Ola Podrida - Ghosts go blind

Ola Podrida- Ghosts go blind

Western Vinyl / Cargo
VÖ: 14.06.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Tamtamlos

Wir von Plattentests.de betrachten unser Wirken ja nicht nur als selbstreferenzielle Wichtigtuerei, sondern mindestens ebenso auch als Service-Dienstleistung für den geneigten Leser. Mit welchem Alben kriegt man das hübscheste Mädchen der Stadt rum? Und welches Digipak eignet sich am besten, um den wackligen Tisch wieder etwas begradigen zu können? Eignet sich Heinos Cover-Platte als Geburtstagsgeschenk für Tante Frida oder soll es doch eher die neue The Dillinger Escape Plan sein? Ja, dafür sind wir da. Im Idealfall lotsen unsere Texte den Leser durch den unübersichtlichen Dschungel an Neuveröffentlichungen, an Death Metal und Witch House vorbei, Freakfolk und Dubstep passierend und irgendwann heißt es: Sie haben ihr Ziel erreicht.

Jetzt soll es Leute geben - feine Leute sogar - die sämtliche Platten von The Weakerthans, Wintersleep, William Fitzsimmons oder Nada Surf besitzen. Im Regelfall sind das Menschen mit einem guten Musikgeschmack, die allerdings wenig auf Trends und Hypes geben. Richtig so! Und diese Menschen kennen normalerweise auch schon Ola Podrida. Nichtsdestotrotz, und da kommt der Service-Gedanke ins Spiel, wollen wir an dieser Stelle betonen, dass diese hervorragende kleine Band aus Austin, Texas, ein neues Album veröffentlicht hat. Heimlich, still und leise, ohne Hype und Tamtam, für Menschen, die Musik mögen, die kein Tamtam nötig hat. Die gerne an lauen Sommerabenden auf der Veranda sitzen und sich einen Wein gönnen, während sie den Sternen beim Verglühen zusehen.

Das dritte Album der Amerikaner heißt "Ghosts go blind" und ist in seiner formvollendeten Schluffigkeit eine Wonne. Unaufdringlich aber bestimmt klingen die neun neuen Stücke, die allesamt eine herrliche Grundtraurigkeit und sommerliche Melancholie in sich tragen. Lyrisch bringt David Wingo, der Denker und Lenker hinter Ola Podrida, seine Gedanken wieder auf den Punkt, kurze Rede, langer Sinn, also dass es zum Beispiel kein großer Spaß ist, am Ende des Lebens alleine zu sein. Selbst wenn das Lebensende - voraussichtlich - noch eine Weile vom entfernt ist, kann man sich das gut vorstellen.

Besonders schön sind vor allem die ruhigen, nachdenklichen Momente, die manchmal auch an Breathe Owl Breathe erinnern. Dabei entfalten sich die besten Stücke von David Wingo erst nach und nach, sie wachsen im wahrsten Wortsinn und bleiben aus diesem Grund nachhaltig im Gedächtnis. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass sich "Ghosts go blind" nicht zwangsläufig mit dem ersten Hören erschließt. Letztendlich wird man mit einem angenehmen, nachtschwarzen Album belohnt, dass die Traurigkeit auf der Zunge, aber die Zuversicht im Herzen trägt. Allen Melancholikern, Träumern und Hobby-Somnabulisten sei diese Platte also wärmstens empfohlen. Dafür stehen wir mit unserem Namen.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Not ready to stop
  • Washing away
  • Staying in

Tracklist

  1. Not ready to stop
  2. Fumbling for the light
  3. Washing away
  4. Blind to the blues
  5. Staying in
  6. Ghosts go blind
  7. Speed of light
  8. Some sweet relief
  9. The notes remain

Gesamtspielzeit: 41:44 min.

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