Killswitch Engage - Disarm the descent

Killswitch Engage- Disarm the descent

Roadrunner / Warner
VÖ: 28.03.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Wiederkehrer

Alter Sänger, neues Glück? Oder wie war das? Nachdem der neue, alte Sänger Howard Jones aufgrund einer Diabetes-Erkrankung das Handtuch werfen musste, wandten sich die Metalcore-Heroen an ihren alten, jetzt wieder neuen Sänger Jesse Leach, der die Band 2002 wegen schweren Depressionen verließ. Vor nicht allzu langer Zeit setzten sich Leach und Killswitch-Gitarrist Adam Dutkiewicz für ein Kurzprojekt wieder zusammen und veröffentlichten als Times Of Grace "The hymn of a broken man". Die Chemie scheint zwischen Ex-Sänger und Noch-Gitarrist dermaßen gestimmt zu haben, dass bei Jones' Ausstieg der Ersatzmann nur noch Formsache war. Was sich hier im homosozialen männlich dominierten Bereich geriert wie eine Schmachtfolge von "Downton Abbey" oder "Willkommen im Leben", offenbart nichts Neues unter der Sonne. Wo Killswitch Engage mit ihrem zweiten selbstbetitelten Album "Killswitch Engage" 2009 und in Folge Times Of Grace zwei Jahre später aufhörten, macht "Disarm the descent" einfach weiter, ohne dass die personellen Umbrüche Spuren im Songwriting hinterlassen hätten.

Die vollkommene, durch Studium und/oder Begabung verliehene Beherrschung des Instruments bietet noch lange keine Garantie für kreativen Fortschritt. Es soll nicht auf die ewiggleiche Debatte um Skills fressen Seele und Seele fressen Skills Bezug genommen werden, weil Ersteres am Beispiel von The Dillinger Escape Plan schnell ad absurdum geführt und Letzteres mit Machine Head widerlegt werden kann. Woran krankt also der neue Kopffüßler der Westfielder Mannen? An der Wiederkehr der Wiederkehr der Wiederkehr.

Gewiss lässt sich dem Rezensenten vorwerfen, er hätte die elaborierte Versiertheit dieser Musikrichtung nicht verstanden, wisse nicht um die hohe, variantenreiche Songwriting-Kunst dieser Ausnahmeband, sehe die genretransgredierenden Progressionen nicht und besitze folglich nicht das Ohr, subtile Neuerungen zu hören. Alles nur Perlen vor die Säue geworfen? Oder wie der Hahn auf dem Misthaufen in der äsopischen Fabel, der beim Scharren eine herrliche Perle entdeckt, stattdessen lieber Mist und Haferkorn bevorzugt und dadurch das von der Perle symbolisierte, recht verstandene Wort ablehnt? Geht dem Rezensenten folglich die musikalische Erleuchtung flöten? Ansichtssache.

"Disarm the descent" ist mitnichten schlecht, nur eben in Anbetracht der Vorgänger nicht viel anders. Es wird gebrüllt, auf vermutlich höchstem Niveau gedroschen, versiert gegniedelt, noch härter geblastet, schmachtvoll gesungen, der Winterspeck weggegroovt. Nur, was differenziert dieses Herangehen von "Killswitch Engage" aus dem Jahr 2000? Wo verbirgt sich die Variante zu "Alive or just breathing"? Wo versteckt sich die Abwandlung des Schemas von "As daylight dies"? Und wie grenzt sich "Disarm the descent" von dem 2009er Album "Killswitch Engage", geschweige denn von dem Sideprojekt von Leach und Dutkiewicz ab? Die Produktionswerte sind seit Anbeginn auf dem obersten Level, das Ohr wird umschmeichelt. Die Fertigkeiten sind stets am Anschlag, der Grammy in der Tasche, die Schmachtparts schmachtend und das Geschrei sauer. Alles beim Alten und dabei so vollkommen, dass der menschliche Faktor, wie ihn Dave Grohl seit seiner Entdeckung analoger Aufnahmemöglichkeiten mit Butch Vig unermüdlich propagiert, nicht gegeben ist. Folglich verlagert sich die Spannung des "Was" auf das "Wie" der Darbietung. Wie füllen die Riffs das seit einer Dekade gleiche Knochengerüst der Songs, wie werden die neuen Vocalparts in perfekter Darbietung an den Mann gebracht? Dies mag vielen die Erfüllung bieten, uns ist es zu wenig.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • New awakening
  • In due time

Tracklist

  1. Hell in me
  2. Beyond the flames
  3. New awakening
  4. In due times
  5. A tribute to the fallen
  6. The turning point
  7. All that we have
  8. You don't bleed for me
  9. The call
  10. No end in sight
  11. Always
  12. Time will not remain

Gesamtspielzeit: 39:04 min.

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