Zaz - Recto verso

Zaz- Recto verso

Sony
VÖ: 10.05.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Viel Feind, viel Wehr

Da fällt einem glatt das Joy-Division-Poster von der Wand: Jahrelang übt man sich in der romantischen Idee, dass ästhetisch ansprechend allein sein kann, was aus Schmerz und Leid geboren ist - und dann kommt Zaz daher. Diese Lebensfreude, hach. Und ihre Musik erst, mal fesch, mal rockig und immer wieder dieser feine Swing. Der Leser stelle sich bitte vor, wie eine Grimasse ein Lächeln ins Schreibergesicht fräst wie bei Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory.

Zweifellos: Für die herzensgute Freundlichkeit, die Zaz' Musik ausstrahlt, ist eine Menge Sympathie fällig. Natürlich sind das keine besonders validen Kategorien für die Beurteilung von Musik oder Literatur oder anderen Dingen, die man kaufen kann. Aber Zaz singt durch ein breites Grinsen, und zwar auf dem Zweitwerk "Recto verso" noch stärker als zuvor. Und das steckt an.

Gewiss ist auch die Annahme, es sei erstaunlich, dass der Französin Zaz auch in Deutschland ein solcher Erfolg beschieden sei, irrwitzig. Zur Erinnerung: Was in Frankreich Chanson heißt, ist in Deutschland Volksmusik. Den Unterschied machen diejenigen, die zum Instrument und zum Mikrophon greifen. Und Zaz ist hier eine der ganz wenigen echten Charismatikerinnen, eine Aus-der-Reihe-Fallende in einem Genre, das auf Anpassung setzt. Ihre temperamentvolle Stimme, die mal wie die motzige kleine Schwester die Hände in die Hüften stemmt und mal Riot-Grrrl-Slogans rauszubellen scheint, macht den gigantischen Unterschied.

Kurzum, Zaz ist weiterhin die echte Entdeckung. Die Musik auf "Recto verso" schwankt zwischen Brillanz und Kitsch. So klingt "J'ai tant escamoté" eben immer noch nach Heidelberger Fußgängerzone und einem Affen auf der Schulter des Leierkastenmann, trotz ihrer Stimme und Präsenz. Eine Idee für die Zukunft kann es sein, den Weg weiterzugehen, den ein straighter Song wie "Déterre" weist. Zaz singt sich über gniedelnder Gitarre in Rage. Auch das minimalistische und wunderbar unmittelbar aufgenommene "La lessive" stellt sich hinter der Chefin an, wie es sich in diesem Falle gehört. Da geht es dahin, das nackte Ressentiment. Fast.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Déterre
  • La lessive

Tracklist

  1. On ira
  2. Comme ci, comme ça
  3. Gamine
  4. T'attends quoi
  5. La lessive
  6. J'ai tant escamoté
  7. Déttere
  8. Toujours
  9. Si je perds
  10. Si
  11. Oublie Loulou
  12. Cette journée
  13. Nous debout
  14. La lune

Gesamtspielzeit: 39:49 min.

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User Beitrag
don
2013-05-12 21:36:53 Uhr
mein kollabo album mit der zazi würde sicher rectal vice-versa heissen oder so. falls ihr wisst was ich mene hehe
Kastelruther Lämmergeier
2013-05-10 16:45:27 Uhr
Und das geht freilich gar nicht, ich schwör.

:D
Nicklas
2013-05-10 16:39:32 Uhr
"Die Rezension hilft leider in der Hinsicht gar nicht weiter. 5/10? Höre ich aus dem Text gar nicht raus. Klingt wie ne 7/10. Wobei mit klaren Äußerungen ohnehin nicht gerade um sich geschmissen wird..."

Ich denke da gerade drüber nach. Eine Passage, die sich auf den Vorgänger bezog und da leises Unverständnis ausdrückte über die 8, haben wir letztlich doch rausgelassen. Womöglich ist das Gift da etwas abhanden gekommen. Ich würde aber noch immer sagen: Zaz in einer Punkband wäre eine echte Offenbarung. So bleibt es manchmal Musik, die auch die eigene Oma beim Kaffee hören mag. Und das geht freilich gar nicht, ich schwör.
Kastelruther Lämmergeier
2013-05-10 16:10:47 Uhr
Wirkt wie ne Guilty-Pleasure-Rezension: "Müsste eigentlich ne 3/10 sein. Ich finde das Album aber leider geil. So ungefähr 7/10. Da ich aber sonst echt schwermütiges und tiefschürfendes Zeug bevorzuge (ich schwör!) geb ich lieber ne 5/10, da kann mir keiner was."
Feststellung
2013-05-10 15:51:41 Uhr
Zaz ist Musik 2.0
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