Edwyn Collins - Doctor Syntax

Edwyn Collins- Doctor Syntax

Setanta / Sony
VÖ: 13.05.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Doktorspiele

Als One-Hit-Wonder abgestempelt zu werden, stellt im Pop-Geschäft seit jeher die Höchststrafe dar. "Edwyn Collins, hat der nicht dieses 'A girl like you' gesungen?“, fragen musikalische Halbwisser immer wieder, wenn die Rede von jenem schottischen Künstler ist. Dabei hat Edwyn Collins weit mehr zustande gebracht, als eben jenen Indie-Sommerhit, bei dem man sich auch nach acht Jahren noch fragt, wie er je zu Hitparadenruhm kommen konnte. Und ausgerechnet jene Single ist gar so untypisch für den kleinen Mann aus Schottland. Dennoch zeigt sie, in welcher Art Edwyn Collins zu variieren weiß.

Auf "Doctor Syntax" gefällt nicht nur das edle Artwork, es gefallen auch die Töne. Der Albumtitel ist angelehnt an "The Tour of Doctor Syntax", ein Buch, das Collins einst von seiner Oma geschenkt bekam. Nachdem "Gorgeous George" noch homogen, der Nachfolger "I'm not following you" dagegen schon deutlich vertrackter daherkam, ist "Doctor Syntax“ äußerst abwechslungsreich, ohne durch die verschiedenartigen Songstrukturen gleich dem Chaos auf den Leim zu gehen.

Gut Ding braucht Weile: Drei Jahre Schaffenszeit hat Collins sich für sein neues Werk gelassen. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Natürlich ist auch hier die gelangweilte Stimme von Collins gewöhnungsbedürftig, doch das ehemalige Mitglied von Orange Juice singt in Tiefen eines Brummkreisels wunderschöne Popsongs. Mögliche Kritikpunkte sind im schleppenden Tempo des Albums zu finden. Natürlich ist Collins kein wirkliches Popchamäleon, dafür ist allein schon seine Stimme zu markant und die Melodieführung zu prägnant und eigen.

Und dennoch: Der Schotte schreibt immer wieder tolle Songs wie die in vier Minuten komprimierte Hommage an die Beatles mit dem Titel - tatsächlich! - "The Beatles" oder die für ihn so typische Ballade "I'm splitting up". Dann wieder gibt er sich in „I shouldn't have done that“ schwülstig-lasziv oder funky-tanzbar in "No idea". Markenzeichen: Wechsel, eindringliche Stimme, tontrefflich im tiefen Elvis-Bereich. Ein Hit wie „A girl like you“ ist auch diesmal natürlich nicht dabei. So wird sich Herr Collins wohl weiter auf seinen großen Sommer reduzieren lassen müssen.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • The Beatles
  • 20 years too late
  • Back to the backroom

Tracklist

  1. Never felt like this
  2. I should've done that
  3. Mine is at
  4. No ideaI
  5. The Beatles
  6. Back to the backroom
  7. Splitting up
  8. Johnny Teardrop
  9. 20 years too late
  10. It's a funny thing

Gesamtspielzeit: 53:57 min.

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