Ghost B.C. - Infestissumam

Ghost B.C.- Infestissumam

Republic / Universal
VÖ: 19.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The Devil's Pop

Namen sind Schall und Rauch. Eigentlich traf das bislang auf keine Band besser zu als auf Ghost, deren Bandmitglieder ihre Identität dermaßen geheim halten, dass selbst Pseudonyme schon zu viel wären. Also schart sich um Frontmann "Papa Emeritus II" eine Truppe von Musikern, die jeweils ausschließlich als "A nameless ghoul" bezeichnet werden. Wie gesagt: Eigentlich. Denn plötzlich tauchten in den USA Streitigkeiten um Namensrechte auf, und die aus Schweden stammende Combo sah sich gezwungen, zumindest jenseits des Atlantik dem Namen noch ein "B.C." anzuhängen. Angesichts des klerikalen Bühnenoutfits der Herren ist die Wahl dieser Abkürzung natürlich voller feiner Ironie, und was den ungeliebten Suffix angeht, so verkündete die Band in bester "Django unchained"-Manier: "The B.C. is silent and will remain silent".

Wirklich wichtig ist allerdings auf'm Plattenteller. Und da setzen Ghost B.C. noch mehr als beim wahrlich nicht schlechten Vorgänger "Opus eponymous" auf eine geradezu bösartige Eingängigkeit, wenn nach choralem Intro das erste Mal im Refrain von "Per aspera ad inferni" die Arme zur Segnung ausgebreitet werden. Herrlich auch, wie bei "Secular haze" ein wie von King Diamond gefauchter Refrain auf einen Dreivierteltakt in den Strophen trifft, der so grotesk nach Zirkus klingt, dass man das Grinsen unter den Masken hören kann. Nieder mit der Erwartungshaltung, hinein in die Fresse der Stilwächter. Die ja ohnehin schon ein Problem haben mit der kruden, aber höchst unterhaltsamen, drei Dekaden umfassenden Mixtur aus Psychedelic, Doom und der New Wave Of British Heavy Metal.

Überhaupt kein Problem, sondern schlicht grandios ist dann der Mittelteil des Albums. Die zweite Hälfte von "Ghuleh / Zombie queen" zum Beispiel schaufelt trockene Americana in derartigen Wagenladungen herein, dass man sich fragt, wie Produzent Nick Raskulinecz, der bereits für Größen wie Rush am Pult saß, jemals den Staub aus dem Studio fegen soll. Gänzlich von außerhalb dieser Welt ist dann das folgende "Year zero". Wer einen solchen Song ohrwurmen kann, der darf sich auch mit den Fürsten sämtlicher verfügbarer Unterwelten zu ungeahnten okkulten Orgien verbünden - er kann trotzdem kein schlechter Mensch sein. Und jetzt alle: "Belial! Behemoth! Beelzebub! Asmodeus! Satanas! Lucifer!"

Schade eigentlich nur, dass die dunklen Prediger einen weiteren Brüller, nämlich eine Coverversion von ABBAs "I'm a marionette", als Bonustrack auf der Special Edition des Albums verstecken. Denn genau das unterscheidet die Schweden zum Beispiel von den ähnlich gelagerten, aber mittlerweile aufgelösten The Devil's Blood: Während jene nämlich ihre Riten mit heiligem Ernst zelebrierten und damit hart am Rand der eigenen Karikatur balancierten, kann man bei Ghost B.C. nie wirklich sicher sein - ist das nun bitterböse Satire oder das perfide Einbetten des Bösen im bunten Mantel des Pop? Selbst der großartig sinistre Abschluss "Monstrance clock" vermag darüber nicht wirklich Aufschluss geben. Aber am Ende ist das genauso egal wie die Identitäten der Nameless Ghouls. Selten konnte man Dogmatiker eingängiger provozieren als mit "Infestissumam".

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Ghuleh / Zombie queen
  • Year zero
  • Monstrance clock

Tracklist

  1. Infestissumam
  2. Per aspera ad inferni
  3. Secular haze
  4. Jigolo har megiddo
  5. Ghuleh / Zombie queen
  6. Year zero
  7. Idolatrine
  8. Body and blood
  9. Depth of Satan's eyes
  10. Monstrance clock

Gesamtspielzeit: 47:47 min.

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