Soundtrack - Sound City: real to reel

Soundtrack- Sound City: real to reel

RCA / Sony
VÖ: 08.03.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dave allmächtig

"Sound City" ist eine Dokumentation über ein Mischpult. So wahr diese Aussage ist, so schlecht verkauft sie den Film. Denn "Sound City" ist natürlich auch die Geschichte eines legendären Aufnahmestudios, Dave Grohls erste Regiearbeit und vollgepackt mit mehr großen Namen als jeder rote Teppich. Und trotzdem: Eigentlich geht es einfach nur um ein Mischpult, nämlich das Neve 8082, dessen neue Heimat mittlerweile Grohls 606 Studios sind. Aber der Reihe nach.

Der Film erzählt die Geschichte der Sound City Studios in Los Angeles von deren Gründung 1969 bis zum endgültigen Schlussstrich 2011 - anhand der Künstler, die dort aufgenommen haben und der Platten, die dort entstanden sind. Die Liste der Namen ist lang, in den Referenzen ganz unten findet sich eine unvollständige Aufzählung. Entstanden sind in den Sound City Studios unter anderem "Nevermind", "After the gold rush", "Blues for the red sun", "Rage Against The Machine" und "Rated R". Gemeinsam haben all diese Alben einen ganz bestimmten Sound, da alle Instrumente, Spuren und Songs eben durch dieses eine Mischpult gelaufen sind. Grohl und die anderen Musiker und Studioleute, die er für den Film interviewt hat, versuchen diesem speziellen Klang mehr oder weniger erfolgreich auf die Spur zu kommen. Und genau hier passt dann auch dieser Soundtrack ins Bild: als Praxisversuch am Objekt des Films.

Die elf Songs sind allesamt Neukompositionen und in Grohls Studio zusammen mit den zahlreichen Gastmusikern entstanden. Der Chef selbst mischt bei jedem Song mit, der Rest des Personals ist ein beeindruckender Querschnitt durch die Geschichte der Sound City Studios. Stevie Nicks und Paul McCartney sind dabei genauso wie Josh Homme und Trent Reznor. Daraus ergibt sich die wunderbare Situation, dass "Sound City: real to reel" genauso nach einem homogenen Album klingt, wie es die Abwechslung mit Löffeln gefressen hat. Mehr oder weniger immer scheinen Foo Fighters durch, was sicher nicht nur an Grohl liegt, sondern auch daran, dass er die verbleibenden Plätze an den Instrumenten für die meisten Songs mit seinen Mitmusikern auffüllt.

Bei "The man that never was" singt der grundsympathische Rick Springfield zum Beispiel einfach einen klassischen Foo-Fighters-Song ein. Man kann sich allerdings auch leicht die Frage nach Huhn und Ei stellen: All die Künstler und Platten, über die Grohl im Film erzählt, sind eindeutig auch die, die ihn musikalisch geprägt haben. Dazu gehört Springfield, der hörbar richtig Spaß an seinem Gastspiel hat, ebenso wie Lee Ving von Fear, Rick Nielsen von Cheap Trick oder Chris Goss. Letzterer spielt mit Grohl und der Rhythmusfraktion von Rage Against The Machine einen sechsminütigen Psych-Rocker - ein recht repräsentatives Beispiel für die versammelten Kombinationen auf "Sound City: real to reel".

Auf irgendeine Weise bemerkenswert ist jeder Song, auch wenn der eine oder andere auf dem Papier beeindruckender aussieht, als er klingt. "Cut me some slack" bringt zum Beispiel alle lebenden Nirvana-Mitglieder mit Paul McCartney zusammen. Das Resultat ist ein recht lauter Hardrock-Jam mit großartigem, wenn auch etwas eintönigem Groove und improvisiertem Text - gut, aber eben keine Mischung aus Beatles und Nirvana. Nicht das einzige Stück, das etwas roh und nicht sehr ausformuliert wirkt - es handelt sich eben eher um die Momentaufnahme eines kreativen Prozesses als um ein durchgeplantes Konzept. An anderer Stelle funktioniert genau das wiederum ganz fantastisch: Stevie Nicks' "You can't fix this" irritiert zunächst mit seiner schwammigen Struktur und dem etwas unmelodiösen Gesang, schlägt aber beim dritten oder vierten Durchlauf voll ein. Nicks' Stimme und die sinister flirrenden Gitarren verursachen Gänsehaut, während der Rhythmus mit unbeirrter Coolness durch die sechs Minuten stapft.

Ebenso viele Worte ließen sich verlieren über die drei Songs, an denen Josh Homme beteiligt ist, insbesondere über das etwas abseitig-experimentelle "Mantra" mit Trent Reznor am Keyboard - aber auch über den wunderbar anarchischen Punkrocker "Your wife is calling" mit Lee Ving oder "If I were me", bei dem Grohl drei gefragte Studiomusiker zum Zug kommen lässt. In Verbindung mit dem Film kann man ganz wunderbar in den Details von "Sound City: real to reel" versinken und an jedem Stück seine Freude haben. Bleibt einzig die Frage, was aus der Platte geworden wäre, wenn Grohl auch noch einige der anderen für den Film Interviewten ins Studio bekommen hätte: Tom Petty, Neil Young und Frank Black hätten ein bereits hochwertiges Soundtrackalbum sicher noch weiter bereichert.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Heaven and all (Robert Levon Been, Dave Grohl, Peter Hayes)
  • You can't fix this (Stevie Nicks, Dave Grohl, Taylor Hawkins, Rami Jaffee)
  • The man that never was (Rick Springfield, Dave Grohl, Taylor Hawkins, Nate Mendel, Pat Smear)

Tracklist

  1. Heaven and all (Robert Levon Been, Dave Grohl, Peter Hayes)
  2. Time slowing down (Chris Goss, Tim Commerford, Dave Grohl, Brad Wilk)
  3. You can't fix this (Stevie Nicks, Dave Grohl, Taylor Hawkins, Rami Jaffee)
  4. The man that never was (Rick Springfield, Dave Grohl, Taylor Hawkins, Nate Mendel, Pat Smear)
  5. Your wife is calling (Lee Ving, Dave Grohl, Taylor Hawkins, Alain Johannes, Pat Smear)
  6. From can to can't (Corey Taylor, Dave Grohl, Rick Nielsen, Scott Reeder)
  7. Centipede (Joshua Homme, Chris Goss, Dave Grohl, Alain Johannes)
  8. A trick with no sleeve (Alain Johannes, Dave Grohl, Joshua Homme)
  9. Cut me some slack (Paul McCartney, Dave Grohl, Krist Novoselic, Pat Smear)
  10. If I were me (Dave Grohl, Jessy Greene, Rami Jaffee, Jim Keltner)
  11. Mantra (Dave Grohl, Joshua Homme, Trent Reznor)

Gesamtspielzeit: 55:48 min.