Bombay Show Pig - Vulture / provider

Bombay Show Pig- Vulture / provider

Kytopia / Rough Trade
VÖ: 03.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Und gefressen werden

Auch wenn sein Chef eine Schwäche für Windmühlen hatte: Sancho Panza war nicht etwa Niederländer, sondern Spanier. Und da Nationalstereotypen ja sowieso stinken, sollte man sich nicht weiter mit ihnen aufhalten. Finden auch Bombay Show Pig aus Den Haag statt Indien - nicht zuletzt, weil sie eigentlich überall zu Hause sein könnten. Linda van Leeuwen und Mathias Janmaat beginnen den Opener "Sancho Panza" zwar mit den Worten "You come from Hollywood", aber an glitzernde Traumfabriken mag man bei "Vulture / provider" nicht so recht denken. Eher an Brighton, Nashville oder allenfalls an New York, wo der Big Apple oft am besten schmeckt, wenn er ein bisschen wurmstichig ist. Im positiven Sinne natürlich. Sich selbst bezeichnen die beiden grob vereinfachend als Indierock-Duo - die genauere Verortung übernehmen wir gerne.

"I throw parties every day / Be a bad bad choice to stay away", versprechen Bombay Show Pig in einem Song - und vielleicht hörte es sich ja so ähnlich an, als Jack White und Karen Elson lautstark ihre Scheidung feierten. Van Leeuwen prügelt bis zur Schrottreife auf die Drums ein, Janmaat entlockt Gitarre und Bass splitterndes Geschredder und seismographisch bedenkliche Frequenzen, dazu lassen beide die Orgeln qualmen und geraten oft stimmlich so rabiat aneinander, dass man es nur schwer ausmachen kann, wer hier nun wen mit Haut und Haaren frisst und wer gefressen wird. Eine ähnlich unfriedliche Koexistenz wie bei Blood Red Shoes, wenn sich Laura-Mary Carter und Steven Ansell mit Schmackes Lärmbrocken an die Köpfe werfen.

Mit dem Unterschied, dass die Niederländer mehr spielen als bloß im Grunde immer dasselbe Stück. Da geben die Keyboards schon beim bombastischen Stakkato von "Shackles and chains" ein banges, halbspukiges Geflöte von sich und schlingert "On a plane" anfangs gefährlich durch latente Industrial-Turbulenzen aus schwelenden Synthies, rasselnden Querschlägern und übersteuerten Beats, bis sich ein gediegener Midtempo-Ohrwurm aus dem Geräuschdickicht erhebt. "Fingerprint" dagegen täuscht fast über die komplette Dauer einen arglosen Balladenschleicher vor, bis Hörner und Tuba zum Schluss das Stück plötzlich voluminös aufreißen. Aus etwaigen Berührungsängsten hat sich zu diesem Zeitpunkt schon längst ein wild durcheinandermenschelnder Ringelpiez mit Anfassen entwickelt.

Den im Bandnamen festgeschriebenen Schweinsgalopp müssen Bombay Show Pig darum nur selten einlegen - lieber entfesseln sie in "Start / rewind" ein dem Songtitel angemessenes Stop-and-go-Chaos aus dickem Bassbeben und lieblich durchsäuselten Piano-Breaks oder erkämpfen sich mit vereinten Kräften den hochfahrenden Maximal-Ohrwurm "Stuck in my state of mind", der in der Tat wie psychotischer Superklebstoff an den Synapsen haftet. Und für alle, die sich von Yeah Yeah Yeahs abgewandt haben, seit sie mit rohen Eiern um sich schmeißen und fiese Insekten Kleinkinder piesacken lassen, geben die beiden auf einem durchweg tollen Album bei "Heart in a headlock" und "Ill intentions" zusätzlich noch einmal richtig Gas. Wahrscheinlich mit dem Sancho-Panzer.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Shackles and chains
  • Start / rewind
  • Stuck in my state of mind
  • Ill intention

Tracklist

  1. Sancho Panza
  2. Shackles and chains
  3. On a plane
  4. Heart in a headlock
  5. Start / rewind
  6. Fingerprint
  7. Stuck in my state of mind
  8. Timewaster
  9. Sharp like
  10. Ill intention
  11. Wires
  12. Making friends

Gesamtspielzeit: 39:40 min.

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