ASG - Blood drive

ASG- Blood drive

Relapse / Rough Trade
VÖ: 07.06.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die schwarze Abfahrt

Im Plattentests.de-Supercomputer in der Münchener Zentralredaktion im Stadtteil Haidhausen sind alle wichtigen und unwichtigen Veröffentlichungstermine der kommenden zwei Jahre gespeichert. Manchmal wissen die Bands noch nicht mal, dass sie ein neues Album aufnehmen werden, nachdem der Leadsänger aus der Reha zurück ist, da hat unser Superhirn schon alles vorausberechnet. Wie das funktioniert? Quanten und so, sagt der IT-Mensch. Passt schon, sagen wir. Es sollte also unmöglich sein, dass uns mal eine relevante Platte durch die Finger geht. 2007 war das noch anders. Da war die Technologie noch nicht so weit. Wir mussten unsere Handys größtenteils mit Knöpfen bedienen, und Plattentests.de war nicht bei Facebook vertreten. Die Älteren unter Euch und so weiter.

Das kann und muss der Grund sein, weshalb niemandem hier das kleine Meisterwerk aufgefallen ist, das ASG damals veröffentlicht haben: "Win us over" ist eine gewagt poppige und meist irrsinnig schnelle Doom-Platte, die trotz aller Wucht nicht sehr nach Metal riecht. Torche hatten etwas früher vorgemacht, wie man Melodie und Härte miteinander verbindet, ohne in Klischees zu verfallen, und ASG haben genau das perfektioniert. Kein New Metal, kein Keyboard-Klimbim, keine Kuschelmusik, aber Ohrwürmer und tonnenschwere Gitarren wie Sand am Meer.

Sechs Jahre hat die Band gebraucht, um Liedern wie "Gallop song", "Palm Springs" und "Right death before" ein paar Nachfolger zu schenken. "Blood drive" hat aufgrund seines exzellenten Vorgängers zweifellos ein schweres Erbe anzutreten. Und das hört man. Die gute Nachricht: Man hört es im besten Sinne. ASG verfrachten das gesamte Gewicht der langen Vorlaufzeit in die Songs. Langsamer und schwerer, aber nicht weniger melodiös und in Richtung Pop schielend nimmt die Platte von Beginn an Momentum auf. "Avalanche" ist dafür der perfekte Opener. Der Song weckt keine falschen Hoffnungen auf eine erneute Hochgeschwindigkeitsabfahrt, sondern rollt in gesetztem Tempo den Berg hinab. Das Schlagzeug drückt die sich ständig variierenden Riffs gegen die Wand. Im Mittelteil öffnet sich der Song kurzzeitig, streift die Schwere ab und flieht gen Himmel. Dort sind allerdings die Götter allesamt verrückt, wie Sänger Jason Shi gleich zu Beginn anmerkt. Also zurück auf die Erde.

Dort bilden Songs wie der Titeltrack, "Day's work" oder dynamische "Stargazin" das Fundament aus wunderbar eingängigen Bratgitarren und hymnischen Melodien, von denen ASG immer wieder in andere Richtungen abweichen. Brütender und nicht ganz so laut flüstert "Blues for Bama" anfangs aus den Boxen. Auch "Earthwalk" und "Children's music" nehmen zum Teil etwas die Lautstärke raus und verneigen sich kurz vor den Legenden des Southern Rock, bersten aber nichtsdestotrotz vor Energie. "Hawkeye" ist auf der anderen Seite der vielleicht härteste und schlechtgelaunteste Song auf "Blood drive", einer Platte, die bei allem Overdrive und aller Midtempo-Trägheit ansonsten ein erstaunlich sonniges Klangbild malt. Und das nicht zuletzt dank Shis Stimme, die sowohl glasklare Melodien als auch gepresste Schreiattacken trägt. Vielen Dank also an den Supercomputer - dafür, dass er "Blood drive" entgegen dem Vorgänger endlich auf dem Schirm hatte.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Avalanche
  • Blood drive
  • Hawkeye
  • Stargazin

Tracklist

  1. Avalanche
  2. Blood drive
  3. Day's work
  4. Castlestorm
  5. Scrappy's trip
  6. Blues for Bama
  7. Earthwalk
  8. Children's music
  9. Hawkeye
  10. Stargazin
  11. The ladder
  12. Good enough to eat

Gesamtspielzeit: 46:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
snes
2017-07-02 18:48:17 Uhr
Mal wieder das Album rausgekramt.Richtig, richtig gut. Die hypnotischen Gitarrenwände, die wirklich jeden Song prägen, der Gesang, die Songs. Hier passt einfach alles. 9/10

bazilicious

Postings: 2909

Registriert seit 27.06.2013

2015-11-07 09:53:33 Uhr
Total unterschätztes Album, nur mikroskopisch minimal schwächer als das grandiose win us over... was für tolle gitarren und gesangsmelodien. Ganz große Band, die anderen guten Bands wie Mastodon oder Torche in einem Bereich haushoch überlegen ist und deswegen heraussticht: der Sänger ist weltklasse!!!

Win us over 9,5/10
Blood Drive 9/10

Auch das seitenprojekt wildlights aus diesem jahr ist der wahnsinn, das kommt noch kompakter daher.
Fakt
2013-09-30 21:39:56 Uhr
Ein grandioses Album.
Die 8/10 ist fast schon zu wenig.

"Castlestorm" ist die Wucht in Tüten.
Ganz tolles Album.
Amplification of Self Gratification
2013-06-18 11:33:32 Uhr
Mir gefällt ja das Debut immer noch am besten.

embele

Postings: 457

Registriert seit 14.06.2013

2013-06-16 09:12:53 Uhr
Mir gefiel spontan auch 'win us over' besser, aber dieses Album ist (glaube ich)ein Grower...
Die Songs sind nicht so heavy wie früher, haben aber alle wieder Ohrwurmcharakter.
Sehr schöne Platte, mit der Bewertung lasse ich mir noch etwas Zeit.
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