auch in der Produktion hat sich die Band häufig auf ihr Gefühl verlassen. "Love and respect" war zu Anfang ein 30-sekündiges Songfragment für ein anderes Projekt des Sängers Nikolaj Manuel Vonsild. Als seine Kollegen den Schnipsel hörten, waren sie begeistert und alle hatten den gleichen Gedanken: Wir brauchen einen Old-School-Rap-Part. Schnell saß OutKast-Homie Killer Mike mit im Boot und fertig war die perfekte falsche Fährte: Nichts ist so weit weg von den vergangenen Alben wie der Opener der neuen Platte.

Erst wenn Vonsild zu singen beginnt, wird eindeutig und unmissverständlich klar, mit wem es der Hörer zu tun hat. Diese hohe Falsettstimme, deren eigenes Echo sie manchmal zu überholen scheint, strahlt so gar nicht die Präsenz und Präzision aus, die Killer Mike einem entgegenschleudert. Während die Instrumentalisten um ihn herum auch live alles exakt von Hand zusammenbasteln, scheint Vonsild in einer Art Blase zu schweben. Sein Gesang passt zwar irgendwie zum Rest, folgt aber eigenen Gesetzmäßigkeiten. Vielleicht ja denen eines "System of unlimited love", abgekürzt SOUL. Und Seele ist ein gutes Stichwort, denn obwohl sich When Saints Go Machine mehr als Produzenten denn als Band verstehen, legen sie Wert darauf, nicht als stumpfe Knöpfchendrücker wahrgenommen zu werden.

Schon ein knappes Jahr vor Albumveröffentlichung machte "Mannequin" als erster Vorbote Fanmünder wässrig. Bevor sanfte Streicher den Song in ein ungewöhnlich süßes Finale führen, geht es, wie auf "Infinity pool" sonst üblich, düster zu. Besonders effektvoll kommt der Einsatz des ersten kraftvollen Refrains nach einer eher reduziert gehaltenen Strophe - ein gelungener Kontrast, dem sich When Saints Go Machine beispielsweise auch in "Mental shopping spree" bedienen. Generell lebt "Infinity pool" von Kontrasten und Überraschungen. Der schwer zugänglichen Avantgarde-Elektronik von "Degeneration" steht mit der Single "Iodine" astreiner Pop gegenüber. Hip- und Trip-Hop tanzen mit Darkwave Ringelreihen. Hinter allem stehen vier Herren, die zwar laut Aussage des Frontmanns allesamt innerlich Diven sind, in ihren abgetragen bunten Hemden und im Zwielicht ihrer Konzerte aber gar nicht danach aussehen. Wobei Optik ja ohnehin nicht so wichtig ist, denn wenn "Infinity pool" eins nicht ist, dann der Soundtrack zu einem billigen Computerspiel.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Iodine
  • Mental shopping spree
  • Mannequin

Tracklist

  1. Love and respect (feat. Killer Mike)
  2. Infinity killer
  3. Iodine
  4. Yard heads
  5. System of unlimited love
  6. Mental shopping spree
  7. Degeneration
  8. Mannequin
  9. Order
  10. Webs
  11. Dead boy
  12. Slave to the take in your heaven

Gesamtspielzeit: 46:05 min.

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