Naam - Vow

Naam- Vow

Tee Pee / Cargo
VÖ: 07.06.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schall allüberall

Ja, schon klar: Im Weltall gibt es eigentlich kaum einen Laut, weshalb die Rede von Space-Rock und Artverwandtem eigentlich auf dem Index der PASWPBHSWKDAP (Physicists Against Schindluder With Physics By Humanity Scholars Who Know Dick About Physics) stehen müsste - wenn es denn Physiker geben würde, die etwas von Musik verstehen (Mitlesende natürlich ausgeschlossen). Dabei ist das eigentliche Problem ein altbekanntes: Visuelle Wahrnehmungen sollen auditive illustrieren. Und solange die einen meinen, Sinneseindrücke mit denen anderer Sinne beschreiben zu müssen, die anderen hingegen finden, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, kommt man halt kaum zusammen. Das Brooklyner Viergespann Naam kennt das Problem nur zu gut - schließlich schaffen sie seit ihrem selbstbetitelten Debüt auf eben dieser Grenze zwischen Sichtbarem und Unerhörtem. Auf dem Nachfolger "Vow" hat sich an diesem luftleeren Raum kaum etwas geändert.

Naams Trick: In Ermangelung einer für die Klangentwicklung geeigneten Atmosphäre erschaffen sie sich einfach ein eigenes dichteres Medium, das sie dann nach allen Regeln der Kunst bearbeiten. Im Ergebnis schütteln sie auf "Vow" genau das quasi aus dem Handgelenk, woran ihre Westküstenkollegen Kinski zuletzt mit "Cosy moments" nicht eben grandios scheiterten: nämlich an Psychedelic-Rock mit ebenso viel langem Atem wie Kopfnicker-Tiefgang, Klangwabern sowie einigen Haken und Ösen. All das ersinnen Naam aus einem beileibe nicht erzkonservativen, wohl aber mustergültigen Rockverständnis. Da eröffnet "Pardoned pleasure" mit einem bauchig über die Toms gerollten Schlagzeugbeat, dem sodann The-Doors-Orgeln und Gitarren zwischen Grunge und Stoner ordentlich den Po versohlen. Irgendwas oder -jemand macht "Huhuuuuuuu" durch den Hintergrund, eine Sildegitarre jammert und schließlich muckt und zuckt alles in einen Proto-Mathrock-Eintakter. Man muss schon sagen: So etwas bekommt der geneigte Hörer eher selten vor den Latz arrangiert - zumal in derartiger, auch produktionstechnischer Konsistenz.

Sprich: Alles an "Vow" klingt kompakt und dicht, von Überkompression kann jedoch keine Rede sein. Und auch melodisch bleiben die Songs stets blitzsauber. Nicht auszudenken, wohin etwa Motorpsycho das schwere Riffing von "On the hour" getriggert hätten - Naam hingegen entscheiden sich für ein Soundgemälde, das ein Classic-Rock-Arrangement mit dem Doom-Pinsel durch die weiten Landschaften des Space-Rock malt. In den zahlreichen Zwischenstücken und zu "Skyscraper" dominieren dementsprechend Sci-Fi-Synthies zwischen Vangelis und Tangerine Dream, die auch den hervorragenden Titelsong oder das tiefe Basspluckern von "Beyond" mit einer gehörigen Portion Gammastrahlung versehen. Und Sänger/Gitarrist Ryan Luger intoniert ohnehin, als sei er ein Muezzin, der in Jesus-Pose durch einen Hallraum nicht kleiner als das Weltall trudelt. Ja, schon klar: Im Kosmos gibt es eigentlich kaum einen Laut. Eben dies, so finden Naam, könnte aber auch einfach daran liegen, dass man nichts mit ihm anzufangen weiß. Muss man vielleicht nicht so sehen, kann man aber hören.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Vow
  • Pardoned pleasure
  • Beyond

Tracklist

  1. Silent call
  2. Vow
  3. In and thru
  4. Pardoned pleasure
  5. Laid to rest
  6. Brightest sight
  7. On the hour
  8. Skyscraper
  9. Midnight glow
  10. Beyond
  11. Adagio

Gesamtspielzeit: 37:35 min.