Camera Obscura - Desire lines

Camera Obscura- Desire lines

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 31.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Von Herzen

Es gibt Bands, auf die können sich einfach fast alle einigen. Die vielleicht nicht jeder heiß und innig liebt, aber die man immerhin akzeptieren kann, wenn sie beim Freund im Auto laufen oder durch dumpfe Boxen aus dem nächstgelegenen Bekleidungsgeschäft tönen. Die Schotten Camera Obscura sind so ein Exemplar. Seit bereits 13 Jahren versorgen sie ihre Hörerschaft mit melancholischer Popmusik, die stets aus der Zeit gefallen klingt und doch immer irgendwie passt. Sängerin Tracyanne Campbell stellt man sich dabei oft schmachtend am Fenster vor, wenn sie ihre bitteren, traurigen Songs singt, die nicht selten von Herzschmerz, Existenzängsten und Einsamkeit nur so strotzen, und nur jemand, der kein Herz hat, würde sie dabei nicht gern in den Arm nehmen. Was 2006 auf "Let's get out of this country" begann und sich konsequent auch durch das letzte Album "My maudlin career" zog, wird auf dem mittlerweile fünften Werk "Desire lines" weiter fortgeführt: Campbell ist immer noch oft traurig. Vielleicht hat sie aber auch einfach erkannt, dass das für sie funktioniert.

Doch ein Schelm, wer Arges dabei denkt, denn natürlich möchte man sie immer noch trösten, ihr die Tränen wegwischen und bei einer Packung Eis alle Sorgen wegreden und ihr dabei genau das gleiche wie schon zum letzten Album sagen. Und zum vorletzten und vorvorletzten. Die Hauptthemen auf "Desire lines" sind also nicht nur einfach nicht neu, sondern ziemlich exakt die gleichen, wie man sie bereits auf allen anderen Platten von Camera Obscura gehört hat. Wer sich damit abfindet, wird auch hier seine wahre Freude an den elf Songs und dem Intro finden. Was das hier zu suchen hat, erschließt sich allerdings nicht wirklich. Klar, einen so fantastischen Einstieg wie "Lloyd, I'm ready to be heartbroken" auf "Let's get out of this country" wird es wohl nicht mehr geben. Die 30-sekündige Streichereinlage möchte man jedoch entweder etwas länger hören - oder eben gar nicht. Es soll die einzige halbgare Angelegenheit bleiben. Schon das darauffolgende "This is love (Feels alright)" glättet die Wogen schunkelig und mit kreisenden Hüften im Mondschein, um möglichst bildhaft zu sprechen. Sie können es halt immer noch.

Hier gibt es das volle Programm: von den tieftraurigen Märchen "William's heart" oder auch "Fifth in line to the throne" mit Neko Case als Backgroundsängerin, zwei Songs, bei denen man nie ganz sicher ist, inwiefern die Erzählerin Campbell auch Protagonistin ist, über das euphorisch-poppige "Do it again", das dann doch zumindest ein wenig an die obengenannte Lloyd-Cole-Hommage erinnert, bis zu den kleinen Perlen, die sich erst nach mehrmaligen Hören wirklich entfalten. Das tanzbare "Troublemaker" mit gesanglicher Unterstützung von My Morning Jackets Jim James etwa ist eine solche, ebenso wie "Cri du coeur", ein höchstdramatischer Schrei des Herzens, auf dem die Streicher aus dem Intro einen weiteren Auftritt haben. Ganz zum Schluss gibt es im Titeltrack noch verwegene Südstaatenromantik obendrauf, und dann ist Campbell doch wieder allein mit ihrem Kummer und ihren Sorgen. Kopf hoch, möchte man da wieder sagen. Wird doch alles wieder gut.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Troublemaker
  • William's heart
  • Do it again
  • Cri du coeur
  • Fifth in line to the throne

Tracklist

  1. Intro
  2. This is love (Feels alright)
  3. Troublemaker
  4. William's heart
  5. New year's resolution
  6. Do it again
  7. Cri du coeur
  8. Every weekday
  9. Fifth in line to the throne
  10. I missed your party
  11. Break it to you gently
  12. Desire lines

Gesamtspielzeit: 47:06 min.

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