Giantree - We all yell

Giantree- We all yell

Monkey / Rough Trade
VÖ: 19.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Sie spielen unsere Zeit

Lass uns dieses Album hören und von einer Zeit der Zeitlosigkeit erzählen. Einer Zeit des inneren Reichtums, als Dämonen noch Engel waren, Steine noch Sterne und Menschen noch keine Bildschirme. Als das Leben der anderen auch unseres war, wir zusammen den Schlaglöchern trotzten und zu Schlaglichtern tanzten. Wir waren Könige der Einsamkeit, verbunden in ewiger Gemeinsamkeit. Doch zurück blieb die Gegenwart und mit ihr Gefühle, die wir vergaßen, und Erinnerungen, die verblassten.

Lass uns raus aus der emotionalen Umnachtung des Hier und Jetzt, lass uns rein in "We all yell". Mit ihrem ersten Album klebt das deutsch-österreichische Newcomer-Quintett Giantree ein tränenwasserdichtes Trostpflaster über das hässliche Heute, und bereits "Time loops" macht dem Hörer klar: Getröstet wird in großen Gesten. Pastelltöne dominieren das Klangbild, darauf aus, die alten Lebensgeister aus ihrem Tiefschlaf zu reißen. Und sie sind zahlreich, diese Momente der uns heute unerträglichen Leichtigkeit des Seins. "SmilingDrowningLaughingCrawling" vor allem, das dank seiner quicklebendigen Sorglosigkeit den vorläufigen Tiefpunkt unserer schlechten Laune markiert.

Lass uns froh darüber sein, dass Giantree trotz prinzipiellem Gutfühlfaktor keine Karikatur der Glückseligkeit erschufen. Denn: "We all yell" melancholiert zumeist in optimalen Maßen. So trägt das schillernde "Life was young" den Hörer auf Händen, selbst aber schwer an seinem jugendlichen Freiheitsfuror. "Communicate" hingegen kokettiert mit dem Hang zur großen Pop-Geste, bemüht sich aber erfolgreich um Zurückhaltung und bleibt so auch auf Dauer interessant. Und spätestens die durchdringenden Traumtänzereien "Cascade" und "Nord rhodes" machen dieses Album zum idealen Mittel der Gegenwartsbewältigung. Doch so anschmiegsam "We all yell" auch geraten ist, so sehr wünscht man sich nach einer Weile rauere Stellen. Das Risiko, dass glückselige Gewöhnung eintritt, liegt wie eine Patina über den Pastelltönen. Diese Vergangenheit also ruhig auch mal ruhen lassen.

(André Schuder)

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Highlights

  • Life was young
  • SmilingDrowningLaughingCrawling
  • Cascade

Tracklist

  1. Time loops
  2. We don't
  3. Communicate
  4. Life was young
  5. Lull
  6. Cobwebbed & frayed
  7. Fair winds & following seas
  8. SmilingDrowningLaughingCrawling
  9. Cascade
  10. Itchekin
  11. meoP
  12. Nord rhodes

Gesamtspielzeit: 46:00 min.

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  • Giantree (2 Beiträge / Letzter am 23.12.2012 - 11:03 Uhr)