Der Xer - Mordsmusik

Der Xer- Mordsmusik

Naidoo / Tonpool
VÖ: 08.03.2013

Unsere Bewertung: 1/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Warum nur?

Eine ganze Nation trauert! Seit einigen Tagen sind "wir" ganz offiziell nicht mehr Papst. Und genau jetzt macht ganz unerwartet ein anderer Gottesfürchtiger von sich reden: Xavier Naidoo hat sich seinen "langgehegten Traum" erfüllt und ein Dubstep-Album aufgenommen. Unter dem Pseudonym Der Xer macht er "Mordsmusik". Dass sich Naidoos Weisen ab sofort ums Thema "Töten" drehen und von schier teuflischen Dubstep-Beats begleitet werden, ist noch lange keine Grund, vom Glauben abzufallen. Denn eigentlich bleibt auch auf "Mordsmusik" alles wie gehabt. Gut, ein paar Songs sind im Englischen eingesungen, und die Hand am Autotune-Regler saß beim Mischmann ziemlich locker, sonst aber hat sich wenig geändert.

Naidoos Texte sind wie immer anstrengend pathetisch, ekelhaft besserwisserisch und sprechen ständig von irgendwelchem mystischen Kram, der ganz offensichtlich nur einfachste Persönlichkeiten zu beeindrucken vermag. Immer wieder ergibt sich so eine Art Rammstein-Effekt: Naidoo kotzt ein paar besonders hart und mysteriös klingende Verse ins Mikro und wartet, bis die Menge kreischt und tobt und vielleicht sogar Hallelujah schreit. Dieses Machschema durchzieht "Mordsmusik" wie ein roter Faden. "Suchst Du bunte, farbige Steine?", fragt der Sänger so im Opener. Mit dem einsetzenden Beat folgt die Antwort: "Ich hab' gewusst, dass Du die Steine suchst / Ich hab' das Blut und den Schweiß dazu." Das klingt gewohnt übertragisch, aber es wird noch weit schlimmer auf dem Album. Im letzten Track der Platte stellt Naidoo ganz und gar Höllisches fest: "Es ist so gottverlassen einsam mit euch" - wieder so eine unnötig bedeutungschwangere Aussage. Um Gottes Willen!

Nun ja, und mit dem Dubstep, da ist es eben so eine Sache. Empirisch belegt ist die besondere Wirkweise desselben, wenn es ums schiere Abzappeln geht. Ganz unbestreitbar sogar. Auf "Mordsmusik" wird durch den besonders unkreativen Einsatz allerdings geradezu die Steilvorlage für allerlei Negativaussagen gegeben. Im Obstladen namens Dubstep gibt es sicherlich Granny Smith, Boskoop und Braeburn, aber eine Birne findet man dort ganz selten – da beißt die Maus keinen Faden ab. Naidoo hat sich zu allem Überfluss leider nur die eine, die billigste Sorte ins Körbchen gepackt. Das klingt schon alles immer sehr ähnlich und nervt schneller, als es müsste. Wie man auch in der Popmusik gekonnt mit solcherlei Elementen hantiert, haben u.a. James Blake und Alex Clare vorgemacht. Da hätte sich der Sänger gerne etwas abgucken können. So macht die musikalische Untermalung alles nur noch schlimmer. Was soll man da noch sagen? Selbst der erste gut gemeinte Lacher verpufft spätestens nach dem ersten Durchlauf, wenn nicht schon viel eher. Bitte weg damit!

(Pascal Bremmer)

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Highlights

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Tracklist

  1. Bunte Steine (feat. Olli Banjo)
  2. Die Ferne ruft
  3. This Mouth
  4. I can feel you
  5. Hide your fear
  6. Feindbewegung/N-Täuschung
  7. Eat you alive
  8. Du hast meine Freiheit gehabt
  9. Einsam mit Euch

Gesamtspielzeit: 40:01 min.

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