Noisem - Agony defined

Noisem- Agony defined

A389 / Cobraside / Cargo
VÖ: 19.07.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Fratzengeballer

Mancher Pornofilm braucht lange, bis er zur Sache kommt. Diese Schlachtplatte benötigt elf Sekunden, um zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Dann bricht ein Tosen aus, das natürliche Großereignisse in den Schlechtwetterzonen dieser Welt wie Amateurprodukte wirken lässt. Noisem sind vier Rotzlöffel aus dem Städtchen Baltimore im amerikanischen Bundesstaat Maryland, einen Katzenwurf von Washington D.C. entfernt. Alles Burschen zwischen 15 und 20, die kaum Haare am Sack tragen, aber im Puff schon drängeln. Als Necropsy schrubbten sich die Jungs zuvor die Finger blutig, bis sie merkten, dass der Name längst vergeben war. Tolle Wurst! Daher haben sie frisch umbenannt mit "Agony defined" eine sühnende Klopperei angezettelt und hauen sich jetzt in 26 Minuten so rasant aus dem Gestüt heraus, dass der neulich verstorbene Slayer-Gitarrist Jeff Hanneman sicher selbst im Orkus noch seine grunzende Freude daran hegt.

Die Tracklist mag dem Jahrbuch für Horrorfilme entstammen, Heranwachsenden dürfte es jedoch ein Bedürfnis sein, sich den abstrakten Begriffen von Krankeit und Tod auf spielerische Weise zu nähern. Wenn man dazu tagein, tagaus von jauchzender Countrymusik oder gar Middle-of-the-Road-Dauergrinsern umgeben ist, greift man wohl unausweichlich zu den Massenvernichtungswaffen, die sich Jugendlichen in den USA anbieten - Revolver aus dem Supermarkt oder Gerätschaften aus dem Musikalien-Fachhandel downtown. Die Stumpfen fangen danach an, sich durch ihre Schulen zu ballern und mangels Motiv zudem die Videospielindustrie in Frage zu stellen, die Kreativen transformieren derlei lieber in künstlerische Prozesse wie diesen. Und die imaginäre Show "America's Moshed Wanted" wäre stolz auf einen so ungebärdigen Ziehsohn.

Death- und Trashmetal-Elemente der alten Schule von Morbid Angel bis Nuclear Assault verbinden sich hier zu einem Allerlei, das einem die Schläuche im Bauch auf links dreht. Neckische Gitarrensoli im roten Frequenzbereich sind selbstverständlich, ein kraftvoll-maskuliner Bariton Ehrensache, und der durchtrainierte Schlagwerker verkommt bei seiner Arbeit nicht zum reinen Geräusch, sondern drischt und knüppelt seine Tierfelle so gekonnt, wie man es zur Gründerzeit ebenso mit dem widerspenstigen Nachwuchs tat. Ab und an macht der Trommler ein klitzekleines Päuschen, damit sich die Kollegen einen Schluck Bremsflüssigkeit genehmigen können, und bald geht es danach weiter mit dem angestimmten Gewitter. Doch ehe man sich versieht und der Rauch sich lichtet, liegt Baltimore in Trümmern. Und die Bengels ziehen gröhlend in den nächsten Ort, um dort ihr Festival der Liebe erneut zu feiern. Nee, was hat man bis dato zusammen mit Noisem gelacht - einen ganzen Eimer voll! Das Gebiss gibt's jedoch nicht zurück.

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Voices in the morgue
  • Rotten remains
  • Split from the inside out
  • Agony defined

Tracklist

  1. Voices in the morgue
  2. Birthing the bestial
  3. Desire and disgust
  4. Mortuary
  5. Rotten remains
  6. Severed
  7. Split from the inside out
  8. Chronic dementia
  9. Agony defined

Gesamtspielzeit: 26:37 min.

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