They Might Be Giants - Nanobots

They Might Be Giants- Nanobots

Idlewild / Lojinx / Al!ve
VÖ: 28.03.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die lieben Kleinen

Kommt sie oder kommt sie nicht, die neue They Might Be Giants? Das New Yorker Duo bescherte seinen Hörern vor einiger Zeit nicht nur mit seiner Musik Kaiserstunden der Unterhaltung, sondern mit seiner Veröffentlichungspolitik in Deutschland auch stete Ungewissheit. "Nanobots" ist nun nach "Join us" immerhin die zweite Platte in Folge, die hierzulande regulär erscheint, nachdem die lehrreichen "Here come the ..."- Kinderliedersammlungen allesamt hinten heruntergefallen waren. Ganz zu schweigen von "The else", das 2007 mit "Climbing the walls" einen der tollsten Quengel-Hits der Bandgeschichte in seinen Reihen führte. Ungeachtet dessen bleiben John Flansburghs und John Linnells Lieder aber auch auf ihrem nach Erwachsenenrechnung zehnten Studioalbum so liebenswert und katastrophenresistent wie eh und je. Ja doch, alle 25.

Rund ein Drittel davon hat zudem den Vorteil, gar nicht lang genug zu sein, als dass man tadelnde Worte über sie verlieren könnte: Neun Mal bleiben They Might Be Giants unter einer Minute, das Quartett von "Hive mind" bis "There" bringt es zusammen gar auf nur 48 Sekunden. Davor und danach: hornbebrillte Indie-Miniaturen, schlauer College-Rock für Hardcore-Kunden von Toys"R"Us und pfiffiges Wildern in der Popgeschichte der letzten drei bis vier Jahrzehnte. Zusätzlich wissen die beiden im swingenden Opener "You're on fire" allerhand Verblüffendes über spontane Selbstentzündung zu berichten, und die angeblichen Todesstrahlen des kroatischen Physikers Nikola Tesla oder Probleme mit großgewachsenen Mädchen dürfen ebensowenig fehlen. Wahrscheinlich halten die beiden das tatsächlich für Rock'n'Roll. Und zugegeben: Oft liegen sie richtig damit.

Da schwingen die winzigen Roboter aus dem Titelstück ihre blechernen Extremitäten und wird der hektische Shuffle "9 secret steps" mit den Worten "Throw away the thing that tells you not to throw the thing away" zum Lebenshilfe-Zungenbrecher für Messie-Patienten. Mit so etwas kennen sich They Might Be Giants schließlich aus - in ihrem Kinderzimmerstudio kann man vermutlich vom Boden essen, weil da genug herumliegt. Unter anderem vorwitzige Tröten, aus denen sie den Zeichentrick-Dixieland von "The darlings of lumberland" basteln oder versprengte Orchester-Samples, die sie ins vordergründig pittoreske "Black ops" einbauen, bevor das Stück auf verbreakte Rock-Touren kommt und dann urplötzlich den Boden unter den Füßen weggezogen bekommt. Beziehungsweise sich einen "Circular karate chop" aus frenetischen Riffs einfängt.

Doch sollte ein Schwinger einmal etwas kräftiger ausfallen, tut das gar nicht weh. Denn drohen die zwei mit einem "Stone cold coup d'état", besteht der lediglich aus harmonischem Bubblegum-Pop mit Nerdfaktor, bei dem Bläser, karikiertes Wah-Wah und elektronische Maultrommel der Gipfel der Subversion sind. "Replicant" wirkt hingegen, als hätte David Lynch den Soundtrack fürs ZDF-Ferienprogramm komponiert - und richtig erschütternd wird es, wenn They Might Be Giants im knuffigen Stop-and-go-Rocker "Call me mom" ihre neue Eroberung mit absonderlichen Anliegen konfrontieren und sich "Icky" zu trockenem Beat bei "Tequila" von den Champs bedient. Vergnügliche Momente einer kunterbunten Nummernrevue, bei denen man zwischendurch keine rauchen gehen sollte. Aber das ist ja sowieso nur etwas für Erwachsene.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • You're on fire
  • Black ops
  • Circular karate chop
  • Call you mom
  • Icky

Tracklist

  1. You're on fire
  2. Nanobots
  3. Black ops
  4. Lost my mind
  5. Circular karate chop
  6. Call you mom
  7. Tesla
  8. Sleep
  9. Stone cold coup d'état
  10. Sometimes a lonely way
  11. Destroy the past
  12. 9 secret steps
  13. Hive mind
  14. Decision makers
  15. Nouns
  16. There
  17. Insect hospital
  18. Tick
  19. Replicant
  20. The darlings of lumberland
  21. Great
  22. Stuff is way
  23. Icky
  24. Too tall girl
  25. Didn't kill me

Gesamtspielzeit: 45:08 min.

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