Jimi Hendrix - People, hell and angels

Jimi Hendrix- People, hell and angels

Sony
VÖ: 01.03.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Unvollendete

Der vollständige Überblick über die Diskographie von Jimi Hendrix gibt mittlerweile Stoff für eine ausgewachsene Dissertation ab. Und selbst beim größten Aficionado dürfte inzwischen eine dezente Übersättigung angesichts der zahlreichen posthumen Veröffentlichungen auftreten, hinterließ der wohl einflussreichste Gitarrist aller Zeiten doch ein Erbe von über 1500 Stunden an nahezu fertig ausproduziertem Studiomaterial - wohlgemerkt zumeist komplette Songs und nicht etwa bloße Riff-Designstudien. Da bleibt nur das Rosinenpicken anhand der folgenden Qualitätsmerkmale: von der Hendrix-Erbengemeinschaft autorisiert und von Hendrix' altem Toningenieur Eddie Kramer abgemischt.

Während das vor drei Jahren veröffentlichte "Valleys of Neptunes" die Reste der Jimi Hendrix Experience zusammenkehrte, stellt "People, hell and angels" nun die Songs zusammen, die Hendrix gemeinsam mit dem Material des 1997 veröffentlichten "The first new rays of the rising sun" eigentlich für ein Doppelalbum vorgesehen hatte. Outtakes und Proberaummaterial also? No, Sir. Denn Hendrix wollte nach den drei Experience-Platten und "Band of gypsies" endlich zu seinen Blues-Wurzeln zurück.

Wobei das eröffnende "Earth blues" trotz des Titels nun ausgerechnet kein reiner Blues ist, sondern mit einer gehörigen Portion Funk vorbeitänzelt, bevor Hendrix bei "Somewhere" gemeinsam mit Stephen Stills von Crosby, Stills, Nash & Young am Bass mehr Gefühl aus dem kleinen Finger holt, als Kohorten sogenannter Guitar Heroes es jemals vermochten. Gänzlich großartig ist dann das ebenso wie "Bleeding heart" bereits von "Valleys of Neptunes" bekannte "Hear my train a comin'" - ein Song, der´spätestens in dieser Version in den Katalog der unverzichtbaren Hendrix-Klassiker gehört.

Der größte Fehler wäre, diese Songs als Ego-Trip und persönliche Jams von Hendrix misszuverstehen. Im Gegenteil: "Let me move you" wird erst durch das grandiose Zusammenspiel mit Sänger und Saxophonist Lonnie Youngblood zu einer mitreißenden Melange aus Funk, Soul und Blues, ebenso lässt Hendrix bei "Izabella" und "Easy blues" reichlich Raum für den konsequenterweise grandios aufspielenden Gitarristen-Kollegen Larry Lee.

Und auch wenn das abschließende "Villanova junction blues" in der Tat kaum mehr als ein Fragment ist, bleibt das größte Verdienst von "People, hell and angels", dass das Album endlich einige Songs in das Gewand kleidet, das ihnen zusteht. Bekanntestes Beispiel hierfür ist sicherlich "Crash landing", das bislang zu jenen unsäglichen Aufnahmen gehörte, die sich in den Siebzigern durch neu eingespielte Bass- und Schlagzeugspuren einen Platz im Giftschrank verdient haben. Nach "Valleys of Neptunes" setzt "People, hell and angels" also erneut einer Ikone ein würdiges Denkmal.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Hear my train a comin'
  • Let me move you
  • Crash landing
  • Hey gypsy boy

Tracklist

  1. Earth blues
  2. Somewhere
  3. Hear my train a comin'
  4. Bleeding heart
  5. Let me move you
  6. Izabella
  7. Easy blues
  8. Crash landing
  9. Inside out
  10. Hey gypsy boy
  11. Mojo man
  12. Villanova junction blues

Gesamtspielzeit: 52:42 min.

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