Gingerpig - Hidden from view

Gingerpig- Hidden from view

Suburban / MIG / Sony
VÖ: 22.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Da schau her

Da sage noch einer, Death-Metaller hätten keinen Sinn für Kultur. Nehmen wir einmal einen gewissen Boudewijn Vincent Bonebakker. Mit Gorefest gehörte er von 1991 bis 2000 zu den liebevoll als "Tulpenschlächter" bezeichneten niederländischen Kapellen, die nun wahrlich keine Gefangenen machten. Dabei ist Bonebakker klassisch ausgebildeter Musiker, der auf dem Konservatorium in Tilburg unter anderem klassische Gitarre und Bach studierte. Nach dem Split von Gorefest folgte er allerdings einer ganz anderen Richtung: 2009 scharte er drei Mitstreiter um sich und frönt seitdem unter dem Namen Gingerpig dem guten alten Vintage-Rock, der auf dem Debüt "The ways of the Gingerpig" vor allem Dank großzügigem Hammond-Einsatz mit fetten Grooves überzeugen konnte.

Insofern erscheint es verdammt mutig von Bonebakker, den 2012 abgewanderten Keyboarder Jarno van Es eben gerade nicht zu ersetzen, beraubt er sich damit doch seines vermeintlichen Alleinstellungsmerkmals. Doch es gelingt dem Trio umgehend, diese Bedenken zu zerstreuen. Denn "Run" ist nicht etwa zum Davonlaufen, sondern treibender Hardrock, der mehr als nur ein bisschen an frühe Deep Purple erinnert. Auch oder gerade weil unter anderem hier noch einmal die Hammondorgel, bedient von Gastmusiker Arno Krijger, herrlich biestig dazwischenfaucht.

Was gegenüber dem Debüt besonders auffällt, ist eine neue Kompaktheit. Nicht, dass die Songs auf "The ways of the Gingerpig" ausufernd gewesen wären, aber so unbekümmert der Jam-Charakter des Vorgängers auch wirkte, so kommen zum Beispiel das treibende "Backlash" oder die wunderbar psychedelisch-blubbernde Ballade "A touch" viel besser auf den Punkt. Da ist es auch absolut passend und gelungen, dass "Nothing" ein herrlich stumpfer, simpel stampfender Hardrocker ist, der vom erneut erdigen, warmen Sound nahezu perfekt in Szene gesetzt wird.

Natürlich ist Bonebakker beileibe nicht der erste Extrem-Metaller, der seine Liebe zu Hardrock und Psychedelic der frühen Siebziger entdeckt, siehe Michael Amott von Arch Enemy. Während jener allerdings nach diversen durchaus guten Alben mit den Spiritual Beggars bei der aktuellen Platte "Earth blues" einigermaßen desorientiert wirkt, scheint Bonebakker mit Gingerpig erst starten zu wollen. Hier sitzt so ziemlich jedes Riff, bewegen sich die Niederländer selbstbewusst in der weiß Gott prominent definierten Schnittmenge von Deep Purple, Thin Lizzy und The Doors und definieren in der momentan überlaufenen Vintage-Rock-Szene ihre eigene kleine Nische. Außer Sichtweite dürften Bonebakker und Kollegen damit höchstens für so manchen Konkurrenten geraten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Run
  • A touch
  • Nothing

Tracklist

  1. Run
  2. Dangling man
  3. Backlash
  4. A touch
  5. Nothing
  6. Oceans
  7. Smile
  8. Pride
  9. Ugly heart

Gesamtspielzeit: 43:14 min.

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