Low - The invisible way

Low- The invisible way

Sub Pop / Cargo
VÖ: 22.03.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Momente wie diese

Es ist ein Moment besonderer Güte: Fast zwei Minuten lang klingt es, als würde Mimi Parker für sich alleine singen, die Melodie treibt voran, und man wartet gespannt darauf, dass etwas passiert. Und wartet. Und wartet. Kein Refrain, kein Ausbruch, kein Alan Sparhawk, der seine Kollegin stimmlich unterstützt. Unruhe macht sich breit, oder auch Ungeduld. Weil eben ganz klar ist, dass da gleich etwas passieren muss. Und dann! Dann kommt er endlich, der eben noch so heißersehnte Ausbruch, Parker wiederholt die Worte "So blue / With you" wie ein Gebet, die Melodie steigert sich, und die zweite Hälfte des Stücks wirkt wie ein erlösender Befreiungsschlag. Im 20. Jahr ihres Bestehens beherrschen Low solche Momente immer noch.

Ihr zehntes Studioalbum "The invisible way", das von niemand Geringerem als Wilcos Jeff Tweedy produziert wurde, ist der Beweis dafür. Gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Phasen, in denen man an dem Trio aus Minnesota gezweifelt hatte, haben sie ihre Hörer letztlich doch wieder überzeugen können. Selbst das anfangs etwas gewöhnungsbedürftige "C'mon" gewann nach einer Weile so sehr, dass einem die Schwächen kaum noch auffielen. Mit "The invisible way" arrangiert man sich schneller. Das oben genannte "So blue" wurde sicher bewusst gewählt für den kleinen Album-Trailer, da es dank der herausragenden Leistung von Sängerin Mimi Parker schon das erste Highlight gibt. Der Opener "Plastic cup" bleibt da noch auf der Strecke, obwohl die lässige Art, wie Sparhawk von einem drogenbedingten Urintest singt, sicher auch seine Vorzüge hat.

Besser wird er im bluesigen und eindeutig von Tweedy beeinflussten "Clarence White", dessen vorzeitiges Ende und plötzliches Aufbäumen anders sicher auch funktioniert hätte - aber wir wollen ja nicht meckern. Eine Liebeserklärung an die eigene Mutter gibt es auf "Mother", das trotz irreführender Intimität erstaunlich tief unter die Haut geht, während Parker sich auf "Holy Ghost" zu Country-Klängen mit ihrem Glauben auseinandersetzt: "Feeds my passion for transcendence / Turns my water into wine / Makes me wish I was empty", sinniert sie hier und sorgt für den nächsten starken Auftritt. Sparhawk erlebt seinen auch noch, spätestens kurz vor Schluss auf "On my own". Hier gibt es Low, wie man sie noch von früher kennt, mit dem schrammeligen, eigensinnigen Gitarrenriff, die die eben noch erschaffene Idylle gezielt stören und die Erzählung vom destruktiven Egoismus-Verhalten nicht nur unterstützt, sondern hervorhebt. Der Moment ist auf ihrer Seite. Mal wieder.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • So blue
  • Holy Ghost
  • On my own

Tracklist

  1. Plastic cup
  2. Amethyst
  3. So blue
  4. Holy Ghost
  5. Waiting
  6. Clarence White
  7. Four score
  8. Just make it stop
  9. Mother
  10. On my own
  11. To our knees

Gesamtspielzeit: 41:06 min.

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Herder

Postings: 1806

Registriert seit 13.06.2013

2015-06-25 19:16:35 Uhr
@Obrac: Ich habe ja auch geschrieben "sehr gut" gemachter Indierock ;-)
Und sowohl Low als auch Yo La Tengo haben natürlich ihren ganz speziellen, einzigartigen Sound, den ich sehr verehre!

Obrac

Postings: 1048

Registriert seit 13.06.2013

2015-06-25 08:17:18 Uhr
Große Band. Freue mich.

Aber ähnlich wie bei Yo La Tengo, dringt man mit sehr gut gemachtem Indierock wohl einfach nicht mehr so durch.

Ich finde, die sind viel mehr als nur gut gemachter Indie-Rock. Die haben schon ihren eigenen, ganz speziellen Stil.
namenslos
2015-06-25 08:08:14 Uhr
Oh ja, das war auch für mich eins der besten aus 2013. Sollte ich mal wieder reinhören. Auf das neue Album bin ich sehr gespannt.Da sie mich aber noch nie so richtig enttäuscht haben gucke ich dem gelassen entgegen.

Herder

Postings: 1806

Registriert seit 13.06.2013

2015-06-23 19:21:54 Uhr
Oha, das letzte Album hat hier ja auch nur minimale Aufmerksamkeit erhalten. Völlig zu unrecht, wie ich finde.
Eines des besten Alben 2013!

Herder

Postings: 1806

Registriert seit 13.06.2013

2013-08-23 18:12:57 Uhr
@Hanno: Ich finde eigentlich gar nicht, dass die ihre beste Zeit schon hinter sich hätten. Gerade die letzten beiden Alben waren doch sehr stark.
Aber ähnlich wie bei Yo La Tengo, dringt man mit sehr gut gemachtem Indierock wohl einfach nicht mehr so durch. Schade eigentlich!
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