Empire Of The Sun - Ice on the dune

Empire Of The Sun- Ice on the dune

Virgin / Universal
VÖ: 21.06.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Super Dickmanns

Empire Of The Sun haben komplett einen an der Waffel. Was bereits ihrem Debüt "Walking on a dream" anzumerken war, das vor Extravaganz, bunter Schminke und Größenwahn nur so sprotzte und blubberte. Die virale Verbereitung der zweiten Single "We are the people" hierzulande mittels eines Werbespots erwies sich als Glücksgriff und verschaffte dem Duo sowohl die ungeteilte Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit als auch ein hinlänglich gesichertes Einkommen. Ein Erlebnis, das die beiden Alternative-Strategen Luke Steele und Nick Littlemore wohl erst einmal verdauen mussten. Immerhin ließen sie sich für den Nachfolger schlappe fünf Jahre Zeit - womit nicht zwingend zu rechnen gewesen war. Wirklich vermisst hat sie in der Zwischenzeit aber niemand. Wo steckt also der Haken?

Nun, es schadet sicherlich nicht, wenn man vor Einlegen dieser CD genügend Ampullen Insulin im Kühlschrank hat. "Ice on the dune" wirkt wie eine gigantische Zuckerglasur, so kalorienreich wird hier aufgetragen und mehr als süßlich dahergeträllert. Man könnte glatt Ohrenkaries und eine verklebte Harnröhre davon bekommen. Hat man sich jedoch durch den ganzen Sirup an den eigentlichen Kuchen herangekämpft, kommen wenigstens keine eingebackenen Fruchtfliegen zum Vorschein. Die erste Single "Alive" hat sich genügend Volumen angefuttert, um als neuerlicher Lobgesang auf die Tugenden des Vorgängers durchzugehen: Elektronische Tanzschaffe im Rubensformat mit in sich ruhenden Basslinien, glitzernden Chören aus der Weihnachtsbäckerei, einem Falsettgesang wie schmelzendes Nutella und den passend sahnigen Chören direkt aus dem französischen Lebkuchenhaus, dem wir ja bereits Daft Punk und ähnliche musikalische Dickmacher verdanken - das alles gibt es hier. Und noch viel mehr.

Man muss allerdings über eine verdammt gute Verdauung verfügen, um von den angebotenen Kalorienbomben "Concert pitch" und "I'll be around" keinen Durchfall zu bekommen. Zieht man sich ob der einsetzenden Bettschwere jedoch aufs Kanapee zurück und lässt in Ruhe sacken, kann das wahre Aroma dieser opulenten Götterspeise zu den Geschmacksknospen vordringen. Es stellt sich hiernach in der Tat so etwas wie innere Glückseligkeit ein. Spätestens beim ölig triefenden "Celebrate" und dem folgenden Bäuerchen während des MGMTesken Nachtischs "Keep a watch" als Finale ist dann aber endgültig Schicht im Schacht. Wohl dem, der jetzt unmittelbar neben seinem Musikraum eine Erleichterungszelle vorfindet.

Nach all dieser fragwürdigen Küchen- und Toilettenrhetorik sollte es eigentlich nur Gewinner geben. Diejenigen, die Empire Of The Sun für ihre Schamlosigkeit verachten und ignorieren, verpassen nichts und dürfen über Los gehen, ohne wegen eines aua Bauches klagen zu müssen. Der Rest, der sich voll Freude dieser akustischen Völlerei hingibt, wird wenigstens nicht mit faden Lightprodukten vertröstet, sondern darf sich guten Gewissens durchschlemmen und anschließend direkt nach hinten plumpsen lassen. Wenn schließlich so viele Wonneproppen um einen herum sind, fällt man bestimmt ganz weich. Das einzige, was dieser Platte neben einer allgemein besser verträglichen Rezeptur fehlt, ist der entsprechende Warnhinweis für den Kunden.

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Alive
  • Concert pitch
  • I'll be around

Tracklist

  1. Lux
  2. DNA
  3. Alive
  4. Concert pitch
  5. Ice on the dune
  6. Awakening
  7. I'll be around
  8. Old flavours
  9. Celebrate
  10. Surround sound
  11. Disarm
  12. Keep a watch

Gesamtspielzeit: 42:52 min.

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