The House Of Love - She paints words in red

The House Of Love- She paints words in red

Cherry Red / Rough Trade
VÖ: 29.03.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hahnenkrampf

Lassen wir uns die Geschichte noch einmal kurz durch den Kopf gehen, um die Ereignisse auch ordentlich analysieren zu können: Im Jahr 1986 gründet Guy Chadwick, ein junger Kerl mit angenehmer Stimme, in London eine Band namens The House Of Love. Zwei Jahre später veröffentlicht diese ihr gleichnamiges Debütalbum, und im Jahr darauf steigt Teddy Bickers aus, Gitarrist und quasi zweiter Kopf der Band. Bis 1993 halten sich The House Of Love mit Ersatzmännern über Wasser, während sich Chadwick und Bickers nur noch über die englische Presse miteinander unterhalten, dann löst sich das Gespann endgültig auf. Zwölf Jahre dauert es, bis sich die Streithähne zusammenraufen und mit "Days run away" einen Comeback-Versuch starten. Dann passiert acht lange Jahre wieder gar nichts, bis "She paints words in red" erscheint. Nach so einer Zeit kann man getrost von einem zweiten Comeback sprechen. Ob es das gebraucht hätte, ist eine andere Frage.

Streitigkeiten dürften an der langen Pause jedenfalls nicht schuld sein. "She paints words in red", das mittlerweile sechste Album der Briten, ist so verschmust, harmonisch und schunkelfreudig, dass man kaum glauben kann, dass eine der größten Einflüsse auf Chadwick bei Bandgründung ausgerechnet The Jesus & Mary Chain gewesen sein sollen. Dermaßen handzahm wie etwa ländlich anmutende "Lost in the blues" haben die sich jedenfalls nie gegeben. Einen Engländer mit Cowboyhut kann man sich dabei zwar nur schwerlich vorstellen, aber es geht ja auch nur um die Illusion. Jetzt muss man der Platte natürlich nicht zwingend anhören, dass sich Chadwick und Bickers vor gefühlt 100 Jahren mal eine Weile nicht grün waren. Das Problem von "She paints words in red" liegt vielmehr darin, dass es zu verkrampft klingt, zu sehr gewollt - als wolle man die Antriebskraft längst vergangener Tage wieder heraufbeschwören, während die Gangschaltung ordentlich klemmt.

Auch die teilweise sehr bizarren Bilder, die die Band mit ihren Texten malt, helfen nicht dabei, diesen Umstand einfach zu überhören. "Hemingway" etwa, in dem Chadwick an einer Stelle darüber sinniert, mit seiner Knarre irgendjemanden aus Spaß zu erschießen, während eine akustische Popmelodie sich fröhlich durch die dreieinhalbminütige Spielzeit jingelt, wirkt einfach zu absurd. Da lohnt sich ein Stück wie das psychedelische "PKR" schon eher, das noch in irgendeiner alten Schublade lag und wiederbelebt wurde, oder auch das düstere "Money man" mit seinen 60er-Jahre-Anleihen. Doch schnell verfängt sich die Band wieder in einem merkwürdig kraftlosen Song wie "Trouble in mind", das auf einem reinen Akustikalbum sicher gut aufgehoben gewesen wäre, so aber jede Form von aufkeimender Stimmung jäh ausbremst. Hoch mit dem eigenen Anspruch geht es dann erst wieder ganz zum Schluss mit dem recht typischen "Eye dream", das durch seinen tiefen Gesang und das großartige Gitarrenspiel von Bickers noch ein paar letzte Sympathiepunkte sammeln kann, bevor man das Album schließlich wieder wegpackt. Mal sehen, wie viele Jahre vergehen, bis man es wieder hervorholt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • PKR
  • Money man
  • Eye dream

Tracklist

  1. A baby got back on its feet
  2. Hemingway
  3. She paints words in red
  4. PKR
  5. Lost in the blues
  6. Low black clouds
  7. Money man
  8. Trouble in mind
  9. Never again
  10. Sunshine out of the rain
  11. Holy river
  12. Eye dream

Gesamtspielzeit: 39:23 min.

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