Phoenix - Bankrupt!

Phoenix- Bankrupt!

Warner
VÖ: 19.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Life is peachy

Man muss kein Kulturtheoretiker sein, um zu verstehen, dass Phoenix keine Punkband sind und sicherlich auch nie eine werden. Die vier Männer aus unserem geliebten westrheinischen Nachbarland Frankreich generierten sich früh als noble Edelpop-Vordenker, die aber gerade durch den nach Außen hin vertretenen Chic aus der Menge herausstachen. Mit dem rosafarbenen Cover ihres farbenfrohen Meisterwerks "Wolfgang Amadeus Phoenix" und den locker-flockig perlenden Hitsingles "Lisztomania" und "1901" setzten Thomas Mars, Christian Mazzalai und Co. ein Sahnehäubchen auf die ohnehin schon üppige Torte. Ihr Kitsch war aber immer subtiler Natur, stets geschmackssicher und frohgemut, gut gekleidet und mit Melodien versehen, die - man ahnt es - die schönsten Mädchen der Stadt zum Tanzen brachten. Und darum sollte es bei Pop-Musik doch gehen, Freunde der Nacht.

Nun veröffentlichen Phoenix ihre fünfte Platte, "Bankrupt!", die den Sound des Vorgängers aufgreift und in neue Kontexte überträgt. Meist klingen Phoenix dabei nach Sommer und azurblauem Wasser, Bellini-getränkte Melodien sorgen für leichten Seegang, die Sonnenbrillen sitzen lässig auf den gebräunten Nasen. "Bankrupt!" ist - dem Titel zum Trotz - keine Antwort auf die transnationale Fiskalkrise, sondern das Narkotikum, mit dessen Hilfe man sich an die Côte d'Azur träumen kann, auch wenn das Geld mal wieder nur für Balkonien reicht. Bei Phoenix steht das gute Leben im Fokus, und irgendwie ist das ja auch mal erfrischend, schließlich muss nicht jeder Pop-Act seinen Senf zu politischen oder gesellschaftlichen Missständen abgeben. Danke dafür.

Freilich kann man das auch alles gegen die vier Herren aus Versailles verwenden, doch man muss schon ein besonders miesepetriger Zeitgenosse sein, um diesen zehn leichtfüßigen Pop-Songs zu widerstehen. Bereits der Opener "Entertainment" proklamiert mit seinem Titel den eigenen Anspruch, wobei sich die Jungs doch recht offensichtlich bei David Bowies "China girl" bedienen, was wiederum nicht schlimm ist, solange man auf glamourösen 1970er-Pop steht. Generell ist es von nicht unerheblichem Vorteil, wenn der Hörer eine Schwäche für soften, vielleicht auch etwas seichten, aber eben nicht blöden Pop mitbringt, um "Bankrupt!" ins Herz zu schließen. "The real thing" schlägt in die gleiche Kerbe wie der Opener, allerdings weniger pumpend, während "S.O.S. in Bel Air" natürlich ein ziemlich beknackter Titel ist, der doch recht deutlich macht, dass Phoenix dies alles nicht bierernst meinen, sondern mit einem lakonischen Augenzwinkern.

Mit "Trying to be cool" gelingt den vier Franzosen erneut ein lässig aus der Hüfte geschossener Hit, auch wenn die Dringlichkeit von "Lisztomania" oder "Everything is everything" unerreicht bleibt. Dem knapp siebenminütgen Titelsong hätten vermutlich auch vier gereicht, aber einer so gut gelaunten Platte verzeiht man auch gelegentliche Längen. Zackige Gitarrenriffs treffen in "Drakkar Noir" auf nervöse Synthie-Flächen und manifestieren den typischen Trademark-Sound, den Phoenix hier kultivieren. Für das feine "Chloroform" wird das Tempo mal etwas gedrosselt, was dem Hörfluss zugute kommt, denn der Grat zwischen groovender Prägnanz und dudelnder Aufdringlichkeit ist ein schmaler, etwas Entschleunigung schadet in diesem Fall nicht. "Bankrupt!" wirkt dadurch luftig und unbeschwert und zeigt eine Band, die an einem Punkt angelangt ist, an dem sie sich fast alles erlauben kann. Selbst einen Pfirsich auf dem Cover.

(Kevin Holtmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The real thing
  • Trying to be cool
  • Chloroform

Tracklist

  1. Entertainment
  2. The real thing
  3. S.O.S. in Bel Air
  4. Trying to be cool
  5. Bankrupt!
  6. Drakkar Noir
  7. Chloroform
  8. Don't
  9. Bourgeois
  10. Oblique city

Gesamtspielzeit: 39:20 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Poltergeist
2013-09-20 17:25:42 Uhr
Sie haben aber schon recht viel von ELO geklaut, siehe deren Alben "Time" und "Secret Messages", die auch heute noch weit besser klingen als diese musikalische Bankrotterklärung von Phoenix.

musie

Postings: 2355

Registriert seit 14.06.2013

2013-09-20 16:42:48 Uhr
bankrupt! wird besser und besser.. so viele gute Momente auf dem album, und das titellied ist genial

MopedTobias

Postings: 11002

Registriert seit 10.09.2013

2013-09-20 14:57:07 Uhr
Wolfgang war ein nahezu perfektes Pop-Album, Bankrupt! hat aber auch seine Momente. Entertainment, Trying to be cool und Chloroform sind großartig.
Herr von Zisch
2013-08-08 13:00:17 Uhr
Na ja, "Wolfgang Amadeus Phoenix" hatte zwei, drei echt tolle Songs, aber als Album hat es mich nicht überzeugt. Viel zu viele Füller und durchschnittliche Songs. Ihre ersten beiden Alben waren top, danach hatten sie wohl ihr Pulver verschossen...

eric

Postings: 1955

Registriert seit 14.06.2013

2013-08-08 12:14:30 Uhr
Ich mag das Album ab und an gerne. Allerdings wird es im Gegensatz zum Vorgänger sicher nicht unter meinen Top-Platten des Jahres landen, dafür sind die Songs einfach zu sehr mit Synthies überkleisterte (schwächere) Kopien von "Wolfgang Amadeus Phioenix".
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum