Valerie June - Pushin' against a stone

Valerie June- Pushin' against a stone

Sunday Best / PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.05.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nach dem Wolkenbruch

Tiefer Delta-Blues, der von den Wänden der Easy Eye Studios in Nashville abperlt, verschmolzen mit baumstumpftrockenem Roots-Americana. Aus den Weiten des Südens flirrt von der Mittagsglut träger Gospel in dunstgeschwängertem Soul über folkigem Bluegrass durch die Aufnahmeräume, und mittendrin sitzt an den Produktionsreglern Dan Auerbach von The Black Keys. Valerie June aus Memphis, Tennesse macht alles richtig. Und Auerbach? Der sowieso.

June hat mit knapp 30 Jahren schon einiges mit- und durchgemacht und stand eine lange Zeit in der Dauerrotationswarteschleife des American Dream. Zum Beispiel als abgebrannte Straßenmusikerin, die selbstgemachte Seife in U-Bahn-Stationen verkaufte, und Köchin und Altenpflegerin mit leergefegtem Konto, bis sie 2009 von Engineer, Mixer und Produzent Kevin Augunas in den Untiefen Mississippis aufgegabelt wurde. Der ließ sich nicht lumpen und assistierte Auerbach bei der Produktion der elf kostbaren Songperlen, die es auf "Pushin' against a stone" geschafft haben.

"Workin' woman blues" scheint die Suche nach der verlorenen Zeit in angerauchter Bobbie-Gentry-Manier Revue passieren zu lassen, wobei Junes überragende Soulstimme markant von fidelen Funk-Bläsern flankiert wird: "I've been working like a man y'all, I've been working all my life" heißt es da. Auerbach produziert dabei kongenial auf den Punkt, basslastig, dumpf, druckvoll und ohne Firlefanz oder Hickhack. Mit "Somebody to love" folgt ein tiefendimensionierter Hoffnungsschimmer von einem reduzierten, angesoulten Gospel, der in seiner schlichten Juwelenschönheit wie eine tröstende Umarmung zu Tränen rührt: "If you're tired and feeling so lonely / You wake up at night thinking that only if you had somebody / Well, I'll be your somebody." Das wirkt besser als jede überteuerte Therapiestunde. Im brummenden Gospelswing "The hour" greift Auerbach, der auch am Songwriting-Prozess beteiligt war, dann seinerseits zur Gitarre und leiht dem Duett genauso seine sich großartig überschlagende, verrauchte Blues-Stimme wie dem clubtauglichen "Wanna be on your mind", maßgeblich von Junes Gesang getragen, der sich wie eine Magnolienblüte entfaltet.

"Pushin' against a stone" fasst das bisherige Leben der Sängerin metaphorisch zusammen und zeigt nicht nur, wie Stax On! Soul Revue klingen würden, wenn der Black-Keys-Mastermind sein Organ und seinen kreativen Input in den Songentstehungsprozess steckt, sondern schlängelt sich auch mit dreckigem Solo in die Unterschenkel, wo sich "You can't be told" im Stile von Auerbachs Hauptband schon längst festgesetzt hat. "Oh got no place in this old world / Shackle bound, but still I roam" singt June im meditativ-ruhigen "Twined & twisted", das klingt wie die schwüle Stille nach einem sommerlichen Wolkenbruch. Ihren verdienten Platz auf dieser Welt wird June hoffentlich auf der Bestenliste des Jahres 2013 finden. Da gehört die Frau nämlich hin. Alles andere wäre grausam untertrieben.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Workin' woman blues
  • Somebody to love
  • Twined & twisted

Tracklist

  1. Workin' woman blues
  2. Somebody to love
  3. The hour
  4. Twined & twisted
  5. Wanna be on your mind
  6. Tennesse time
  7. Pushin' against a stone
  8. Trials, troubles, tribulations
  9. You can't be told
  10. Shotgun
  11. On my way

Gesamtspielzeit: 43:52 min.

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