Bryan Ferry - Frantic

Bryan Ferry- Frantic

Virgin / EMI
VÖ: 15.04.2002

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Nebel von Avalon

Es ist lange her, daß Bryan Ferry mit Roxy Music die Worte "raffiniert", "Rock" und "Pop" in Einklang brachte. Sie nahmen auf ihre ganz eigene Art und Weise Punk, New Wave und Glam vorweg und schafften, kurz bevor sie die Kitschgrenze endgültig durchschlugen, rechtzeitig den Absprung. Säuselstimme Ferry nestelte derweil immer mal wieder an experimentfreien Solo-Entwürfen herum, ohne aber je die Brillanz zu erreichen, die so unterschiedliche Bands wie Pulp, A-Ha, Suede oder die Talking Heads als Nachfahren von Roxy Music zustande brachte.

Mit der letztjährigen Reunion aber, die neben jeder Menge Geld in den beteiligten Taschen auch ein allerorten euphorisiertes Konzertpublikum zurückließ, hat Ferrys erstes Lebenszeichen seit dem Retroswinger "As time goes by" (1999) herzlich wenig zu tun. Statt dessen croont sich Ferry diesmal durch dreizehn wahllos zusammengestellte Tracks. Dabei läßt er sich von Leuten wie Johnny Greenwood (Radiohead), Dave Stewart und dem alten Kumpel Brian Eno unterstützen. Zu diesen großen Namen gesellen sich noch größere von Songschreibern wie Bob Dylan, der gleich zwei Songs spendieren durfte, oder Folk-Legende Leadbelly. Allein es hilft wenig.

Da ringt Ferry schenkelwalzernd mit Irene, tänzelt um perlende Pianos und mundgeblasene Harmonikas und markknopflert ein wenig zu Don Nix' "Goin' down". Da jauchzen in "San Simeon" ätherische Stimmen zu zerstrichenen Dissonanzen, während "It's all over now, Baby Blue" zum Countryschunkler mutiert. So weit, so routiniert. Nur im düsteren "Hiroshima" kommt so etwas wie Stimmung auf. Ein dezenter Drumloop groovt zu rückgekoppelten Gitarrenspulen, und einsame Seufzer warten auf das Drücken des Knopfes. Die große Explosion bleibt dennoch aus.

Statt dessen setzt es Schmalspur-Rock und bedingt inspiriertes Gepoppe an der Grenze zur Überproduktion. Während im einen Song die Sägen singen und die Engelchen juchzen, twangen im anderen die Gitarren und bollern die Rhythmen. Was manchem wie Zerrissenheit vorkommen mag, zeigt jedoch bloß die Planlosigkeit, die Ferry seine Songs zusammenkehren ließ. Das Feingefühl, das man Ferry einst nachsagte, spielt die meiste Zeit Versteck. Als Ersatz packt Produzent Phett Davies alles in Watte. "Why in the world are you so cruel?" hören wir Ferry fragen. Gegenfrage: Warum in der Welt ist "Frantic" so langweilig?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hiroshima

Tracklist

  1. It's all over now, Baby Blue
  2. Cruel
  3. Goin' down
  4. Goddess of love
  5. Don't think twice
  6. Nobody loves me
  7. Ja nun hons pris
  8. Fool for love
  9. Goodnight Irene
  10. Hiroshima
  11. San Simeon
  12. One way love
  13. I thought

Gesamtspielzeit: 48:03 min.

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