Pascal Finkenauer - Pascal Finkenauer

Pascal Finkenauer- Pascal Finkenauer

Trocadero / Indigo
VÖ: 05.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Zum Lachen aus dem Keller

Keine Ahnung, was Pascal Finkenauer zu Textzeilen wie "Was haben wir gelacht / Über mich, über mich / Schütt' ein lautes Lachen über mich / Ich hab' mich selbst belogen / War nicht aufrichtig zu mir / Ich bin viel zu hoch geflogen" veranlasst hat. Abgehobenheit, Selbstlüge und Unaufrichtigkeit gehörten nämlich beileibe nicht zu den Dingen, die man bisher mit dem Wahlhamburger assoziiert hatte. Dafür war insbesondere sein 2009er Erfolgsalbum "Unter Grund" zu ehrlich, tiefgründig und auf gewisse Art und Weise auch authentisch. Auch seine die folgende englischsprachige EP und der Lyrikband "Techno" ließen keine Rückschlüsse auf charakterliches Fehlverhalten des Charismatikers zu. Wie er darauf kam, wird also sein Geheimnis bleiben.

Denn auch auf "Pascal Finkenauer" bleibt er seinem bisherigen Stil treu. Schon im eröffnenden "Verzerrt" heißt es überzeugend und inbrünstig "Mein Kopf hängt meterhoch über den Straßen / Nichts mehr ist, wie es war / Nur die Angst ist immer noch da, wo sie war" - sie ist nach wie vor tonangebend, diese eindringliche Melancholie. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch die zwölf neuen Tracks, die der Mittdreißiger in den vergangenen zwei Jahren getextet und komponiert hat. Wer jedoch Trübseligkeit erwartet, wird vergeblich danach suchen. "Ich bin ziemlich gut beisammen / Und guter Dinge, dass es weiter, weiter geht" trällert er passend zu den knackig einsetzenden Gitarrenklängen von "Im Licht".

Und selbst mit Zeilen wie "Ich weiß noch nicht / Wie es mit mir weitergeht / Wie es sich am Abgrund lebt / Ich bin am Ende / Also tanzt auf dem Rest meiner Reste" im psychedelisch anmutenden "Den Bach runter" versprüht Finkenauer alles andere als Verzweiflung oder Bedrücktheit. Dementsprechend beschwingt und flott geht es anschließend in "Maschine" voran. Diese Stimmungsschwankungen machen hier und da auch vor amtlich zur Sache gehenden Rocknummern wie "Hinter zerrissenen Tüchern" oder "Alles in Rage" nicht Halt. Ein verträumtes "Wellen" lässt plötzlich aus dem Nichts mit knarzendem Gitarrenschrammeln aufhorchen, während "Brennende Autos" kurzzeitig komplett die Fassung verliert. All das sorgt für Abwechslung inmitten der tiefgründigen Ernsthaftigkeit - und ist zusammengenommen alles andere als lachhaft.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Verzerrt
  • Im Licht
  • Maschine
  • Offen

Tracklist

  1. Verzerrt
  2. Im Licht
  3. Den Bach runter
  4. Maschine
  5. Wellen
  6. Lautes Lachen
  7. Müdigkeit
  8. Brennende Autos
  9. Hinter zerrissenen Tüchern
  10. Taucherin
  11. Alles in Rage
  12. Offen

Gesamtspielzeit: 53:32 min.

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