Nina Nastasia - The blackened air

Nina Nastasia- The blackened air

Touch & Go / Southern / EFA
VÖ: 02.04.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

I see dead people

Steve Albini - der Name steht für rohen Klang und knochentrockenen Rock. Indiehelden wie Nirvana, Sonic Youth und jüngst die Breeders wußten sein Gespür schon zu schätzen. Der Grund ist einfach: Steht sein Name bei den Producer-Credits, kann man sich darauf verlassen, daß die Scheibe klingt, als hätte man seinen Kopf mitten aufs Schlagzeug und direkt vor die bebenden Membranen der aufgerissenen Verstärker gelegt. Aber wie so oft sollte man sich nicht immer auf solcherlei Vorurteil verlassen.

Denn "The blackened air" von Nina Nastasia ist anders, ganz anders. Und doch auch ganz Albini. Wie geht das? Ganz einfach, Albini holt das Vergrößerungsglas heraus und lauscht einfach. Hier wird übrigens Folk gespielt. Und zwar solcher düsterster Machart. Schon im Booklet grüßen uns wenig erbauliche Zeilen: "Quiet all you smoke dogs / Snarling at the willows / Fighting in the leaves / Tearing at the hollows / Of little dead dogs". Und dunkle Wolken schieben sich vor die Sonne.

Unten im Schatten haucht Nastasia bittersüßliche Melodien zu beinahe fröhlichen Schunklern. Ihre säuselnde Stimme ist stets dunkel gewandet. Ein Hauch von Mardi Gras liegt in der Luft. Die Toten hüpfen durch die Straßen und lauschen finsteren Hymnen. Geigen jauchzen, Gitarren flüstern, Sägen singen, und das Akkordeon pfeift auf dem letzten Loch. Ein kaum vernehmbares "I want you" dringt bei "Ugly face" aus dem Grab. Wer da nicht erblaßt, schläft schon sechs Fuß tiefer.

Selbst Meister Albinis Mikrophone erfassen die totenstillen Momente kaum, in denen die einzelnen Töne fast an der Dunkelheit zerbrechen. Doch der Umzug der Geister braucht keine Lautstärke. Es scheppert und seufzt, während Nastasia geistesabwesend über den Friedhof blickt. "Someone told me that I should visit you in the graveyard." Schon beim letzten Mal hatte er sich in den Bäumen versteckt und sie zu Tode geängstigt. Ihre zarten Züge verschwinden unter den Schatten im Blick. Schwarzes Makeup auf bleicher Haut.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I go with him
  • So little
  • In the graveyard
  • Rosemary

Tracklist

  1. Run, all you...
  2. I go with him
  3. This is what it is
  4. Oh, my stars
  5. All for you
  6. So little
  7. Desert fly
  8. Ugly face
  9. In the graveyard
  10. Ocean
  11. Rosemary
  12. The same day
  13. Been so long
  14. The very next day
  15. Little angel
  16. That's all there is

Gesamtspielzeit: 43:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
captain kidd
2006-08-01 02:14:41 Uhr
neues album auf fatcat records.
evilboo
2005-01-07 14:31:47 Uhr
Also ich hab die "Run to Ruin". Tolle Platte, sehr depressiv. Braucht sicherlich etwas Zeit, bis man sich eingefunden hat, da viele Lieder absolut harmlos beginnnen, dann aber eine ganz dunkle Wendung nehmen. Leider nur ne gute halbe Stunde lang. Trotzdem eine absolut lohnende Anschaffung.
captain kidd
2005-01-06 14:33:16 Uhr
höre gerade die "dogs". tolles album. wie sind denn die anderen so?
Adrian
2002-05-27 21:13:59 Uhr
Probt da etwa einer einen internen Aufstand?
Nein, das war nur eine Reaktion eines aufmerksamen Lesers.

aber selbst die Kollegen von der Mistgabel zeigten sich erstaunt, daß Albini ein Folk-Album produziert hat
Dort ist Folk IMHO das entscheidende Stichwort - hier liest sich der Text, als wäre die grosse Aussergewöhnlichkeit, dass Albini mit wenig Lautstärke arbeitet; Chris Dahlens Aussage ist eine andere.
Oliver Ding
2002-05-25 17:46:08 Uhr
"Satt" ist wohlmöglich ein falsches Adjektiv, aber selbst die Kollegen von der Mistgabel zeigten sich erstaunt, daß Albini ein Folk-Album produziert hat (vgl. http://www.pitchforkmedia.com/record-reviews/n/nastasia_nina/blackened-air.shtml).
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