Capital Cities - In a tidal wave of mystery

Capital Cities- In a tidal wave of mystery

Capitol / Universal
VÖ: 07.06.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Boris Beckers Schweißband

So ein Song mit so einer Bassline eignet sich für so etwas natürlich bestens. Rummsrummsrumms und zwischendurch noch ein bisschen Düdelü. Trotzdem nicht Scooter, sondern Indie-Pop, ergo cool – so etwas macht sich gut im Werbeclip. So wohl der Gedankengang der Werbeabteilung des Kommunikationsriesen Vodafone. Jene sorgte maßgeblich dafür, dass "Safe and sound" von der Mattscheibe durch die Gehörgänge der Republik bis auf die Spitzenposition der deutschen Charts vorrückte.

Kennt man hierzulande eigentlich Perez Hilton? Der Typ ist so was wie das fleischgewordene ProSieben-Taff jenseits des großen Teiches. Jedenfalls ist der Szene-Blogger bekennender Fan der zwei Jungs von Capital Cities. So nahm er deren Megahit auf seinen Sampler "Pop up - Compilation #1" auf – ihr Durchbruch in den USA. Ohne Starthilfe will es irgendwie nicht klappen, nicht hier und dort auch nicht. Dabei ist der Song doch tatsächlich einen kleinen Freudenausflipper wert. Während des Hörens wartet man doch irgendwie nur darauf, dass urplötzlich – wie im Disney-Film – eine Handvoll Irrer in Achtziger-Klamotten aus allen Ecken hüpft, unumwunden mit schmissig-hypnotischen Handclaps einsteigt, dann anfängt zu tanzen (mit Hebefigur), und am Ende sollten dann alle irgendwie noch knutschen. Power-Pop, gesellschaftsschichtenübergreifend. Da kann man nicht meckern.

Die Achtziger-Affinität der Amerikaner zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spieldauer von "In a tidal wave of mystery" und gipfelt in "Farrah Fawcett hair". Neben der lockigen Haarpracht des 80s-Sexsymbols thematisieren Capital Cities in dieser vertrackten Hommage noch weitere Größen des Jahrzehnts, von Daniel Day-Lewis bis hin zu Michael Jackson. Die robotisch-anleitende Sprecherstimme, der Chor, die Funk-Gitarre, die Trompete, jede Menge klapsige Spaß-Pop-Action und "Roses really smell like poo"-Outkast-Frontman André 3000 bringen die Retro-Welle ins Rollen. Sommerlaunig kommt das freudengeladene "I sold my bed, but not my stereo" daher: Wer braucht schon einen Platz zum Schlafen, wenn er die ganze Nacht unter freiem Himmel durchtanzen kann? Ein bisschen Autotune zwischendurch macht das Ding zur runden Nummer. Capital Cities experimentieren gerne, mit Synthies und mit dem Spaß an der Freude. Kaum ein Song, der nicht sofort das allgemeine Befindlichkeitsniveau zu steigern verstünde.

"In a tidal wave of mystery" ist eine einzige, große, schrill-hüpfige, bunt-hopsige Party. Capital Cities singen aber auch nicht vom sich umkehrenden roten Pferd und sie besitzen – gesicherten Informationen zufolge – auch keine Finca auf Malle. Frisch, frech, fröhlich gehen die beiden zu Werke, ohne dabei ins Übereinfache zu driften – da müssen die größten Skeptiker ihren Hut vor ziehen. So schaffen Capital Cities ein durchaus charmantes Album, welches durch die Bank klar geht und hinterlassen dabei einen lässigen 80er-Duftschweif in der fein-süßlichen Note von Boris Beckers Schweißband nach dem Wimbledon-Sieg 1985 – ein bisschen suppig, aber trotzdem wertvoll. Ausgelutsches Retrozeug hin oder her, jetzt gilt: Popper-Hemd und rosafarbenes Miami-Vice-Sakko rauskramen und dann Party!

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Safe and sound
  • I sold my bed, but not my stereo
  • Farrah Fawcett hair

Tracklist

  1. Safe and sound
  2. Patience gets us nowhere fast
  3. Kangaroo court
  4. I sold my bed, but not my stereo
  5. Center stage
  6. Farrah Fawcett hair (feat. André 3000)
  7. Chartreuse
  8. Origami
  9. Lazy lies
  10. Tell me how to live
  11. Chasing you
  12. Love away

Gesamtspielzeit: 43:02 min.

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