Adam Ant - Adam Ant is the blueblack hussar in marrying the gunner's daughter

Adam Ant- Adam Ant is the blueblack hussar in marrying the gunner's daughter

BlueBlack Hussar / Al!ve
VÖ: 01.03.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fluch der Akribik

Alle reden von Post-Punk. Und niemand von New Romantic, seiner kurzlebigen Begleiterscheinung Anfang der Achtziger, die man sich circa als großspurige Make-Up-Version des Ganzen vorstellen muss. Die Protagonisten hießen Boy George, Steve Strange und nicht zuletzt Stuart Leslie Goddard alias Adam Ant, der im Piraten-Outfit mit Adam And The Ants kurz, aber spektakulär Glamour und New Wave verkochte. Die Briten landeten Hits wie den donnernden Tribal-Popper "Stand and deliver", der Frontmann produzierte sich in voller Mantel-und-Degen-Montur als "Prince Charming" und verhöhnte in "Goody two shoes" spießbürgerliche Moralapostel. Binnen weniger Jahre war die Sache dann durch, die Band aufgelöst, und aufgrund von Goddards manisch-depressiver Veranlagung verlief seine Solokarriere bis heute weitgehend im Sande.

Spaß an der Selbstinszenierung hat der inzwischen 58-Jährige allerdings immer noch: Die Ähnlichkeit mit Captain Jack Sparrow ist nicht von der Hand zu weisen, mit Liam Gallagher lieferte sich Goddard im Vorfeld der ersten Single "Cool zombie" ein medienwirksames Wortgefecht ob des Mitwirkens von Beady-Eye-Gitarrist Andy Bell, und sich selbst sieht er auf dem unpraktisch lang betitelten Comeback als gepeinigten Freibeuter der Musikindustrie: Nicht umsonst ist "marrying the gunner's daughter" Seemannsjargon für die Praxis, meuternde Besatzungsmitglieder an die Schiffskanone gefesselt auszupeitschen. So nimmt es kaum Wunder, dass Stoddard auf ein Majorlabel verzichtet. Dafür durften Morrissey-Gitarrist Boz Boorer, Chris McCormack von 3 Colours Red und sogar der alte Weggefährte Marco Pirroni ran.

Dass die Spielzeit von "Adam Ant is the blueblack hussar in marrying the gunner's daughter" locker eine Stunde überschreitet, zeugt dabei in erster Linie von begeistertem Machenwollen und äußerster Akribik beim Verteilen von Seitenhieben - jeder gute Dandy weiß eben, dass man sich seine Feinde nicht sorgfältig genug aussuchen kann. Vor allem die weiblichen. "I bought you flowers to smooth things over / By the time they died the armistice was over", lamentiert Goddard in der windschiefen Herzschmerz-Ballade "Valentines", an anderer Stelle bittet er: "Treat me like the dirty beast I am." Und schon da scheint nicht mehr viel übrig zu sein vom markigen Mutfassen des zweiten Songs "Stay in the game". Doch der Mann lässt sich nicht unterkriegen - er hat ja offenbar alle Zeit der Welt. Und außerdem viel zu erzählen.

Über seine Verflossenen, über von Drogen dahingeraffte Rockstars und sogar über den verstorbenen Sex-Pistols-Manager Malcolm McLaren, dem der Blues-Shuffle "Who's a goofy bunny?" ein Kränzchen windet. Und der geschäftstüchtige Punk-Zampano wäre in der Tat beeindruckt gewesen: Man muss hier etwa darauf gefasst sein, dass Goddard "Cool zombie" als halbakustische "Hey Joe"-Würdigung eröffnet und "Shrink" vorlauten Glam-Rock aus dem Fenster wirft. Das exzellente "Vince Taylor" hingegen steigert sich in frenetischen Country-Swing hinein, während "Hard men tough blokes" mit klobiger Drummachine und bräsiger Ascheimergitarre die Nähe des US-Industrial sucht. Momente, in denen man gerne darüber hinwegsieht, dass dieses Album, sagen wir, nicht allzu umsichtig produziert ist. Wenn überhaupt.

Das zeigt sich vor allem in den langsameren Stücken. Der Tränenzieher "Vivienne's tears" ist so kitschüberfrachtet, dass man schreiend weglaufen möchte, bei den Ad-Libs des pseudo-psychedelischen Nichts "Darlin' boy" nölt Goddard schlimmer als Primal Screams Bobby Gillespie in seinen mauligsten Scheißegal-Anwandlungen. Da ist selbst die eher maue Zeile "I'm sorry, but I eat my soup with a fork / I'm sorry, but I don't listen when you talk" ein willkommener humoriger Rettungsanker ob drohender Unerträglichkeit. Und im Grunde hat sich gar nicht so viel geändert: Goddard lässt immer noch nichts aus, obwohl er nur die Hälfte davon wirklich kann. Wenigstens reicht das für eine gelungene halbe Stunde - den Rest der Zeit kann man ja über New Romantic reden. Aber bitte nur ganz leise.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Cool zombie
  • Vince Taylor
  • Hard men tough blokes
  • Shrink

Tracklist

  1. Cool zombie
  2. Stay in the game
  3. Marrying the gunner's daughter
  4. Vince Taylor
  5. Valentines
  6. Darlin' boy
  7. Dirty beast
  8. Punkyoungirl
  9. Sausage
  10. Cradle your hatred
  11. Hard men tough blokes
  12. Shrink
  13. Vivienne's tears
  14. Who's a goofy bunny?
  15. How can I say I miss you?
  16. Bull****
  17. How can I say I miss you? (Reprise)

Gesamtspielzeit: 68:37 min.