Milo Greene - Milo Greene

Milo Greene- Milo Greene

Atlantic / Warner
VÖ: 01.03.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Süße Träume

An schönen Orten kann man sehr schnell sehr traurig sein. Ganz besonders am kalifornischen Strand, während man vor einem alten VW-Bus hockt, mit Büchsenbier in der Hand und dem Sonnenuntergang fest im Blick. Erfüllend und schön ist diese Traurigkeit. Und genau deswegen schlägt das Quintett Milo Greene aus Los Angeles daraus Kapital. Die Band hat für ihr Debütalbum eine große Ladung zarte Melancholie, in der so viel edler Weltschmerz liegt, in Musik gegossen. Dreizehn Songs sind auf diesem ergreifenden Album gebündelt und sie alle kommen schüchtern, vorsichtig und uneitel daher. Das müssten sie gar nicht, denn sie sind vielleicht das beste, was einem verkorksten Sommer passieren kann.

Vier Vokalisten, eine Frau und drei Männer, teilen sich den Platz am Mikrofon, unterstützt von einem Schlagzeuger und jeder Menge psychedelischer Klangspielereien. "Cinematic-Pop" nennen Milo Greene ihre traurig-schönen Kompositionen und treten damit in die übergroßen Fußstapfen berühmter Folk-Pop-Spezialisten wie Simon & Garfunkel, Nick Drake und Cat Stevens. Dicht produziert ist das, die Songs sind eingängig und so dermaßen zeitgeistig, dass die Jutebeutel vor Freude über den Köpfen schwingen.

Logisch, dass diese Musik nicht im Trubel einer Metropole aufgenommen wurde. In einer Farm bei Seattle, irgendwo im Nirgendwo, da wucherten diese schwelgenden Songs. Eine selbst gewählte Isolation, zurück zur Natur. Milo Greene machen das, was so viele Bands machen: sie träumen vom Naturalismus, von einer unberührten, wahrhaftigen, entschleunigten Welt. Und genau davon erzählen sie auch in ihren Songs, die "Orpheus", "1957" und "Wooden antlers" heißen. Das mag einfallslos und bieder sein. Gute Songs haben Milo Greene dennoch geschrieben.

Die Musik rollt gemächlich, aber mit unnachgiebiger Beharrlichkeit. Die akustischen Gitarren legen sich über die walzenden Rhythmen, der Chor setzt sich darauf und schon wähnt man sich in einer Hippiekommune mit langen Bärten und Baumwollkleidern. Besonders gut gelingt das bei dem prätentiösen "1957" und beim aufbrausenden "Wooden antlers". Assoziativ ist das vor allem und stimmungsvoll. Der beste Soundtrack für die stumpfe und sinnlose Traurigkeit von Rucksacktouristen, während sie Fotos vom Lagerfeuer für ihre Facebook-Freunde machen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • 1957
  • Wooden antlers
  • Autumn trees

Tracklist

  1. What's the matter
  2. Orpheus
  3. Don't you give up on me
  4. Perfectly aligned
  5. Silent way
  6. 1957
  7. Wooden antlers
  8. Take a step
  9. Moddison
  10. Cutty love
  11. Son my son
  12. Polaroid
  13. Autumn tree

Gesamtspielzeit: 36:37 min.

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