Cold War Kids - Dear Miss Lonelyhearts

Cold War Kids- Dear Miss Lonelyhearts

Downtown / Cooperative / Universal
VÖ: 05.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Knietief im Blues

Oh, Jonnie. Verlässt einfach so die Band, nach acht guten Jahren und drei schön verschrobenen Indie-Pop-Alben. Und das gerade dann, wenn es es bergauf geht und der Weg ein wenig weiter in den Mainstream weist. Aber Gitarrist Jonnie Russell wird sicherlich seine Gründe gehabt haben. Die restlichen Cold War Kids scheint das indes gar nicht zu jucken. Die machen mit dem neuen Mann Dann Gallucci nämlich genauso weiter wie bisher, hauen auf "Dear Miss Lonelyhearts" wie gewohnt drei bis vier wunderbare Singles raus und verbluesen den Rest der Platte. Für den großen, endgültigen Durchbruch wird das wohl wieder nicht reichen, was aber auch gar nicht so schlimm ist. Denn auch dieses vierte Studioalbum erweist sich als feine Sache.

Für den Anfang haben sich die vier Kalifornier einen Furor aus drei möglichen Hits zurechtgelegt. "Miracle mile" tritt in die Fussstapfen von "Something is not right with me", während "Lost that easy" und "Loner phase" einen Gang zurückschalten und ihr Glück über die Melodie suchen. "Jailbirds", den vierten Pophit auf diesem Album, heben sich Cold War Kids für einen späteren Zeitpunkt auf. Die weiteren Stücke sind schwerer verdauliche Kost, durch die sich Sänger Nathan Willett klagt, windet und leidet, dass es nur so eine Freude ist. Der Mann steckt nämlich noch immer knietief im Blues und hat sich für "Tuxedos" sogar noch einen Gospelchor als Unterstützung an die Seite geholt.

Der Fokus verschiebt sich gen Ende weg von der Melodie hin zur Percussion, und Cold War Kids legen zum Schluss zwei ihrer besten, wenn auch nicht einfachsten Songs nach. Der Titeltrack stolpert verspielt und mit verschmitztem Lächeln durch seine viereinhalb Minuten, Willett versucht sich an der Aufarbeitung einer gescheiterten Beziehung. "Bitter poem" hingegen macht noch einmal den beschwerlichen Weg tief in den Keller zum großen Bottich voller Selbstmitleid. Damit ist "Dear Miss Lonelyhearts" im Grunde im positiven Sinne gewöhnliches Album von Cold War Kids geworden. Es gibt keine großen Überraschungen, aber die Songs sitzen mal wieder. Eigentlich wollten wir ihnen das ja nicht ein viertes Mal durchgehen lassen. Doch ein altes Sprichwort sagt: Drei Mal ist Bremer Recht, vier Mal ist aber auch nicht schlecht. Noch einmal Glück gehabt.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Miracle mile
  • Loner phase
  • Dear Miss Lonelyhearts
  • Bitter poem

Tracklist

  1. Miracle mile
  2. Lost that easy
  3. Loner phase
  4. Fear and trembling
  5. Tuxedos
  6. Bottled affection
  7. Jailbirds
  8. Water and power
  9. Dear miss lonelyhearts
  10. Bitter poem

Gesamtspielzeit: 36:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Pete
2013-09-19 22:09:27 Uhr
Cold War Kids entdecken das Killers-Gen in sich und verwandelen sich still und heimlich in eine überzogene Kitschmaschine mit großen Gefühlen, aber immer gleichen Gesten. Da sagten die Dauerkartenbesitzer »winke, winke«. »Dear Miss Lonelyhearts« nun versucht wieder alles zu kitten. Wirklich alles? Leider nicht. Keyboard und Stimme klingen so uninspiriert wie schon auf »Mine Is Yours«. Allein die zerfaserten Gitarrenspuren und das engagierte Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug verhindern, dass das Album völlig versumpft.
CoolShoes Kids
2013-09-19 22:02:55 Uhr
Es muss schon eine ganz besondere Männerfreundschaft sein, die Nathan Willett, Matt Maust, Jonnie Russell und Matt Aveiro pflegen, denn was die Cold War Kids da auf der Bühne miteinander anstellten, hatte stellenweise schon etwas Homophiles. Und bevor jetzt ein Aufschrei der Entrüstung losgetreten wird: ich benutze den Begriff hier nicht als das alte, überholte Synonym für Homosexualität, sondern möchte nur andeuten, irgendwie müssen die sich alle - platonisch - sehr lieb haben. Denn wie sie sich gegenseitig angehen auf der Bühne, Schubsten, Stoßen, auch mal in den Hintern treten, hat das Ganze was von pubertierenden Schülern, die sich auf eine gemeinsame Turnstunde vorbereiten. Schließlich haben sich die Musiker der Legende nach ja auf einem christlichen College getroffen

eric

Postings: 1909

Registriert seit 14.06.2013

2013-09-19 10:45:25 Uhr
"Miracle Mile" ist schon ein Übersong. Mal wieder auskramen. :)
Hard Core Kids
2013-09-19 09:08:32 Uhr
Ich finde die etwas beliebig. Da fehlt der Schwung. Vermutlich doch eher Musik für Frauen.

The MACHINA of God

Postings: 11027

Registriert seit 07.06.2013

2013-09-18 22:41:15 Uhr
Hab heute mal ins Debut reingehört. Fand ich nicht so spannend. Ich mag den Sound und das überdrehte hier sehr. Die erste war mir bisschen zu sehr "indie".
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