Christina Stürmer - Ich hör auf mein Herz

Christina Stürmer- Ich hör auf mein Herz

Polydor / Universal
VÖ: 19.04.2013

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein bisschen böse

Christina Stürmer ist so etwas wie die österreichische Alice Schwarzer. Halt, da stimmt doch was nicht! Noch mal von vorn: Christina Stürmer ist so etwas wie die österreichische Sarah Connor. Auch das ist nicht ganz korrekt, aber es gibt Gemeinsamkeiten. Der Hintergrund: Stürmer hatte 2010 die Passage "Heimat bist Du großer Söhne" der österreichischen Nationalhymne geschlechtergerecht um den Zusatz "… und Töchter" ergänzt. Sodann gab es jede Menge Ärger im "Land der Berge, Land am Strome", schließlich aber entschied ein Gericht zugunsten Stürmers. Die ganze Schose ist freilich noch eher feministisch motiviert zu interpretieren, im Gegensatz zu Connors "Brüh im Lichte"-Umdichtung der deutschen Hymne, aber so viel nehmen die beiden sich ansonsten nicht.

Connor, das Blondchen mit der Reality-Show und dem kleinwüchsigen Ex-Mann, der nunmehr als Vampir im Europa-Park herumspukt, auf der einen Seite. Auf der anderen das dunkelhaarige Casting-Sternchen Stürmer, die mit so ein bisschen Hardcore-Image schon seit Jahren von Erfolg zu Erfolg eilt. Was die beiden gemein haben, ist die Inhaltsleere ihrer Musik. Während Connor nie eine richtige Soul-Diva im Sinne einer Aretha Franklin war (und werden wird), ist die vermeintliche Rockröhre Stürmer meilenweit entfernt von einer Janis Joplin. Die Vergleiche hinken natürlich in jederlei Hinsicht, denn beide Damen machen nichts weiter als schnöden Massenpop. Für den Musikliebhaber ist so etwas genau so unnötig wie ein Loch im Kopf.

Stürmers neustes Werk ist im Sinne seiner Belanglosigkeit die geradlinige Fortsetzung ihres bisherigen Schaffens. Stromlinienförmig wie eh und je präsentiert sie sich auf "Ich hör auf mein Herz". Wie immer im Gepäck: Ein paar Gitarren mit dem Zwecke, Stürmers Musik ein wenig ruchloser aussehen zu lassen. Das wirkt dann so ein bisschen "böse" und auf das einfache Gemüt dann so ein bisschen "cool". Zum Leidwesen Stürmers klappt das aber wirklich nur, wenn nicht allzu genau hingehört wird: "Millionen Lichter" zum Beispiel ist genauso ein Schlager-Wolf im Rock-Schafspelz. Hier ist die sinnfreie Hookline so übereingängig, dass nur allzu schnell auffällt, dass einen da jemand auf den Arm nehmen möchte. "Amelie" erzählt von einem trauigen Emo-Mädchen und ist dabei derart profan ausformuliert, dass man eher Tränen des Lachens als des Mitgefühls vergießt: "Amelie, du bist zum Glück nicht ganz perfekt" – das klingt nach Dr. Sommer für Arme.

Auch Songs wie "Selbe Wellenlänge" oder "Weltbewegend" sind nichts weiter als musikalisches Fast Food: Unumwunden, völlig frei von Dramaturgie und Spannungsbogen, wird hier dem Pöbel direkt das geschmackverstärkteste Element serviert, und der mampft in sich rein, noch einen McRib und noch einen Doppel-Whopper. Das macht nicht lange satt und ist auch noch schlecht fürs Allgemeinbefinden. Wie passend: Tatsächlich schlüpfte Stürmer 2011 aus Promozwecken für einen Tag in die Uniform der Fast-Food-Kette Hard Rock Cafe und kellnerte in deren Berliner Filiale. ZEIT Online schrieb damals: "Früher predigte sie selbst, nun wird sie mit dem Klingelbeutel durch die Kirche gehetzt." So kann es gehen. Wie auch Connor hat sich Stürmer für den Ausverkauf ihrer selbst entschieden. Das kann man nun betrauern oder belächeln, am Ende ist sie nichts weiter als eine weitere tragische Figur im Popbusiness.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

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Tracklist

  1. Auf und davon
  2. Ich hör auf mein Herz
  3. Millionen Lichter
  4. Himmel ins All
  5. Selbe Wellenlänge
  6. Herz in der Hand
  7. Was machst du wenn die Stadt schläft
  8. Amelie
  9. Unendlich
  10. Wieviel wiegt ein Herzschlag
  11. Weltbewegend
  12. Ohne Dich (ist alles nichts)

Gesamtspielzeit: 43:06 min.

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