Delta Spirit - Delta Spirit

Delta Spirit- Delta Spirit

Concord / Universal
VÖ: 08.02.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sich selbst am nächsten

Delta Sprit ist die wahrscheinlich amerikanischste Band seit Creedence Clearwater Revival. Die Rhythmen sind so staubig wie die Mojave-Wüste, die Gitarren arbeiten sich am Wurzelgrund des Folks ab, und Sänger Matthew Vasquez klingt wie John Fogerty nach durchzechter Nacht. Nachdem das kalifornische Quintett auf seinen zwei ersten Alben Folk und Rock auf eigene und vor allem eindrucksvolle Weise verbunden hatte, kommt mit dem selbstbetitelten dritten nun der große Schlag: hymnenhafter Gitarren-Pop, so speckig und dreckig, dass die Kings Of Leon daneben wie brave Schulknaben aussehen.

Das Album ist noch keine 30 Sekunden alt, da sieht man schon nicht mehr die Hand vor Augen im stickigen, trockenen Staub, den Delta Spirit in dieser Dreiviertelstunde aufwirbeln. Der Opener "Empty house" hat eine Hookline zum Mitschreien und einen Rhythmus zum Lassoschwingen. Einmal gefangen, kann man sich davon kaum befreien. Hier geht es um Entfremdung und Isolation, um Heimatlosigkeit und Fernweh. Es sind die großen Themen jedes menschlichen Dramas. Delta Spirit verpacken sie in elf knackige Songs.

Die offensichtlichen Hits und schönsten Songs der Band bisher folgen gleich hintereinander weg: "Tear it up" und "California" vereinen folkloristische Elemente und Stadion-Attitüde. Dabei suchen sie aber nicht die große Geste, die Mumford & Sons so inflationär gebrauchen. Delta Spirit verbrüdern sich hier stattdessen mit den Schnapstrinkern und Kippendrehern, mit den Säufern und den Gottlosen. Die Kinks haben das ähnlich gemacht, wenn auch mit ein bisschen mehr Witz und Understatement. Delta Spirit aber brauchen für ihren Folk-Rock keine Ironie.

Während sich der letzte Song "Yamaha" noch von seinem Orgel-Inferno erholt und Sänger Matthew Vasquez eine ergreifende Liebesgeschichte erzählt, denkt man an Modest Mouse, an The Faces, an Neil Young. Diese angetäuschte Ballade, die irgendwann im Nichts verschwindet, ist der würdige Abschluss einer kompakten, knackigen Platte. Dieses Album trägt zu Recht den Namen der Band. Denn so nahe war sie sich selbst bisher noch nicht.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Tear it up
  • California
  • Into the darkness

Tracklist

  1. Empty house
  2. Tear it up
  3. California
  4. Idaho
  5. Home
  6. Otherside
  7. Tellin' the mind
  8. Time bomb
  9. Into the darkness
  10. Money saves
  11. Yamaha

Gesamtspielzeit: 43:32 min.

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