Sam Amidon - Bright sunny south

Sam Amidon- Bright sunny south

Nonesuch / Warner
VÖ: 17.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hat der's gut

Sam Amidon ist schon irgendwie ein beneidenswerter Typ. Mit gerade mal Anfang 30 hat er mehr erreicht, als manch anderer seiner Altersklasse, und es ist schwer vorstellbar, dass er selbst abends im Sessel hock, über sein bisheriges Leben nachdenkt und dabei unzufrieden ist. Gut, aus der Ferne lässt sich das leicht sagen. Aber wenn einer mit einem beachtlichen musikalischen Talent gesegnet ist und mit der Musik mittlerweile finanziell so abgesichert sein dürfte, dass er den Alltag in seiner Wahlheimat London gemeinsam mit Ehefrau Beth Orton und dem Töchterchen meistern kann, ohne sich über die nächste Woche sorgen zu müssen, kann man da nur gratulieren und eine Runde neidvoll auf den Boden starren. Mit seinem vierten Album "Bright sunny south" macht Amidon dabei nicht viel anders als auf dem Vorgänger "I see the sign". Zum Glück.

Seien wir mal ehrlich: Diese Art von Musik braucht keine großen Wechsel, keine ballernde Action, keine sprühenden Effekte. Amidons Gesang, der stets zwischen tiefem Glücksgefühl und wankelmütiger Traurigkeit schwankt und auch seine Hörer in die eine oder andere Richtung mitreißt, gepaart mit den zumeist minimalistischen Melodien, die an Nick Drake erinnern, funktionieren auch ohne großen Pomp. Langeweile tritt dennoch nicht auf und "Bright sunny south" zeigt sich auch nicht nur von seiner ruhigen Seite. Es gibt immer wieder Stellen, die einen Ausbruch wagen. Da ist das entspannte Trompetenspiel in "He's taken my feet", das eine innere Ruhe heraufbeschwört. Diese wird schließlich in den letzten 90 Sekunden des Stücks jäh eingerissen von quietschenden Gitarren und hämmerndem Schlagzeug. Daneben gibt es auch das weitaus traditionelle Folkstück "As I roved out", bei dem Amidon ein bisschen klingt, als wäre er ein Prediger in der Mitte der staubigen Veranda, der einen von seinen Sünden befreit.

Der zurückhaltende Einstieg in das Album mit seinem Titeltrack trügt fast ein wenig: "Bright sunny south", bei dem der 32-Jährige seine Akustikgitarre sachte spielt und dabei die Worte "In the bright sunny south and peace content / These days of my boyhood I scarcely have spent / From the deep flowing spring to the raw flowing stream / Ever dear to my memory, sweeter is my dream" wie ein bedeutsames Gedicht in das Gedächtnis des Zuhörers einbrennt. Dies könnte den Eindruck vermitteln, dass es sich hier um eine durch und durch traurige Angelegenheit handelt. Das Gegenteil ist der Fall. Melancholie und Hoffnung schwingen bei den meisten der elf Stücke mit, so etwa auch im beschwingt-jazzigen "I wish I wish", das offensichtlich seiner Tochter gewidmet ist, oder auch am Ende, wenn er mit dem folkigen "Weeping Mary" einen Song covert, den seine eigenen Eltern vor 35 Jahren aufgenommen haben. Auf diese Weise schließt sich wohl der Kreis für den Menschen, Musiker, Vater und Sohn Sam Amidon, der zufriedener mit seinem Leben nicht sein dürfte.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Bright sunny south
  • I wish I wish
  • He's taken my feet
  • Weeping Mary

Tracklist

  1. Bright sunny south
  2. I wish I wish
  3. Short life
  4. My old friend
  5. He's taken my feet
  6. Pharaoh
  7. As I roved out
  8. Shake it off
  9. Groundhog
  10. Streets of Derry
  11. Weeping Mary

Gesamtspielzeit: 35:06 min.

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