Child Bite - Vision crimes / Monomania

Child Bite- Vision crimes / Monomania

Joyful Noise / Cargo
VÖ: 05.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hinein ins Gestümmel

Merke: Die unkorrektesten Scherzkekse sind meist die größten Weicheier. Es soll Leute geben, die mit T-Shirts herumlaufen, auf denen "Ich mag Kinder - ich könnte nur kein ganzes essen" steht - doch würde man sich deren Nachwuchs einmal scherzhaft mit Messer und Gabel nähern, wäre das Geschrei bestimmt groß. Mit einer Band wie Child Bite braucht man solchen Leuten vermutlich erst gar nicht zu kommen, weil sie bei brachialem Post-Hardcore mit scharfen Metal-Kanten und verqueren Strukturen schleunigst das Weite suchen würden. Wobei das Quartett aus Detroit zuletzt durchaus ein Einsehen mit dem Publikum hatte und die knirschige Power seiner tollwütig durchdrehenden Songs auf Tonträger mit überschaubarer Spielzeit verteilte. Aber ein bisschen mehr kann man dem Hörer doch sicher noch zumuten. Wenigstens bei diesem Album.

Das im Grunde gar keins ist, sondern lediglich eine Kopplung zweier zuvor noch nicht digital erschienener Vinyl-EPs, die Child Bite pflichtschuldigst nach deren Titeln benannt haben. Hartes Brot also, aber ein Fest für alle diejenigen, die der Ansicht sind, dass zwei knappe halbe Stunden Krach immer besser sind als nur eine. Zwar muss man beim CD-Format auf pikante Details wie das schleimig-grüne Vinyl von "Vision crimes" verzichten - doch ansonsten ist alles im Überfluss vorhanden. Vernichtende Blast-Parts, auf glühenden Griffbrettern gefahrene Destruction-Derbys, auf links gezogene Songs, die bis zur drohenden Ex- oder Implosion rotieren, sowie das übergeschnappte, oft Jello Biafra nahestehende Geröchel von Sänger Shawn Knight, der - oh launenhafte Natur - äußerlich kaum von Iron & Wines Sam Beam zu unterscheiden ist. Akustisch dafür umso mehr.

Songs wie "Abysmal splatter", die rasende Kotzorgie "Puke for the youth" und das entzückende Bilder vorm geistigen Auge heraufbeschwörende "Smear where the face was" klingen nämlich genau so, wie sie sich lesen: nach ausgiebigem Gesudel, abgetrennten Gliedmaßen und Schlimmerem. Unweigerlich kommt einem der schöngeistige Regiefuchs aus Peter Jacksons Gore-Puppenspiel "Meet the feebles" in den Sinn, der sein überfordertes Ensemble mit den Worten "Ihr habt diese Nummer wunderbar verstümmelt!" niedermacht - was Child Bite zweifelsohne als Kompliment verstehen würden. Schon im Opener spritzen Riffs, Geschrei und detonierende Säcke voll Speed in alle Richtungen, "The nerves" geht auf ebendiese, und "Mutilation revival" braucht nicht einmal eine Minute, um sich herrlich unbeliebt zu machen.

Dank ihrer Zweiteilung halten diese knappen 50 Minuten jedoch nach der Hälfte auch Komplikationen bereit. Denn ab dem "Monomania"-Auftakt "Wrong flesh" hauen Child Bite vermehrt den Rückwärtsgang rein, was sich beim bis dahin vorgelegten Tempo aber anfühlt, als würde eine auf dem letzten Loch pfeifende Rostlaube mit 180 Sachen um die Ecke fahren. Also auch nicht viel eingeweideschonender als "Vision crimes". Klar bleiben da einige Fragen offen: Spielt Brandon Sczomak in "The nab munch is on" am Ende sogar Jazz-Partituren? Oder ist das nur ein verzweifelter Versuch, dieses Getöse rational zu erfassen? Mag sein, aber auch der erleidet spätestens bei der unter elektronischem Gefiepe ächzenden Granate "Scum gene (Trash vibrato)" Schiffbruch. "Take a bow", fordert Knight abschließend - und der Hörer willfährt. Er ist ja schließlich kein Weichei.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Abysmal splatter
  • Puke for the youth
  • Wrong flesh
  • Scum gene (Trash vibrato)

Tracklist

  1. Abysmal splatter
  2. The nerves
  3. Mutilation revival
  4. Life as a parasite
  5. Puke for the youth
  6. Worship
  7. Save your scream
  8. Wrong flesh
  9. The nab munch is on
  10. Smear where the face was
  11. Vapor in the orphan loop
  12. Begin the hiss
  13. Scum gene (Trash vibrato)

Gesamtspielzeit: 46:50 min.

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  • Child Bite (1 Beiträge / Letzter am 11.05.2013 - 12:05 Uhr)