Daily Bread - Iterum

Daily Bread- Iterum

Excelsior / Cargo
VÖ: 03.05.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Haarige Sache

Nein, den Niederländern muss man ihre geographische Lage nicht neiden. Nicht nur, dass sie in Zeiten des Temperaturumschwungs sowohl vom Hochwasser selbst als auch vom resultierenden Hohn der Nachbarländer bedroht sind. Angesichts der musikalischen Großmächte Belgien, dem Vereinigten Königreich oder gar Dänemark drumherum dringen zudem nur ihre schlimmsten folkloristischen Auswüchse auf unseren Binnenmarkt. Zeitzeugen berichten unter Tränen von ihrer Begegnung mit Zanger Rinus und seinem geschlechtszermürbenden "Met Romana op de scooter", das als YouTube-Video humanistische Grenzbereiche auslotet.

Daily Bread sind da sinnstiftend anders. Klangen sie auf ihrem Debütalbum zunächst, als zockten Klaxons mit The Kills auf dem Indiegeburtstag von Matt & Kim gemeinsam uralte Videospiele, so haben sie neuerdings das fröhliche Trauern der Schwarzkittel für sich entdeckt. Was man unter anderem daran erkennen kann, dass der Sängerin auf dem Cover der Fön explodiert ist. Viel mehr ins Gewicht als solcherlei optisches Brimborium fallen jedoch die schattigeren Klangfarben, die sie inzwischen ihren virtuellen Quetschkommoden entlocken. Aus allen Löchern der Rasterplatinen ihrer Klangerzeuger tropfen Post-Punk und Schwermut auf die erhitzten Clubgemüter. Heraus kommt eine duftig-verspielte, fast schon knuffige Mischung aus The Knife, Austra und New Order, die sich in den Schnallenschuhen festsetzt und nach einem taffen Haarspray verlangt, um mit dem Ausklingen der Platte immer noch so aussehen zu können, als hätte man sich nie und nimmer dazu bewegt.

Aber ist das überhaupt vonnöten? Kimberly van der Velden besitzt eine Stimme wie kaltes klares Wasser, in der man sofort und unabdinglich ertrinken möchte. Der Kollege an der Schießbude und seine mechanischen Helfer hauen dazu die lässigsten Retro-Tanzbeats raus, die seit den frühen Clan Of Xymox jemals aus den Niederungen der Nordseeküste erklungen sind. Und über alledem thronen die unwiderstehlichen Bassläufe eines Peter Hook, die einem schon das Überleben im Kalten Krieg erträglich gestaltet haben. Eine Rakete der Rückwärtsgewandtheit, wie sie zugleich zeitgemäßer nicht sein kann.

"Iterum" schleicht sich als lebensbejahendes Manifest der Verzweiflung und des Weltschmerzes ins Bewegungsgedächtnis. Hielte Helge Schneider die abschließende Laudatio, so könnte die Devise alleine "Baby, es gibt Trockeneis!" heißen. In jedem Falle haben die Niederlande jetzt ein verdammt heißes Kreppeisen im Feuer. "Was Sie schon immer über die Achtziger wissen wollten, aber nie zu fragen wagten"? Lasst Woody Allen besser nicht davon hören. Das gäbe den ersten Film zum Score.

(Andreas Knöß)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The river
  • She spider
  • In all

Tracklist

  1. Allure
  2. Loverst
  3. The river
  4. Iterum
  5. Metamorphosis
  6. She spider
  7. The conflict
  8. Day of revolt
  9. The persistence
  10. Silica
  11. In all
  12. You have become

Gesamtspielzeit: 45:04 min.

Bestellen bei Amazon

Anhören bei Spotify