Miguel - Kaleidoscope dream

Miguel- Kaleidoscope dream

RCA / Sony
VÖ: 31.05.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Liebesdrogen

Der zeitgenössische Rhythm'n'Blues erfuhr im letzten Jahr ein interessantes, elaboriertes Update. Zum einen war da Frank Ocean, der mit seinem Debüt-Album "Channel Orange" einen ungeschminkten und dennoch hübschen Einblick in die Gefühlswelt eines jungen Amerikaners in Zeiten der Identitätsfindung gewährte. Das Feuilleton kippte hintenüber vor Freude und Ekstase, was im R'n'B nun wirklich eher Seltenheitswert besitzt. Neben Ocean reüssierte vor allem Miguel, ein junger Sänger, der mit "Kaleidoscope dream" eine sagenhaft leidenschaftliche Platte veröffentlichte. Nun erscheint die Platte, die zuvor als Import erhältlich war, offiziell in Deutschland, und natürlich könnte man jetzt über seltsame Marktmechanismen sinnieren, doch die Zeilen sind knapp bemessen und die Musik ist schlicht zu gut, um derlei Firlefanz zu verhandeln. Will heißen: Egal ob mit oder ohne Bonus-Songs, die Anschaffung lohnt sich in jedem Fall.

Miguel Jontel Pimentel ist ein Typ von Mitte 20, der in Los Angeles geboren und aufgewachsen ist, und das ist bekanntermaßen schon immer eine prima Voraussetzung, um die Sonne im Herzen zu tragen. Miguel begnügt sich aber nicht mit Geschichten über das gute Leben, sondern fügt dem Ganzen oft auch eine bittere Note bei. Nichtsdestotrotz strahlt "Kaleidoscope dream" eine wahnsinnig positive Stimmung aus und wird das eine oder andere Mal auch recht explizit, wenn sich der Blick Richtung Bettkante bewegt und Inhalte verhandelt werden, die nun mal bevorzugt unterhalb der Bettdecke stattfinden. Der fantastische Opener "Adorn" gehört zu ebendiesen Songs und berichtet mit spürbarer Passion von der körperlichen Zuneigung zu diesem einen Mädchen, das einem eben nicht mehr aus dem Kopf geht: "These lips, can't wait to taste your skin, baby."

"Don't look back" hingegen begnügt sich nicht mit Standard-R'n'B, klingt kühler, rockiger, überzeugt durch seine ambitionierte Stringenz. Dass dieser Song freilich auch ein wahrhaftiger Hit ist, muss nicht erwähnt werden, schließlich macht es Miguel nicht darunter. Seine Geschichten handeln zumeist von Zweisamkeit, egal ob diese nun friedvoll und lüstern in den Federn verbracht wird oder auf der Flucht. Einfach macht es sich Miguel indes nie: Mit Songs wie "Do you..." oder "Pussy is mine" macht man sich leicht angreifbar. Sex, Drogen, Rock'n'Roll, Miguels Welt besteht nun einmal aus diesen drei Komponenten. Doch wenn er in "Do you..." zugibt, Drogen zu lieben, ist immerhin noch lange nicht geklärt, ob er damit vielleicht nicht sogar die schönste Droge der Welt meint. Und diese kann man nun mal bekanntermaßen nicht bei blassnasigen Jesse-Pinkman-Verschnitten erstehen.

Der Titelsong überzeugt mit feinen, vielschichtigen Arrangements, ist pop- und rockinformiert und klingt trotzdem seltsam unwirklich, wie auf einer Wolke gebettet. Das darauf folgende "The thrill" ist sowieso schon mal einer der besten R'n'B-Songs der letzten Dekade, da brauchen wir an dieser Stelle nicht diskutieren. Wer hier nicht mitgeht, nun ja, dem bleiben Skinny Puppy, Deine Lakaien und Laibach oder so, für alle anderen gilt: "Never chase, never waste, never hesitate." Für "Where's the fun in forever" konnte Miguel Alicia Keys als Co-Writerin gewinnen, was dem Song sicherlich gut getan hat. Auch für einige weitere Stücke von "Kaleidoscope dream" hat sich Miguel auf diese Weise verstärkt, was letztendlich dazu führt, dass sein zweites Album ganz wunderbar abwechslungsreich geraten ist. Und dies ist vielleicht der größte Pluspunkt gegenüber "Channel Orange". So oder so, egal ob Frank Ocean, Miguel oder The Weeknd: Der zeitgenössische R'n'B erlebt ein wahrhaftiges Zwischenhoch. Wer hierzu keine Verbindung aufbauen kann, wird in diesem Leben kein Freund des Genres mehr. Das schwöre ich bei meiner Bettdecke!

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Adorn
  • Use me
  • The thrill
  • Pussy is mine

Tracklist

  1. Adorn
  2. Don't look back
  3. Use me
  4. Do you...
  5. Kaleidoscope dream
  6. The thrill
  7. How many drinks?
  8. Where's the fun in forever
  9. Arch & point
  10. Pussy is mine
  11. Candles in the sun

Gesamtspielzeit: 42:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
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me, gell
2015-06-21 19:32:50 Uhr
bald mit neuer platte "wildheart" am start.
Wayne
2013-06-23 21:57:36 Uhr
interessiert das.
Castorp
2013-06-13 13:19:42 Uhr
Miguel und Prince werden übrigens auch auf dem neuen Album von Janelle Monaé zu finden sein.
Castorp
2013-06-13 13:12:29 Uhr
Benutzt mich doch endlich.
Kevin
2013-06-04 13:30:33 Uhr
Lieber Kollege,

Es ist ja nicht so, dass ich geschrieben hätte, "Channel Orange" sei nicht abwechslungsreich, nur ist Miguels Album eben für meinen Geschmack etwas variantenreicher.

Die Platte lag im Übrigen einige Monate schon vor, allerdings mit dem Hinweis vom Promoter bis Ende Mai mit Veröffentlichung einer Rezension zu warten. So geschehen...
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