Dexter - The trip

Dexter- The trip

Melting Pot / Groove Attack
VÖ: 31.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Proggefella

In den rund 40 Millionen deutschen Privathaushalten lief ein Großteil der musikalischen Sozialisation über jene Platten von Pink Floyd und Genesis, die man sich damals in den Siebzigern eben als Alibi ins Regal stellte. Geschmackssicher war "Dark side of the moon" der Trumpf auf jeder Party. Ein paar Jahre später entdeckten die Kinder dann eingestaubt zwischen Sade und Modern Talking jene Schallplatten. Prog und Psychedelic Rock waren für das weiße Mittelschichtsreihenhaus das, was in Amerika die alten Soul- und Funk-Aufnahmen waren: die erste Einsicht in eine musikalische Welt, als es zwar schon ums Geld ging, aber die großen Plattenfirmen wenigstens noch ein wenig Werte und Eier hatten. Auch Dexter ist durch seinen Vater geprägt, der viele Psychedelic-Platten im Haus hat. Jener Dexter, der auf den Alben von Cro und Casper einen Beat platzieren konnte. Jener Dexter, der den Bestesten das Instrumental für ihre Hymne lieferte. Und das kommt auf seinem neuen Album nicht rüber.

Denn auf "The trip" geht Dexter experimentellere und schwierigere Wege. Wie die Producer Edan oder auch The Alchemist verknüpft auch Dexter Beats mit dem progressivem Sound der Siebziger. Das passiert mal gemäßigter wie in "Walk with us", mal rhythmuslastiger wie in "Roll it, light it, suck it". Damit liegt "The trip" aber auch viel weiter draußen als es die aktuellen sonstigen Produktionen im DeutschRap gerade sind. Die wenigsten Beatmaker würden es überhaupt hinbekommen, 18 Tracks zusammenzubekommen, die so dicht sind und so durchgängig eine Atmosphäre aufbauen. Als Album fließt "The trip" tatsächlich vor sich hin. Dexter hat die einzelnen Teile ziemlich genau platziert und verbunden. Aber nicht nur das: Auf "The trip" sind keine Einflüsse erkennbar. Oder besser: Dieses Album besteht durchweg nur aus Tracks, die deutlich von Dexter kommen. Ohne auch nur einen Fick daraufzugeben, ob das gerade angesagt ist oder nicht, hat der Wahl-Stuttgarter diese Platte gebastelt. Und nur so bringt jemand seinen Sound nach vorne.

"Cupcakes" etwa schwingt mit seinem Sample unaufhörlich das Pendel. Dieser hypnotische Sog, diese Tiefe, die in diesem Album steckt, macht es wortwörtlich zu einem Trip, wie ihn Madlib etwa auf seiner Serie Beat Konducta gerne zelebrierte. Kleine Stücke, die kaum mehr als Skizzen sind, ergeben auf der Gesamtenlänge ein großes Ganzes. Und auch im internationalen Vergleich ist der Hausproduzent von Wortsport so gut dabei. Dexters Haltung, einfach sein Ding durchzuziehen, entspricht dem Geist des HipHop. Hier zieht jemand seine Linie durch, seine Idee von Sound und dem Zusammenspiel des Samples. Selten kommt aus Deutschland so viel Qualität wie mit "The trip". Und dafür dürfen dann auch die alten Platten von Pink Floyd endlich eingemottet werden.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • San Francisco H (feat. DJ Adlib)
  • Rainbow flight
  • Hippie revolt (Turn on)

Tracklist

  1. Once again back (Tune in)
  2. San Francisco H (feat. DJ Adlib)
  3. Walk with us
  4. Psychedelix club scene
  5. Witch/Room
  6. Rainbow flight
  7. Teenage mother
  8. Cupcakes
  9. With ease
  10. Hippie revolt (Turn on)
  11. You & I
  12. Roll it, light it, suck it
  13. Dexy lovecraft
  14. Clouds of zero
  15. Acido (Heavyyy)
  16. Never knew
  17. Pictures (feat. Josa Peit)
  18. Summerdays (Drop out)

Gesamtspielzeit: 36:51 min.

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