British Sea Power - Machineries of joy

British Sea Power- Machineries of joy

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 29.03.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Welt und Fuß

Mehr Psychedelic geht in diesem Verbund nicht. Wo sich gewöhnlich die Eingeweide schütteln vor lauter Graus über dieses Unwort, greifen die Rotzlöffel von British Sea Power mit Vorliebe und Suppenkelle in das Potpourri aus chemischen Substanzen und verschwommenen Klängen. Wo sie noch versuchten, den auf gutem Clash-Schrammel zurückgehenden Libertines-Sound im Gratis-Abo mitzukultivieren, scheint sich das Brightoner Sextett über die Jahre umbesonnen zu haben. Die Geister, die man einstmals rief, werden immer weiter abgeschüttelt. Stattdessen heben die Briten mit kleinen euphorisierenden Ausbrechern den Popo in die Frühjahrsluft 2013 und präsentieren eine Hinternparade, bei dem rosig schmetternde Trompetenklänge nicht zu kurz kommen.

Die Insel ist klein, die Welt groß und die Seemacht von früher hat einige Schiffsturbinen eingebüßt. Endlichkeit, Weite und Rationalisierung. So gestaltet sich das strukturelle Dreieck, mit dem man "Machineries of joy" weitestgehend beschreiben kann. Was ist denn noch zu machen, wenn man die Frage, ob man Rockmusik mag, bereits mit "Ja" beantwortet und sich im Anschluss in die Tanzhallen Walhalls emporgeschwungen hat, um die leutseligen Met- und Bierabende mit krachigen Stadionböllern aufzubretzeln? Wohl der Rückzug nach vorn in Besinnung auf Teile des eigenen Schaffens. Das vierte Opus der Südengländer löst das Versprechen ein, das sie mit "Cleaning out the rooms" 2011 formulierten: Shoegazer-Psychedelia. Der trotzige Umschwung erfolgt jedoch in der Hinsicht, dass die Enge sich einer fokussierten sonnendurchfluteten Größe öffnet, ohne dass die Songs sich verausgaben müssen.

Der titelgebende Opener balanciert ohne viel Aufsehens mit alten Sneakern den übrgiggebliebenen Staubballast in warmer Frühlingssonne beiseite, um mit "K hole" für die Reminiszenz an krachige Schmetterbretter den Gehsteig zu räumen, die hallend und mit zu viel Alkohol vom Vortag den Rausch aus den Gehirnwindungen zu joggen scheinen. Schön ist das, erfreut auf unprätentiöse Weise und lässt den Frühling herbeisehnen, egal zu welcher Jahreszeit. Die Erinnerung an früher zieht in hyperaktivem Optimismus an "Hail holy queen" vorbei, das ruhig mit halb hängendem Kopf das eigene Schuhwerk zu hinterfragen scheint.

Bei allem Abspecken auf robuste Songgerüste, die sich durch ruhige Introspektion auszeichnen, wird der Welt Tür und Tor geöffnet, wie in dem monoton vor sich hin tretenden "Loving animals", das sukzessive kurz vor Ausbruch in sich zusammenfällt. Die Sublimation der Hemmnis, der die Band noch lange nicht genug gehuldigt hat? So scheint das wunderschön akustisch gehaltene "What you need the most" mit betrunkenen Wabersounds und einem Streicherkorsett glauben zu machen, derweil es zwecks Vitamin-D-Mangel den Kopf in dunstiges Nachmittagslicht an der Küste streckt und dem schummerigen Dahingleiten leckgeschlagener Flaggschiffe zuschaut.

Ob böllernde Trompetenfanfaren wie in "Monsters of sunderland" oder kleine Angstpräventivmaßnahmen wie in "Spring has sprung". Nie verlieren die Briten den Blick für die eigenen Füße, während sie dem offenen Horizont der Möglichkeiten entgegenlaufen und mit dem bewusstseinserweiternd vertonten Naturschauspiel "When a warm wind blows through the grass" die Insichversunkenheit unter einem dicht bewölkten Himmel genießen. Dies ist der Höhepunkt der Selbstvergessenheit. Aus den Augen, aus dem Gin.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • What you need the most
  • Spring has sprung
  • When a warm wind blows through the grass

Tracklist

  1. Machineries of joy
  2. K hole
  3. Hail holy queen
  4. Loving animals
  5. What you need the most
  6. Monsters of Sunderland
  7. Spring has sprung
  8. Radio Goddard
  9. A light above descending
  10. When a warm wind blows through the grass

Gesamtspielzeit: 41:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2013-06-25 19:33:47 Uhr
Wieder mal sehr schöner Gig im Luxor. Crowd war zwar wieder recht halbgar, könnte auch daran liegen, dass das Set ein wenig ruhiger wirkte als bei manch anderen Gigs. "Waving Flags" und "Remember Me" waren natürlich sichere Nummern, wo die Crowd auch abgegangen ist. Und am Ende gabs die Pflanzen als Abschiedsgeschenk =).

PS: Die Arkells konnten einen richtig leid tun, hatten mit nem unfassbar miesen Sound zu kämpfen, der eher Tinnitus als Klangfreunde zur Folge hatte. Dennoch sehr sympathische Truppe.
Professor Moe
2013-04-04 15:52:07 Uhr
Weil Rough Trade pünktlich liefert und die somalischen Piraten noch nie was vom Ärmelkanal gehört haben, bot sich mir in den letzten Tagen die Möglichkeit, das Album einige Male durchzuhören.

Ich kannte alle 5 EP's aus denen das Album entstanden ist und war einigermassen euphorisch, weil sich darauf wirklich ein paar tolle Songs befinden, die natürlich auch live (bei den "Krankenhaus"-Shows in Brighton, ich war bei der EP3-Vorstellung da) richtig gut geklungen haben.
Leider ist das Album für mich eine Enttäuschung. Es ist ihnen irgendwie nicht gelungen aus dem Stilmix der EP's ein Gesamtwerk zu formen. Diesen Eindruck hatte ich auch schon bei Valhalla Dancehall.

Dazu kommt, dass BSP für mich immer die Band war, die die ganz grossen Momente in ihren Songs hatte. Ich erinnere an dieser Stelle an "Remember Me" mit dem fast schon neoliberalen Ausspruch "oh what about the other half?...whatever!" Das war irgendwie noch "No la dee da, No picnickers,Just party, party in a tweety land." Ich meine, wenn ich die Brandungswellen von "Fear of Drowning" höre, bekomme ich noch immer Gänsehaut und fürs Gitarrenzwischenstück von "Oh Larsen B" würde ich töten. Getötet werden möchte ich in dem Moment wo "Great Skua" nochmal so richtig dramatisch ausbricht.
Ach, aber ja, solche Momente fehlen mir eben auf Machineries of Joy. Schlimmer noch: Einige Songs sind in der EP-Version einfach besser, ganz deutlich z.B. beim Titeltrack!

Auch wenn der von Desare Nezitic angedeutete Stilwechsel Tatsache ist, bleiben BSP unverkennbar. In den Songs finden sich die selben Geschichts- und Naturreferenzen wie eh und je. Ich frage mich aber, für wen Machineries of Joy eingentlich gedacht ist? Hoffnungslose Fälle wie ich werden sich sowieso schon mit den EP's beschäftigt haben und ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit dem neuen Album viele neue Fans begeistern kann.
Das Highlight der Platte ist für mich "A Light Above Descending." Diese Perle ist bei mir in der Fülle der EP-Songs untergegeangen.
Der wirklich grosse Moment wurde aber auch hier verpasst: Statt nach dem wunderbar traurigen "you will remember me, won't you?" den Song ausklingen zu lassen wird alles ein paar Sekunden später schon von "When A Warm Wind Blows Through The Grass" weggepustet. Schade.

Desare Nezitic
2013-04-01 01:51:19 Uhr
Keinen interessiert das Album, obwohl schon seit ner Wochte geleakt? Interessantes Album, da man genau den anderen Weg geht. Weg von der hohen Eingängigkeit vieler Songs auf den letzten beiden Alben und hin zu frühlingshaften Shoegazing. Der Titeltrack und "Loving Animals" (besonders die EP-Version) sind ganz groß.


Zurich Komplex Klub
19 June 2013

Vienna Full Hit of Summer festival
20 June 2013

Scheeßel Hurricane Festival
22 June 2013

Neuhausen Southside festival
23 June 2013

Cologne Luxor
24 June 2013

Amsterdam Bitterzoet
25 June 2013

Wiesbaden Schlachthof Club
26 June 2013

Berlin Kleiner Postbahnhof
27 June 2013

Poznan Pasaz Kultury
28 June 2013
auweia
2013-03-22 13:10:07 Uhr
Die Rezension gefällt mir nicht und liest sich unglaublich anstregend. Dumme "Witze" überall aber kein Wort über die EPs?!
Brilliantine Mortality
2013-02-14 00:50:36 Uhr
OMG! Vorhin die Tracklist des neuen Albums gesehen, da sind ja wirklich nur die besten Tracks von den Ep´s drauf! Ok, hätte vielleicht noch 2, 3 dazu genommen. Vor allem Facts Not Right hätte drauf sein müssen!
Hoffentlich auf der Bonus Cd.

Na auf jeden Fall ist Machineries Of Joy (die Single) ganz ganz großartig geworden!
Die Version von der Ep war ja schon klasse, doch das hier ist allein von der Dichte und Tiefe her echt der Hammer!
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