Blood Ceremony - The eldritch dark

Blood Ceremony- The eldritch dark

Rise Above / Soulfood
VÖ: 14.06.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Flötentöne beigebracht

Allzu oft ist es bei so genannten Female Fronted Bands ja so: Die Herren im Hintergrund sind für die kreative Arbeit zuständig, während die Dame am Mikrophon auf die gesanglichen und optischen Farbtupfer reduziert wird. Siehe zum Beispiel Nightwish, und auch bei den ansonsten gleichberechtigt auftretenden und mittlerweile aufgelösten The Devil's Blood war Gitarrist Selim Lemouchi kreativer und ideologischer Kopf. Nicht so bei Blood Ceremony: Hier hat eindeutig Frontfrau Alia O'Brien die Schlaghosen an. Und wie man an den Resonanzen auf die ersten beiden Alben ablesen kann, überaus erfolgreich. Kein Wunder, ist doch gerade ihr Querflötenspiel stilprägend und hievt die Band noch eindeutiger in die Psychedelic- und Folk-Ära der frühen Siebziger als Mitbewerber wie Ghost B.C. Jethro Tull, anyone?

Und genau diese Stilvielfalt ist es, die die Kanadier von Anfang an stärker betonen als noch auf "Blood Ceremony" und "Living with the ancients". Düster wabert die Orgel zu "Witchwood", bis ein rauchvernebeltes Break den Weg zur dunklen Seite eröffnet. Das ist so Siebziger wie nur was, und deren Okkultprotagonisten Coven mit der großartigen Jinx Dawson grüßen freundlich aus dem Hintergrund. Schlicht hinreißend ist hingegen das folgende "Goodbye gemini", ein treibender Rocker mit sich in die Gehörgänge einbrennendem Refrain. Nicht weniger traumhaft-morbide ist die folgende Ballade "Lord Summerisle", die mit entrücktem mehrstimmigen Gesang zu überzeugen weiß.

Wie gut eine Platte ist, zeigt sich oftmals an den vermeintlich schlechteren Songs. "Drawing down the moon" zum Beispiel geht im Albumkontext beinahe unter, auf den Vorgängeralben jedoch wäre dieser Song durch seinen treibenden Basslauf und die erneut fies blubbernde Hammondorgel ganz sicher unter den Highlights gelandet. Ein solches Highlight spart sich O'Brien allerdings für den Schluss auf, denn "The magician" bietet noch einmal alle Markenzeichen der Band auf – zusammen mit dem erneut unverschämt eingängigen Refrain ein wahres Prachtstück. Wenn man nur einen einzigen Song dieses Albums hören dürfte, es müsste "The magician" sein.

Blood Ceremony zeigen mit "The eldritch" auf eindrucksvolle Manier, dass man zum einen mehr als 40 Jahre alte musikalische Einflüsse miteinander verschmelzen kann, ohne altbacken zu klingen. Zum anderen aber auch, dass ein okkultes Gesamtkonzept um Horrorstorys und Hexenmythen funktionieren kann, ohne lächerlich zu wirken. Und genau dazu ist eben diese Art von Retro-Klängen der passende Rahmen. Nach dem Ende von The Devil's Blood scheint der Thron im okkulten Hardrock verwaist. Nach Ghost B.C. mit ihrem großartigen "Infestissumam" sind es jetzt Blood Ceremony, die nachdrücklich ihre Ansprüche auf diesen Platz geltend machen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Goodbye gemini
  • Lord Summerisle
  • The magician

Tracklist

  1. Witchwood
  2. Goodbye gemini
  3. Lord Summerisle
  4. Ballad of the weird sisters
  5. The eldritch dark
  6. Drawing down the moon
  7. Faunus
  8. The magician

Gesamtspielzeit: 42:19 min.

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