The Electric Soft Parade - Idiots

The Electric Soft Parade- Idiots

Helium / Rough Trade
VÖ: 05.07.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Rückkehrer

"The Electric Soft Parade? Gibt's die noch?" war neulich eine Frage, als "Silent to the dark" im Pub lief und diverse Menschen schunkelnd, schmunzelnd in heimelige Nostalgie versanken. Waren das selige Zeiten! Doch hier soll nicht weiter die schöne Vergangenheit, sondern vielmehr das Hier und Jetzt besungen werden. Über ein Jahrzehnt später, mit etwas Bauchspeck mehr und ein paar Haaren weniger, knüpft "Idiots" nach über sechs Jahren Arbeitspause, einigen Brakes-Platten und Thomas Whites Solo-Einstieg "Yalla" zumindest von den Rahmenbedingungen her an das 2002 für den Mercury Prize nominierte Album "Holes in the wall" an. Nach Jahren des Eigenbrötlertums taten sich die White-Brüder für die Aufnahmen zu "Idiots" erneut mit den Produzententeam Chris Hughes und Mark Frith zusammen, die schon dem güldenen Erstling zu seinem differenzierten Klangbild verhalfen.

Mit Album Nummer vier zeigen die Whites allen Zweiflern, dass The Electric Soft Parade nach wie vor lebendiger sind als so mancher Inselbewohner und dass sie nichts von ihrem ureigenen Charisma verloren haben. Obendrein ein netter Titel, das muss man den beiden lassen – doch wer sind denn nun alles "Idiots"? Thomas White fasst prägnant zusammen: "Idioten sind wir selber. Wir sind nichts weiter als ein paar Idioten." Wenn dem so sein sollte, ein Prösterchen auf das gelungene Werk und auf dermaßen viel Selbstreflexion, auch wenn diese nicht wörtlich genommen werden sollte. Der britische Humor gehört nun mal dazu. Nichtsdestotrotz ringt "Idiots" um die ganz große Popgeste im Minimalen. Der schwelgerische Sound von "No need to be downhearted" weicht eingeebneter Beatles-Filigranität im Understatement-Modus, wird parzelliert, anatomisiert und in feinen Häppchen serviert, wobei die ultimative Differenziertheit vom Debüt im Jahre 2013 fehlt und vermutlich auch arg anachronistisch anmuten würde.

Trotz des bissigen Titels ist die Zeit auf "Idiots" bei der Atmosphäre von The Kinks' "Sunny afternoon" stehengeblieben. Für Liebhaber leidiger One-Hit-Wonder in anderen Worten ausgedrückt: Klingt im Großen und Ganzen wie das Gefühl, das sich seinerzeit bei "Lemon tree" von Fool's Garden einstellte. Lupenreine Gemächlichkeit an einem faulen sonnigen oder wahlweise verregneten Tag. "The sun never sets around here" bedient sich mit einem verhaltenen Einstieg und Handclaps am Repertoire der Umbruchphase von Blur, während "Summertime in my heart" mit Teenage-Fanclub-Backings aufwartet – "ohh-ohh-ahh-yeah" und solche Sachen.

"Brother, you must walk your path alone" hätte auch der jüngere Gallagher seinem älteren Bruder und dessen High Flying Birds zurufen können, doch der countryfizierte Grundtenor des Songs verbietet eine solche Assoziation umgehend. Beady Eye haben andere Sorgen, und The Electric Soft Parade stehen dem Team Noel ohnehin näher, begleiteten sie dieses doch schon auf Europatour. Die kontemplative Ruhe von "The corner of Highdown and Montefiore" weist dann auch in eine ähnliche Richtung, wäre da nicht diese ganz eigene White-Note sowie das leicht ins Epische abdriftende "Welcome to the weirdness" mit dick auftragenden Backing Vocals, die ebenfalls aus der Memorabilienkiste des älteren Gallagher stammen könnten. "I won't forget" heißt es dann noch in "The corner of Highdown and Montefiore" – was immer White damit meinen mag. Auf jeden Fall vergisst Plattentests.de weder The Electric Soft Parade noch dieses großartige Album. Sie sind wieder da!

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • The sun never sets around here
  • Lily

Tracklist

  1. The sun never sets around here
  2. Summertime in my heart
  3. Brother, you must walk your path alone
  4. The corner of Highdown and Montefiore
  5. Idiots
  6. Mr. Mitchell
  7. One of those days
  8. Lily
  9. Welcome to the weirdness
  10. Never again

Gesamtspielzeit: 39:32 min.

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musie

Postings: 2389

Registriert seit 14.06.2013

2013-07-12 12:56:40 Uhr
mir gefällts leider nicht so wie die früheren sachen. zu glatt zu simpel.

Telecaster

Postings: 727

Registriert seit 14.06.2013

2013-07-12 12:41:41 Uhr
Tolles Album!!! Brother, You Must Walk Your Path Alone ist ein ziemlicher Hit!

koekoe

Postings: 679

Registriert seit 13.06.2013

2013-07-12 12:19:50 Uhr
Und taugt es was? War ja seinerzeit grosser grosser Fan (der ersten zwei Alben).
InSider
2013-07-12 10:12:07 Uhr
Das Album wurde in Zusammenarbeit mit Armin produziert, wobei auch das Forum als Inspirationsquelle diente. Daher auch der Albumtitel.

seno

Postings: 3304

Registriert seit 10.06.2013

2013-07-12 08:06:44 Uhr
Ihr erstes Album ist super, auf dem zweiten sind noch einige sehr gute Songs aber mit dem dritten konnte ich nicht mehr wirklich viel anfangen.
Werde aber mal reinhören.

Und ist noch jemandem aufgefallen, dass Peter Somogyi sich in der Rezension diesmal sehr zurückgehalten hat? Ich habe erst am Ende des zweiten Absatzes gemerkt, dass ER es ist.
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