The Dillinger Escape Plan - One of us is the killer

The Dillinger Escape Plan- One of us is the killer

Party Smasher / BMG / Rough Trade
VÖ: 17.05.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hart aber schwer

Der kurzzeitige Höhepunkt verblasst. The Dillinger Escape Plan erschufen mit "Option paralysis" eine neue Definition von Härte, versuchten, ein elaboriertes Kunstverständnis in die dumpfen Niederungen popkulturierter Köpfe zu hämmern, und schraubten die Messlatte intelligenter Musik bis zur Unerreichbarkeit hoch. Wie das Meisterwerk fortsetzen? Statt gelähmt zu agieren, zieht die Band die einzig logische wie brachiale Konsequenz: "One of us is the killer". Damit dürften die Mannen um Ben Weinman und Greg Puciato nicht nur die Mäuler der Kinder mit Scheiße stopfen, wie auf ihrem legendären Auftritt beim Reading Festival 2002, sondern erfüllen konsequent mit ihrer einmaligen Ausscheidungsperformanz und ihrem bis dato fünften Studioalbum das Wort des 8. Psalms: "Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, deinen Gegnern zum Trotz; deine Feinde und Widersacher müssen verstummen."

"What was the question why do you need an answer?" fragt Puciato in "Prancer". In der Fokussierung auf Materielles bar jeder Werthaftigkeit im iTunes- und iPhone-Zeitalter unterzieht der "One of us is the killer"-Opener das Substantiv Brachialität einer neuen Deklination und dehnt es horizontal wie vertikal aus. Mit dem abschließend gekeiften "Fuck you now try to disbelieve it" scheint alles gesagt, wofür andere Musiker Alben brauchen. Wer die Kampfansage des Sängers als Untermauerung eines middle-class-white-kid-Aufstandes in Che-Guevara-Shirt und den obligatorischen Rage-Against-The-Machine-Mainstream-Singalongs missdeutet, dürfte vermutlich auch Jeffree Star als konsumaphrodisierendes It-Girl für die angebliche gendertrouble-Generation Emo betrachten, die hemmungslos mit dem Androgynen und fraktionsbedingt mit dem Metrosexuellen als neuen Agenten der Homophobie tänzelt. Kampfgeist heißt schon lange nicht mehr nur gegen den Strom schwimmen. Wer es nicht glaubt, möge bitte "When I lost my bet" hören.

Natürlich sind The Dillinger Escape Plan mittlerweile mit einem Bein im Pop angekommen. Knüppel-Exzesse allein zeigen vielleicht technisches Handwerk, aber nicht unbedingt Profil. Slipknot wurden auch erst richtig gut, als sie die Kraft der Stille für sich entdeckten. Mit Puciatos Bandeinstieg kapselte sich langsam etwas in Ben Weinmans Songwriting, das sich als paradigmatische Erotisierung der bandeigenen Kompromisslosigkeit deuten lässt. Was seit "Ire works" langsam Konturen zeigte, auf "Option paralysis" mit dem mächtigen "Widower" und dem schmerzlichen "Parasitic twin" ausformuliert wurde, wird auf "One of us is the killer" zu einem wichtigen Leitfaden des Songwritings.

Gleichnamiger Titelsong zeigt sich als zugänglicher, linearer, rhythmisch wie melodiös ergreifender Metal-Pop. Dabei werden harmonische Ziserlierungen in die Feinstruktur von Wuchtbrummen wie "Nothing's funny", oder das hysterische "Understanding decay", über das monströse "Crossburner" bis zum abschließenden Irrsinn mit Piano in "The threat posed by nuclear weapons" kunstvoll vorgenommen. Unnachahmliche musikalische Unnachgiebigkeit ist eine Sache. Wandlungsfähige Vielgestaltigkeit eine andere. The Dillinger Escape Plan beherrschen das Tastaturenfeld mitsamt allen Klängen kunstvoller Artikulation im Schlaf. "One of us is the killer" lässt sich vielleicht am besten mit einem Zitat des Bürgerrechtlers und Politikers Harvey Milk auf den Punkt bringen: "Hope will never be silent."

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Prancer
  • When I lost my bet
  • Crossburner

Tracklist

  1. Prancer
  2. When I lost my bet
  3. One of us is the killer
  4. Hero of the Soviet Union
  5. Nothing's funny
  6. Understanding decay
  7. Paranoia shields
  8. 8 ch 375268277 ars
  9. Magic that I held you prisoner
  10. Crossburner
  11. A threat posed by nuclear weapons

Gesamtspielzeit: 39:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 17127

Registriert seit 07.06.2013

2015-03-06 17:58:52 Uhr
Mouth of ghosts und dead as history sind dann aber wirklich dillinger weichgespült.

Wobei "Mouth of ghosts" einfach ein klasse Song ist. Das Jazzige!

Okocha

Postings: 20

Registriert seit 14.06.2013

2013-08-31 18:15:21 Uhr
Support sind u.a. Maybeshewill und (immer noch) The Hirsch Effekt.
fzw
2013-06-11 14:55:31 Uhr
dortmund-termin auf den 24.10. verschoben
NOOOOOOOOOOOO!
2013-06-11 14:45:05 Uhr
http://www.allschools.de/news/entry/1314484
@
2013-06-09 22:09:16 Uhr
Entweder Greg oder Ben, wie man in einem interview erfahren hat.
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