The Leisure Society - Alone aboard the ark

The Leisure Society- Alone aboard the ark

Full Time Hobby / Rough Trade
VÖ: 05.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Neulich auf der Couch

Geht das neue Album von The Leisure Society zum Psychiater und sagt: "Ich fühle mich total verarcht". Fragt der Psychiater: "Wie heißen Sie denn?" Antwortet das Album: "Alone aboard the ark." Erkundigt sich der Psychiater: "Fühlen Sie sich denn auch vereinsamt?" Schüttelt das Album verneinend den Kopf: "The Leisure Society sind schließlich ein Quintett und haben sich dieses Mal sogar noch die Bläser ihrer Landsmänner Mumford & Sons dazugeholt. Außerdem gibt es ja auch noch "The sleeper" und "Into the murky water", ihre ersten beiden Platten." Nickt der Psychiater ermutigend und hakt weiter nach: "Hatten Sie denn in letzter Zeit viel Stress? Oder irgendwelche einschneidenden Erlebnisse?" Antwortet das Album: "Ja. Ich wurde in einem Studio aufgenommen. Das war eine Premiere für The Leisure Society." Fragt der Psychiater: "Und was war so anders dabei?" Erläutert das Album: "Der Zeitdruck! Und dann wurde auch noch weitgehend live eingespielt. Da musste einfach alles sitzen. Auf den Punkt." Möchte der Psychiater wissen: "Hatte die Band denn Probleme damit?" Schüttelt das Album vehement den Kopf. Fragt der Psychiater mit einem angedeuteten Lächeln: "Und gab es für Sie als Album nicht auch etwas Positives bei dem Ganzen?" Sagt das Album: "Doch. Den warmen Klang des alten Equipments. Die ganzen Instrumente aus den Sechzigern. Und das analoge Aufnehmen. Das ist doch was ganz anderes als digital." Schlussfolgert der Psychiater: "Ich glaube, wir sind da gerade an einem ganz wichtigen Punkt angekommen."

Fragt der Psychiater direkt weiter: "Wären Sie insgeheim lieber keine CD, sondern eine Schallplatte?" Reagiert das Album entrüstet: "Wie kommen Sie denn darauf?" Erklärt der Psychiater: "Sie haben Ihre Tracklist in "A" und "B" aufgeteilt. Wie bei diesen großen, schwarzen Tonträgern mit den Rillen." Schweigt das Album. Schlägt der Psychiater vor: "Dann legen Sie sich doch erst mal ein. Wir werden schon hören, was Sie auf dem Herzen haben." Reicht das Album ihm einen Beipackzettel. Setzt der Psychiater seine Lesebrille auf und murmelt vor sich hin: "Ruhe und Gelassenheit - Ensemble, keine Hierarchie - Sessions in Bedf..." Fällt das Album ihm ins Wort: "Es gibt da diesen Song namens "Fight for everyone", da geht es um die Energie eines großen Gemeinschaftserlebnisses. Nick Hemming wurde durch die Olympischen Spiele in London auf die Idee dazu gebracht. Ungewohnt groovend, dieses Lied, beschwingte Bläser und ein Refrain, der in seiner charmanten Anhänglichkeit doch tatsächlich an The Feeling erinnert. Kennen Sie die?" Antwortet der Psychiater: "Ich kenne viele Gefühle." Fährt das Album fort: "Alles beginnt aber mit "Another Sunday psalm". Mit dem für The Leisure Society üblichen, sanften, melodieseligen Folkpop. Mit Akustikgitarre, Klavier, Schellenkranz-Percussion und einem fantastischen Mundharmonika-Solo." Stellt der Psychiater fest: "Sie hören sich schon ganz anders an, wenn Sie darüber sprechen. Kann es sein, dass gerade Ihre Laune steigt?" Nickt das Album und fügt hinzu: "Das geht bei dieser Band ja auch gar nicht anders."

Ergänzt das Album: "Da gibt es diesen Song namens "Tearing the arches down", der beinahe Glampop-Qualitäten hat. Und "All I have seen" könnte so ein Gassenhauer aus den frühen Siebzigern sein. Vielleicht auch Filmmusik." Erkundigt sich der Psychiater: "Vermissen Sie denn die Melancholie?" Entgegnet das Album: "Oh nein, ganz und gar nicht - denn sie ist nach wie vor vorhanden. Hören Sie sich doch mal das akustische "The sober scent of paper" an, begleitet von einer bedächtigen Klampfe, von zurückhaltend federndem Schlagzeug und einer Querflöte. Das Stück wurde übrigens von Sylvia Plath inspiriert." Möchte der Psychiater wissen: "Verspüren Sie da eine gewisse Eifersucht?" Schüttelt das Album erneut vehement den Kopf: "Kein bisschen. Weil "We go together" ohnehin viel schöner ist. Eine große, schwärmerische Ballade, zu der man wahlweise in Zeitlupe schunkeln oder sich in den Armen liegen kann. Und dann diese nostalgischen Bläser, das leise Glockenspiel und diese wunderbaren Streicher! Und wer bei "Life is a cabriolet", das mittendrin überraschend in Richtung Jazzpop lenkt, nicht mitwippt, muss wohl echt mal zum Psy...äh." Erhebt sich der Psychiater plötzlich aus seinem Sessel und beginnt, zur Easy-Listening-Nummer "One man and his fug" seine gespitzten Lippen durch gezielte Luftzirkulation zum Klingen zu bringen. Meint das Album: "Wie darf ich das nun verstehen? Ich bin schließlich in Ihre Praxis gekommen, weil ich darauf gehofft hatte, dass Sie mir helfen können." Antwortet der Psychiater: "Wenn ich Ihnen so zuhöre, komme ich zu dem Schluss, dass Sie sich hinsichtlich Ihres Problems nur selbst helfen können." Fragt das Album: "Und wie?" Sagt der Psychiater: "Pfeifen Sie doch einfach drauf."

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Another Sunday psalm
  • Fight for everyone
  • We go together

Tracklist

  1. Another Sunday psalm
  2. A softer voice takes longer hearing
  3. Fight for everyone
  4. Tearing the arches down
  5. The sober scent of paper
  6. All I have seen
  7. Everyone understands
  8. Life is a cabriolet
  9. One man and his fug
  10. Forever shall we wait
  11. We go together
  12. The last in a long line

Gesamtspielzeit: 44:15 min.

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