Lady Lamb The Beekeeper - Ripely pine

Lady Lamb The Beekeeper- Ripely pine

BB*Island / Cargo
VÖ: 15.03.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kein Geheimrezept

Der US-Bundesstaat Maine ist so etwas wie das Saarland der Vereinigten Staaten: Das Gebiet unterlag in der Vergangenheit französischen Territorialansprüchen, ist vor allen Dingen für seine Landschaft bekannt und gilt gemeinhin als - frankophil ausgedrückt - ennuyant. Aber es tut sich was im Nordosten der USA: Lady Lamb The Beekeeper aka Aly Spaltro veröffentlicht ein Album, wie man es so nicht aus dem Langweiler-Biotop erwartet hätte, schon gar nicht von einer 23-Jährigen, die aussieht wie das fleischgewordene Klischee eines Teenie-Mauerblümchens. Doch wenn Spaltro musiziert, mutiert sie vom kindlichen Landei zur kosmopolitischen Singer-Songwriter-Lady - wo nimmt die Kleine das her?

Mit ländlicher Einfalt hat all das, was Spaltro auf "Ripely pine" so abzieht, jedenfalls wenig zu tun. Ganz im Gegenteil; komplex verschachtelt, herzensnah und voller Tiefgang ist die textliche Ausgestaltung der Platte. Abwechslungsreich und divers stellt sich dabei auch die musikalische Umgebung dar, reicht vom Ukulelen-Akustik-Stück bis zum Rock-Feuerwerk. Wie sie es auch macht, es klappt. Spaltros immer wieder formulierte Heimatverbundenheit lässt auf den ersten Blick auch im Albumtitel den Bezug zum "Pine Tree State" Maine vermuten. Tatsächlich gemeint ist aber eine beißende Sehnsucht, das Verzehren nach der Anwesenheit eines Gegenübers. Dieses Thema durchzieht die Platte wie ein roter Faden.

Die Erstauskopplung "The nothing part II" erzählt vom harten Schicksal einer nicht enden wollenden Trennung und der Wiedervereinigung im gemeinsamen Verlangen - der stärkste Track des Albums. Auch "Aubergine" mit seinem galoppierenden Rhythmus und den gekonnt eingesetzten Bläsern ist ein wunderhübscher Song über unerfüllte Liebe, welcher sich in seinem Verlauf mit der aufkeimenden Wut der Protagonistin ins Endgültige steigert. Das gleiche Thema greift auch "Bird balloons"auf, diesmal aus der entgegengesetzten Perspektive. Spaltro besingt den eigenen Verlust der Liebensfähigkeit innerhalb einer körperlichen Entrückung: "This is my loss of limb, my loss of love." Selbstvergessen und träumerisch schwebt das Stück seinem Ende entgegen, bis es mit einem Mal zerbricht und der Takt in voller Beschleunigung das eigene Geistwerden besiegelt. Noch so ein starkes Ding.

Ist Spaltro womöglich die verlorene Tochter Leslie Feists, oder die jüngere Schwester Fiona Apples? Große Namen, aber das ist tatsächlich weniger weit hergeholt, als es klingt, präsentiert sich Lady Lamb And The Beekeeper doch musikalisch und gesanglich ähnlich versiert und tritt vergleichbar kess und authentisch auf wie die beiden Grand Dames des Singer-Songwritings. Spaltros Geheimrezept ist am Ende gar keines: Wo aufrichtig geliebt und gelitten wird, entstehen doch seit jeher die größten Songs. Sogar in der Einöde. Oder erst recht dort. Spaltro hat sich übrigens die Umrisse "ihres" Bundesstaates auf den Arm tätowieren lassen - das traut sich im Saarland keiner.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Aubergine
  • Bird balloons
  • The nothing part II

Tracklist

  1. Hair to the ferris wheel
  2. Aubergine
  3. Florence Berlin
  4. Bird balloons
  5. Regarding ascending the stairs
  6. You are the apple
  7. Mezzanine
  8. Little brother
  9. Crane your neck
  10. Rooftop
  11. The nothing part II
  12. Taxidermist taxidermist

Gesamtspielzeit: 61:23 min.