Scout Niblett - It's up to Emma

Scout Niblett- It's up to Emma

Drag City / Rough Trade
VÖ: 24.05.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fleckenlos auf einem Fleck

Wen interessiert das hier eigentlich noch? Machen wir uns nichts vor: Folk ist tot. Mal wieder. Joanna Newsom hat uns nicht das Leben gerichtet und Devendra Banhart war nie mehr als ein netter Kräuteronkel mit ein paar lustigen Interviews. So reihte sich in den letzten Jahren Album an Album an Album - ohne das irgendwas noch zu sagen gewesen wäre. Aber Scout Niblett gehörte bisher nie zu den Künstlern, die große Worte schwingen und nahm auch in dieser neuen Welle an Folk einen besonderen Status ein. Vielmehr ging es der englischen Sängerin mehr um Atmosphäre, um Reizwörter, die ein ganz bestimmtes Gefühl auslösen. "Do you want to be buried with my people?" Scheiße, nein! Auch ihr sechstes Album gehört nicht zu den großen Momenten, denen, die viel bewegen oder drehen. Es geht tatsächlich wieder nur um dieses Gefühl, diese Einsamkeit.

"No scrubs" kaut sich die Fingernägel ab, bis es blutet, während dazu die Gitarre schwer im Song liegt - einem Cover von TLC. Vielleicht der wahrste und ehrlichste Moment, den dieses Album zu bieten hat. Denn es steht die Schrammeligkeit der Gitarre im Vordergrund, was es nicht einfach macht, einen Zugang zu finden. Zu "Can't fool me now" passt das noch gut, doch in "Gun" nervt es nur. Die Verweigerung zur Melodie macht "It's up to Emma" nicht automatisch anspruchsvoll, auch wenn das hier jede Sekunde schreit. Allerdings hat Scout Niblett nicht viel zu erzählen, was längere Songs wie "Could this possibly be?" vollkommen überzieht. Keine Erzählung, einfach nichts. Und um tiefer in das Seelenleben von Niblett abzusteigen, fehlen die offenen Momente. Grunge mit drin? Mag sein. Ist aber mehr Attitüde. Da fehlt die Kraft, die Wut, die Verzweiflung, der Zorn, der Wahn, der Sinn. Wenn Scout Niblett schreit, dann gezwungenermaßen. Weil sie das so will, nicht weil die Umstände sie dazu zwingen. Und das nervt.

Was einst ihre Stärke war, macht dieses Album langatmig und zieht es in den Durchschnitt. Scout Niblett ist hier oft alleine am Werk; Gitarre und rumpelige Drums sind mehr als nur einmal das Grundgerüst der Songs. Doch daraus ergibt sich keine Atmosphäre - nicht auf "My man", nicht auf "All night long". Vielmehr strengt Niblett an, was jedes Gefühl zerstört. Die Feinheiten von Jason Molina oder Will Oldham bekommt die englische Songwriterin nicht hin. Und die aufflammende Seele, die es hier dringend bräuchte, bringt sie in keinem ihrer Songs wirklich unter. Für sich betrachtet, finden sich auf "It's up to Emma" ein paar nette Songs. In der Masse bringt dieses Album aber nichts mit, um herauszustechen. Diese Platte beeinflusst kein Leben, macht Folk nicht wieder interessant und bewegt sich nicht vom Fleck. Niblett ist eine gute Songwriterin, aber "It's up to Emma" dürfte sie selbst in ein paar Jahren nicht mehr interessieren.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Can't fool me now
  • No scrubs

Tracklist

  1. Gun
  2. Can't fool me now
  3. My man
  4. Second chance dream
  5. Woman and man
  6. All night long
  7. No scrubs
  8. Could this possibly be?
  9. What can I do?

Gesamtspielzeit: 44:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Annegret Huck
2017-01-08 09:09:39 Uhr
Warum ist denn dieses Album so unglaublich schlecht bewertet?
Arbeiter
2016-11-19 16:42:03 Uhr
It's Up To Emma ist das intensivste Break-Up-Album welches je geschrieben wurde.

Bischoffs Rezi liest sich so, als handle sie von einem anderen Album.
Wer bei My Man nicht feuchte Augen oder einen Kloß im Hals bekommt, der ertränkt auch kaltlächeld süße Katzenbabys.
sidel
2013-11-10 13:35:38 Uhr
seh ich ganz genauso. und live in Leipzig gestern war sie ein Traum.

Mr Oh so

Postings: 1208

Registriert seit 13.06.2013

2013-10-08 22:19:54 Uhr
Irgendwie trifft es die Rezi schon auf den Punkt, und trotzdem gefällt mir das Album außerordentlich gut. Ist irgendwie nicht totzukriegen und schmuggelt sich dieses Jahr immer wieder in meine Playlist.

Ja, Kollege Bischoff hat wohl recht, wenn er der Musik die emotionale Tiefe abspricht. Das kommt nicht aus einem tiefen Leiden, was man hier zu hören bekommt. Aber Niblett muss gar nicht den Cobain machen, um zu begeistern.

Es ist eine Freude zu hören, wie sie sich beim Singen quasi abkämpft, an den songs reibt und so aus dem minimalen Sound doch wieder grandiose Hörerlebnisse zaubert.

Es geht da nicht um die große Erzählung, die teif empfundene Emotion - vielmehr arbeitet sie sich an den Melodien, an den songs an sich ab. Und das begesitert auf seine ganz eigene Weise.

Eins meiner Lieblingsalben dieses Jahr.
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