Chantal Claret - The one, the only...

Chantal Claret- The one, the only...

The End / Soulfood
VÖ: 01.03.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Frontalattacke

"90-60-90". Brust-, Taillen- und Hüftumfang - das gesellschaftlich institutionalisierte Schönheitsideal. Es differenziert, welche (als weiblich klassifizierten) Körper in den Einzugsbereich des sozial Akzeptierten gehören und welche verworfen werden. Ein Agent der Diskriminierung sowie eine schablonenhafte Stereotypisierung, die sich in massenangefertigten Barbiepuppen materialisiert. "Some like them skinny so I've been told / It's only cuz they haven't had something to hold / Too much of a body is never enough", kommentiert Chantal Claret. Was sie unter "Real girls" versteht, spricht sie offen aus: "If you're a fat bottomed girl with something to show / Better find a man to love you from head to toe / You're too hot to handle and great to touch / Now you're gonna shake what your momma gave ya." Mit Kampfansagen wie dieser startet Claret eine Kastrationstour durch die etablierten Patriarchate.

Bereits Queen wussten, dass "Fat bottomed girls" die "rockin' world" drehen lassen. Nach "The one, the only..." werden sie wohl elegante Pirouetten auf fünf Inch hohen High Heels tanzen. Claret, neben ihrer Solotätigkeit auch Sängerin bei der Powerpop-Kapelle Morningwood, lässt mit ihrem Debüt eine unwiderstehliche Melange aus Motown-Vibes, HipHop und 1950s/1960s-Pop aus der aromaverpackten Songkiste. Als würde Nancy Sinatra wieder ihre "Boots" auspacken. Bei der jungen Kalifornierin sind es rote Stiefeletten, mit denen sie die Mechanismen perfider Lookismen niedertritt.

Nach einem gebührend selbstfeiernden "Intro", mit dem Claret sich als "The good girl of Rock 'N' Roll" einführt, lässt sie mit "Bite your tongue" sogleich die Geister Aretha Franklins und Tina Turners auferstehen, wobei die Drums retrofit eine tanzflächendeckende Übersingle anschmettern. "I've got my fire, it's hot enough, you'll just get burned." Das vorab im Rahmen einer EP veröffentlichte "Pleasure seeker" schmeichelt als Nancy-Sinatra-Hommage mit überbordendem Bläser- und Streichereinsatz dem titelgebenden Laissez-faire und beeindruckt wie das folgende "Pop pop bang bang" als annähernd perfekt durchkomponierte Popnummer. Was Brian Wilson zu Clarets Songs sagen würde, kann nur spekuliert werden. Vermutlich dürfte er vor einem solchen Albumeinstieg seinen knittrigen Hut ziehen. Wo "This time" besser röhrt als alte Fender-Verstärker, präsentieren sich "No love lost" und das im HipHop-Archiv nach dem The-Kinks-Paket wühlende "Never gonna let you go" als wohlstimmige Sommersongs, welche die Großkugeln Stracciatellaeis mit einem duften Gefühl in der Bauchgegend doppelt versüßen.

"You want Tijuana brass and a big fat ass and tig ol' bitties with an hour glass / Get down on your knees and start to pray / Cuz real damn women are here to stay" wird in "Real girls" geschmettert und damit Becks "Midnite vultures" eingestampft. "Black widow" gestaltet sich als jenes Lied, worauf im Kommerzradio vergeblich gewartet wird: luftig, eingängig, kraftvoll und viel Gift spuckend: "She's got skulls on the wall of the men she's erased and she's ready to kill by the look on her face." Claret hangelt sich von Song zu Song, wobei schlicht jedes Stück für ein großes Publikum ausgekoppelt werden könnte. "Can't save her" bietet eine obligatorische Abschlussballade und lässt Adele schnell vergessen. Und nicht nur die: Vor einer Platte wie "The one, the only..." sollten sich alle Imelda Mays, Rihannas und P!nks dieser Welt verkriechen, denn Clarets Klasse und subversive Kraft erreichen sie in diesem Leben vermutlich nicht mehr. Brust voran, doch Faust voraus, wenn sie verstehen.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Bite your tongue
  • Pleasure seeker
  • Real girls

Tracklist

  1. Intro
  2. Bite your tongue
  3. Pleasure seeker
  4. Pop pop bang bang
  5. This time
  6. No love lost
  7. Never gonna let you go
  8. Real girls
  9. Black widow
  10. Honey honey
  11. Song for the sinners
  12. Light it up (feat. Pigeon John)
  13. Can't save her

Gesamtspielzeit: 40:42 min.

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