Mount Kimbie - Cold spring fault less youth

Mount Kimbie- Cold spring fault less youth

Warp / Rough Trade
VÖ: 24.05.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Clever und smart

Kaum hatte es Dubstep gegen Ende des vergangenen Jahrzehnts aus dem Underground in die Wahrnehmung und Wohnzimmer einer breiten Öffentlichkeit geschafft, begannen die ersten Liebhaber schon mit der Suche nach einer Antwort auf den Hype. Kurze Zeit später war Post-Dubstep geboren, und Künstler wie James Blake oder Mount Kimbie sorgten schnell dafür, dass auch diesem Abkömmling die verdiente Aufmerksamkeit zukam – ohne jemals eine genaue Definition zu wagen. Anders als Blake, dessen kürzlich erschienener zweiter Langspieler "Overgrown" den damals erfundenen Stil konsequent fortführt, scheinen Mount Kimbie nach zwei EPs und dem hochgelobten Debütalbum "Crooks & lovers" auch von Post-Dubstep genug zu haben. Und weil Post-Post-Dubstep langweillig gewesen wäre, geht die Entwicklung halt woanders weiter.

Dabei gilt es vor allem, alle denkbaren Erwartungen der Fans des Debüts lächelnd zu ignorieren. Statt verquer synkopierter Beats für die Magengrube gibt es organische Instrumentenklänge, statt zerhackter Stimmsamples echten Gesang. Wenn schon was Neues machen, dann richtig – da gehörte auch der Wechsel vom Dubstep-Label Hotflush zum breiter ausgerichteten Warp dazu. Direkte Vergleiche zum Debüt macht der neue Sound schwer. So gehen Mount Kimbie nach einem kaum zu toppenden ersten Album geschickt pingeligen Gegenüberstellungen aus dem Weg. Und es fällt entsprechend viel leichter, festzustellen: Trotz aller Gegensätze ist "Cold spring fault less youth" seinem Vorgänger qualitativ ebenbürtig.

Ein überraschter Blick bei den ersten Tönen sei trotzdem jedem Hörer verziehen. Wer noch einmal kontrollieren will, ob auch die richtige CD im Player liegt, tue auch dies. Spätestens beim zweiten Durchgang guckt hingegen niemand mehr blöd - weil eine ruhige Collage aus Orgel und Bläsern dieses Album eröffnet, weil es manchmal mehr nach Band als nach Produzenten-Duo klingt, weil Kai Campos und Dominic Maker anfangen zu singen. Und die beiden Köpfe hinter Mount Kimbie behalten das Mikrofon nicht für sich: "Now did you see me? / I killed a man" - King Krule hat Eier, und die präsentiert er auch. Überraschend gut passen seine Raps in den neuen Mount-Kimbie-Sound, und auch er fängt irgendwann zögerlich an, mehr zu singen als zu sprechen. Ein Indiz dafür, dass "Cold spring fault less youth" noch an vielen Stellen mehr Bauch- als Kopfsache ist, obwohl die Platte insgesamt kalkulierter klingt als das Debüt. Das liegt auch daran, dass trotz der gelungenen neuen Songwriter-Attitüde noch immer elektronische Sounds das Bild bestimmen und diese insgesamt gerader, glatter daherkommen.

Dass "glatt" keine negative Konnotation verdient hat, zeigt die erste Singleauskopplung "Made to stray" eindrucksvoll. In einem schier endlos ansteigenden Spannungsbogen schichten Mount Kimbie wabernde Synthies über einen unruhigen Beat, drehen fröhlich an diversen Effektreglern und richten die gesamte Dramaturgie so gekonnt auf den Gesangseinsatz aus, dass der im letzten Drittel für einen gefühlt bombastischen Höhepunkt sorgt, ohne überhaupt viel an Intensität zuzulegen. Auch in "Break well" spielen Campos und Maker damit, aus dem Nichts fließende Melodiefetzen zu fangen und übereinander zu stapeln, bevor plötzlich mit viel Tamtam ein poppiges Finale über den roten Teppich schreitet. Solche Breitspur-Momente bleiben aber nie lange stehen, fast als fühlten sich Mount Kimbie von der Wucht der eigenen Produktion erschlagen. Diese Gefahr besteht beim Hörer folglich nicht, und es macht Spaß, sich an den Feinheiten zu erfreuen. Bei aller Zugänglichkeit lohnt es sich, "Cold spring fault less youth" konzentriert zu hören – auch um irgendwann zu merken, dass die Suche nach einem charakteristischen Mount-Kimbie-Sound in Anbetracht der ersten Platte ohnehin für die Katz' ist. Die Erwartungen an kommende Alben können also gar nicht sonderlich konkret ausfallen - derart clever, muss man nach gerade einmal zwei Alben erstmal sein.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Home recording
  • You took your time (feat. King Krule)
  • Made to stray
  • Slow

Tracklist

  1. Home recording
  2. You took your time (feat. King Krule)
  3. Break well
  4. Blood and form
  5. Made to stray
  6. So many times, so many ways
  7. Lie near
  8. Meter, pale, tone (feat. King Krule)
  9. Slow
  10. Sullen ground
  11. Fall out

Gesamtspielzeit: 42:47 min.

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