Miles Kane - Don't forget who you are

Miles Kane- Don't forget who you are

Columbia / Sony
VÖ: 31.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gentleman quarterly

Miles Kane weiß, wann er zu schweigen hat. Zum Beispiel, wenn durch die Presse geht, dass seine Ex einen Neuen hat. Also gab er dem frischgebackenen Paar Suki Waterhouse und Bradley Cooper lediglich die besten Wünsche mit auf den Weg - und der Fall war erledigt. Fair enough: Bei The Last Shadow Puppets war schließlich er es gewesen, der seinem Nebenbuhler "You've got to understand / That your love is standing next to me" zuraunte. Hollywood-Schauspieler Cooper mag einmal zum "sexiest man alive" gewählt worden sein - dafür ist Kane ein echter Gentleman und außerdem der bestangezogene Mann des Britpop. Und sollte der Papst tatsächlich einmal eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen, würde Kane sicher früher oder später hereinschauen.

Und vielleicht bringt er dem Inhaber bei der Gelegenheit als kleinen Wink mit dem Zaunpfahl auch ein Exemplar seines neuen Albums mit. "Don't forget who you are" lässt sich ja auch als "Schuster, bleib bei Deinen Leisten" lesen. Für den Künstler eine Selbstverständlichkeit: Kane kennt sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen - und ist zudem in der Lage, Letztere fast vollkommen auszublenden. Übrig bleiben elf kurze, hinreißende Songs über große (Hoch-)Gefühle, persönliche Niederlagen und darüber, wie man daran wächst. Möglichst nicht in die Breite wie zuletzt Peter Doherty - doch das kommt für Kane ohnehin nicht in Frage, da er sonst nicht mehr in seine schicken Anzüge passen würde. Und ein gewisser Schniegel-Faktor empfiehlt sich halt bei dieser geschmackvollen Spielart von Britpop mit Drama-Affinität und Sixties-Schlagseite.

Schließlich begrüßt Kane ehrwürdige Herrschaften im Studio. Lightning-Seeds-Mann Ian Broudie thront auf dem Produzentenstühlchen, zum Songwriting schneien Paul Weller, Gitarrenschrummler Kid Harpoon und XTC-Legende Andy Partridge herein. Irgendwie hat es sogar Robbie Williams' langjähriger Co-Autor Guy Chambers geschafft, sich einmal in die Credits zu mogeln - gut, dass er es ob des eher blassen "Out of control" bei dieser Stippvisite bewenden ließ. Und obwohl das Personal zunächst einen Gemischtwarenladen suggeriert, in dem es Radiofutter, Mod-Pop und 80er-Psych im Dutzend billiger gibt, bleibt Kane der Boss - vor und hinter der Theke. Das stellt er gleich mit dem zwischen Swing und Uptempo changierenden Opener "Taking over" klar - und schon beim köstlichen Twang des Titelstücks haben sich alle damit abgefunden.

Doch "Don't forget who you are" blickt auch nach links und rechts - und entdeckt dabei etwa den aufgekratzten, mit scharfen Riffs befeuerten Rock'n'Rave von "Give up" und zum Schluss mit "Darkness in our hearts" einen fantastischen Starkstromrocker, bei dem Kane der Patina des Strokes-Heulers "Last nite" mit einem Eimer Chromelektrolyten zu Leibe rückt. Und wer weiß: Vielleicht haben alle Beteiligten zuvor bereits einen guten Schluck genommen - das würde zumindest die plärrenden Chöre und rohen Gitarren-Freakouts des Upbeat-Hits "Tonight" erklären. Am nächsten Morgen fragt sich Kane dann: "What condition am I in?" und kommt zum Schluss: "It's a mystery I can't get started / She's leaving broken-hearted." Spätestens da weiß der Hörer, dass er dringend mehr Drama und Glamour in seinem Leben braucht. Oder wenigstens mehr Miles Kane.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Taking over
  • Don't forget who you are
  • Tonight
  • Give up

Tracklist

  1. Taking over
  2. Don't forget who you are
  3. Better than that
  4. Out of control
  5. Bombshells
  6. Tonight
  7. What condition am I in?
  8. Fire in my heart
  9. You're gonna get it
  10. Give up
  11. Darkness in our hearts

Gesamtspielzeit: 32:39 min.

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