Frank Turner - Tape deck heart

Frank Turner- Tape deck heart

Vertigo / Universal
VÖ: 19.04.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gute Besserung

Frank Turner. Der Folk-Punk-Pub-Barde, der völlig unbeeindruckt die große weite Welt bereist und dabei überall seine begeisternden, herzensnah lebensfrohen Hoch-die-Gläser-Hymnen trällert. Er ist ein Phänomen. Egal ob auf Platte, vor 50 beschickerten Gröhlköppen in der Dorfkneipe oder vor 12.000 kreischenden Fans im Wembley-Stadion, stets trug der südenglische Schlacks mit dem schelmischen Grinsen diese übersympathische Bierkumpel-Aura vor sich her. Die will auf "Tape deck heart" nicht so auf Anhieb rüberschwappen. Muss man sich Sorgen machen? Schließlich ist Turner doch einer von den Guten.

Turner erledigt auch auf "Tape deck heart" wie gehabt gut seine Hausaufgaben und schafft ein knapp überdurchschnittliches Album. Er wirkt aber mitunter nicht mehr ganz so frisch, wie man es von ihm gewohnt war. Er singt wie immer aus voller Seele, er krächzt, brüllt und keift nach Möglichkeit, doch fehlt ihm zuweilen ein wenig der Esprit und Witz vergangener Tage. Dass die Themenauswahl dabei immer dunkler wird, steht dem sonst so positiven Sänger so gar nicht gut zu Gesicht. Turner nörgelt, jammert und heult, klagt stimmgewaltig wie eh und je, findet aber immer seltener den Weg aus der persönlichen Misere. Die teilweise etwas zu glatt abgemischten Songs sind da leider auch keine Hilfe. Tracks wie "Oh brother" und "Broken piano" wirken zudem ein wenig überinstrumentiert. Dabei hat Turner in der Vergangenheit doch längst bewiesen, dass seine kraftvolle Stimme auch völlig ohne musikalischen Pomp funktioniert. Oder sogar am besten. Dort, wo "Tape deck heart" ohne den selbigen auskommt, ist die Platte am stärksten und macht richtig Spaß.

"Recovery", Opener und Erstauskopplung der aktuellen Scheibe, ist ein Turner-typischer, hymnisch anmutender Song: Der Sänger schildert zu Beginn ein Szenario, welches er dann im schallenden Refrain auflöst, begleitet von einer grob angeschlagenen Akustik-Gitarre, schellendem Tamburin und tanzenden Pianotönen. So gehört sich das! Doch tatsächlich ist die Aussage beklemmend: "It's a long road out to recovery from here / A long way back to the light." Turner braucht dringend Erholung, so viel ist sicher und er hat erkannt, wo es hakt: "Sometimes the things I need / Are right back where I started from", bemerkt er in "Good & gone". Die Anstrengungen der letzten Jahre drohten Turner offenbar schier zu entwurzeln und dabei dienten seine Heimatverbundenheit und die Erinnerungen an die romantisch angehauchte Atmosphäre der dortigen Pubs ihm doch seit jeher als wichtigste Inspirationsquelle. "Zurück in die Zukunft" lautet also Turners Devise.

Nach Jahren des nimmermüden Tourens und - sage und schreibe - fünf Studioalben seit 2007 hat sich Turner den Heimaturlaub redlich verdient. Dass auch ein Tausendsassa wie er einmal müde wird, war ja fast abzusehen, nach all der Rackerei. Da kommt der Major-Vertrag doch gerade zur rechten Zeit – vielleicht streikt da ja einfach auch ein bisschen der innere Systemkritiker. Anyway: Zurück in Winchester wird Turner seine Leute zusammenrufen, ein paar Bier ordern, sich auf den nächsten Barhocker stellen und anlässlich der frohen Ereignisse der letzten Tage "Ding dong the witch is dead" gröhlen, bis alle Sorgen vergessen scheinen. So ist Turner wieder ganz in seinem Element und wird sich mit Sicherheit schneller als gedacht der Arbeit zu neuem musikalischen Output widmen. Man darf sich jetzt schon darauf freuen.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Recovery
  • Good & gone

Tracklist

  1. Recovery
  2. Losing days
  3. The way I tend to be
  4. Plain sailing weather
  5. Good & gone
  6. Tell tale signs
  7. Four simple words
  8. Polaroid picture
  9. The fisher king blues
  10. Anymore
  11. Oh brother
  12. Broken piano

Gesamtspielzeit: 49:37 min.

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