Midas Fall - Wilderness

Midas Fall- Wilderness

Monotreme / Cargo
VÖ: 05.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Wohlfühlwildwuchs

Progressives aus nördlichen Regionen - also ein Maximum an Melancholie, durchwirbelt von depressiven Duftnoten? Durchaus. Nicht. Schottische Melancholie ist bekanntermaßen eher der lebensbejahenden denn der lebensüberdrüssigen Art. Sie drückt sich gerne in mystischer Stimmung aus, macht in dieser Weise das typische Schottlandflair zu einer beinah aufdringlich atmosphärischen Erfahrung. "Wilderness", das zweite Album der 2008 in Edinburgh gegründeten Band, versetzt direkt in die legendenreiche Heimat des Freiheitskämpfers William Wallace, verliert sich dabei aber nicht in der fragil-reduzierten Grundstruktur seiner Kompositionen, sondern sorgt mit unerwarteten Winkelzügen für Überraschungen.

Schon das eröffnende "The unravelling king" verdichtet sich irgendwo unter oder hinter der nachhallenden Stimme von Frontfrau Elizabeth Heaton zu einem exzellenten Post-Rock-Schwergewicht, dem nur mit leistungsfähigen Kopfhörern beizukommen ist. Doch trotz diverser Ähnlichkeiten sind Explosions In The Sky und Konsorten auf "Wilderness" nicht tonangebend. Mit ihrer nach außen gerichteten Introvertiertheit wandeln Midas Fall eher auf den weitläufigen Wegen Anathemas und haben mit "Wilderness" ein Album eingespielt, das zuweilen wie eine abgepauste Version von deren meisterhaften "Weather systems" wirkt. Doch wo letzteres unermessliche Höhen erschloss, verwächst sich "Wilderness" bodennah zu einem wuchernden Geheimnis.

So werden, wie in dem wundervollen "Our world recedes", die stetigen Wegwärtsbewegungen durch verstohlene Trip-Hop-Triebe umrankt, und "Tiny pieces will always remain" zerbräche wohl an Heatons sensitivem Gesang, würde die dreiköpfige Rhythmusfraktion um Gitarristin Rowan Burn nicht für Zusammenhalt sorgen. Es ist dieses vibrierende Spannungsfeld, durch das sich "Wilderness" allmählich ins Gedächtnis einschmeichelt. Midas Fall sind aber auch auf geraderen Wegen trittsicher. "Your heart, your words, your nerves" etwa erzeugt trotz seiner Kürze einen hypnotischen Sog. Und selbst wenn sich, wie in "BPD", zwischendrin etwas zu viel Wildwuchs breitzumachen droht, gelingt doch meist die Züchtung feingliedriger Prachtexemplare. In der "Wilderness" von Midas Fall dürften sich Prog-Melancholiker mit Sinn fürs Schottische also rundum wohlfühlen.

(André Schuder)

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Highlights

  • The unravelling king
  • Our world recedes
  • Tiny pieces will always remain

Tracklist

  1. The unravelling king
  2. Borders
  3. Carnival song
  4. Our world recedes
  5. Tiny pieces will always remain
  6. Fight first
  7. Your heart, your words, your nerves
  8. The moon and the shine
  9. BPD
  10. Wilderness

Gesamtspielzeit: 44:53 min.

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