Leafblade - The kiss of spirit and flesh

Leafblade- The kiss of spirit and flesh

Kscope / Edel
VÖ: 07.06.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Heute gestern

Daniel Cavanagh von Anathema war langweilig. Oder er hatte eine anregende Liaison mit der Inspiration. Ein Jahr nach "Weather systems", welches er mit seiner Hauptband veröffentlichte, steht er nun nicht nur mit seinen sechs Saiten wieder hinter seinem seit 2003 betriebenem Projekt Leafblade, sondern wartet auch auf Abnehmer in den Konsumhöllen dieser Welt. Zwar vermag er mit seinem Projekt-Sänger Sean Jude seinem eigenen Brüderchen Vincent in Punkto Gesang nicht das Wasser zu reichen, aber als Hauptsongwriter von Anathema beweist er seit Jahren seine künstlerischen Qualitäten. Jeder, der den Briten einen Achtzigerjahre-Fetisch vorwirft, sollte an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören und auf eine andere Plattentests.de-Rezension klicken. Cavanagh bietet nach wie vor genug Angriffsfläche für alle Hater, selbst wenn er es mit einem Bein bis in die Neunziger geschafft hat.

Zuallererst, was hat es mit diesem Band-Namen auf sich? Ein jeder Pokémon-Nerd bekommt jetzt gewiss schwitzige Hinternfalten, ist Leafblade als Japan-Import mittlerweile auch hierzulande bekannt als ein Special-Move in den ungezählten Scheißegalwievieleesdavongibt-Spielen. Ein Move, der dem Gegner mit einem scharfen Blatt zu Leibe rückt. Also eine Schaden anrichtende Grassorte. Blutige Hölle. Das will verdaut sein. Egal, was auf Cavanaghs Seiten-Band zutrifft: alles nur nicht Pokémon und die Lächerlichkeit von massendestruktiven Farnen. Wir sind hier schließlich nicht bei M. Night Shyamalans "The happening", sondern bei einem seriösen E-Zine.

Album Nummer zwei beginnt mit "Bethlehem" in Simon-&-Garfunkel-Kerzenlicht mit einem ruhigen Gitarrenpicking, das langsam Fahrt aufnimmt und sich in halbdüsteren Softprog aufspielt, dessen weitere acht Minuten Spielzeit mehr und mehr in bekannte Anathema-Fahrwasser abdriften, während die Drums in Einfachheit an Lautstärke gewinnen. Der ganze Song verliert sich anschließend in einem verträumten Chor mit Streichern. "The hollow hills" fängt das Gefühl unter tristen Wolken in den Weiten eines aschgrauen Feldes ein, wenn es mit einem Gerüst, bestehend aus 90er Grunge, gemächlichem Folk und verstecktem Blues spielt und dabei in der Melodieführung Elemente von Phil Collins aus der 80er Hochphase zusammenführt. "Sunset hypnos" greift stilistisch auf die mittlere Porcupine-Tree-Phase zurück, irgendwo auf der Schwelle von Spätachtzigern und Frühneunzigern und versucht Steven Wilson von unten Konkurrenz zu machen. Diesen dürfte das mittlerweile auf dem Parnass des 70er Prog kaum kümmern: Wer die Sünden von Querflöten reaktiviert, muss entweder genial oder komplett far out sein. Wilson ist vermutlich beides. Derlei leicht nach hinten losgehende Risikofreudigkeit und Bad Taste zeigen Leafblade schließlich nicht.

Songs wie "Oak machine", "Beneath a woodland moon" und "Portrait" gliedern sich nach sachte aufbauender Progressivität, was immer ein jeder in diesen Begriff projizieren mag. In erster Linie bitte den Zusammenschluss der musikalischen Ausrichtung der drei ersten untenstehenden Referenzen. Dazwischen gibt es mit dem umjubelnden "Thirteen" nochmals Seattle in Reinform. Cavanagh und Jude schaffen es, ihren Songs das gewisse Etwas abzuringen, das in einigen Momenten als "Magie" umschrieben werden kann. Die füllt gewiss nicht die Geldsäckel, aber hinterlässt zufriedene Hörer.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • The hollow hills
  • Thirteen

Tracklist

  1. Bethlehem
  2. The hollow hills
  3. Sunset hypnos
  4. Fuschia
  5. Oak machine
  6. Thirteen
  7. Beneath a woodland moon
  8. Portra

Gesamtspielzeit: 51:44 min.

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