Yeah Yeah Yeahs - Mosquito

Yeah Yeah Yeahs - Mosquito

Polydor / Universal
VÖ: 12.04.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ader, lass gut sein

Was ist nur aus dem Rock'n'Roll geworden? Im noch jungen Jahrtausend rief der "Musikexpress" stilsicher die versprechendsten Vergleiche aus: The Strokes? Wie einst The Velvet Underground. The Hives? Die neuen Rolling Stones. Und dann gab es da ja noch diese Arty-Farty-Band namens Yeah Yeah Yeahs. Punk aus der Kunsthochschule, das müffelte ein wenig. Nach Attitüde. Nach Arroganz. Nach Aufdringlichkeit. War es aber alles nicht. Sondern ein herzlichster Schlag in die Fresse, der mit "Fever to tell" anfing und den "It's blitz!" im Ziel versenkte. Yeah Yeah Yeahs. Unberechenbar. Vergleiche mit Sonic Youth und den Talking Heads? Lass gut sein. Denn nach zehn Jahren hat keine der anderen Bands so nachhaltig abgeliefert wie die Formation um Karen O, die sich stets weiterentwickelt hat.

Für "Mosquito" saß nun David Andrew Sitek von TV On The Radio neben James Murphy von LCD Soundsystem hinter den Reglern und steuerte die Produktion. Im Vergleich zu den Vorgängern kommt die vierte Platte der New Yorker deutlich gedrosselter daher. "In flames I sleep soundly with angels around me / I lay at your feet, you're the breath that I breathe", singt Karen O in "Wedding song", diesem Stück, der einem das "Dudley"-Gefühl von "Show your bones" zurückgibt. Da, wo alle anderen nun eine Wand aus Sound hingehauen hätten, bleibt Nick Zinners Gitarre in der Weite, breitet sich aus, aber steigert sich nicht in Lautstärke, sondern in Schönheit. Auf "Sacrilege" lassen die Yeah Yeah Yeahs einen Chor los, der den Song an die Wand drückt mit seiner Stimmgewalt. Das größte Kompliment an dieses Album: Es ist vollkommen zeitlos, weil es komplett auf trendy Themen verzichtet. Ein Großteil der Texte bewegt sich zielsicher zwischen Blödsinn und Großartigkeit. Der "Wedding song" bricht einem das Herz, dank Karen Os lieblicher Stimme, die im Titeltrack dann ihre ganze Kratzbürstigkeit ausfährt.

"I wanna be your passenger, take me as your prisoner! I wanna be an alien! Take me plese, oh alien", gibt "Area 52" aus - und da geht es nicht um die Flucht vor der Zivilisation. Die wollen wirklich abgeholt werden, um im Weltraum zu sein. Der haarige Moskito ist kein Sinnbild für irgendetwas, er ist wirklich einfach nur ein fettes Biest mit einem Embryo im Bauch. Keine Ironie, das macht "Mosquito" so angenehm. Der Humor ist stark überzeichnet, aber nicht böse. "Impossibility is possible to me", verknotet die Sängerin ihre Gedanken an einer Stelle, wohingegen "Despair" wieder in leichter Melancholie versinkt. Nach der Provokation und den Spielereien haben Yeah Yeah Yeahs mit diesem Album vielleicht ihr leichtestes Werk vorgelegt, das viele Dinge der Vorgänger in sich vereint, ohne dabei zur stumpfen Aneinanderreihung zu verkommen. Die einzelnen Bestandteile vermischen sich astrein, glitzern und funkeln unter diesem Sound. Yeah Yeah Yeahs heben sich von dem ganzen anderen Zeug so weit ab, dass sie die womöglich beste Indie-Band sind. Nicht im Hier und Jetzt, sondern für immer.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Mosquito
  • Slave
  • These paths
  • Wedding song

Tracklist

  1. Sacrilege
  2. Subway
  3. Mosquito
  4. Under the earth
  5. Slave
  6. These paths
  7. Area 52
  8. Buried alive (feat. Dr. Octagon)
  9. Always
  10. Despair
  11. Wedding song

Gesamtspielzeit: 47:41 min.

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